• Avantgarde der Außenseiter: Schneewittchen meets Anonymous beim Otaku Festival in Bukarest

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    Der spielerisch-sichere Umgang mit Identitäten in der digitalen Sphäre und im Real Life wird von Otakus vorgelebt, die sich zwar kostümieren wie ihre Idole, aber vor allem damit beschäftigt sind, Remixe anzufertigen und Fan-Fiction zu verfassen. Vergangenes Wochenende trafen sich Tausende von Otakus in Bukarest – nicht zuletzt um über Whistleblower, Hacker und Parkourists zu sprechen. Berliner Gazette-Autorin Michelle Martin berichtet.

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    Wann laufen sich Schneewittchen und Anonymous schon mal über den Weg? Wo kann man über neue Formen des Journalismus diskutieren, während nebenan ein paar blauhaarige Soldatencyborgs Autogramme geben? Mit einer Delegation von Gästen aus Japan, Rumänien und Deutschland war die Berliner Gazette beim Otaku-Festival in Bukarest, um in Workshops und Diskussionen über Whistleblower, Hacker, Parkourists und andere Phänomene zu sprechen.

    Sie verstehen nur Bahnhof? Kein Problem. Otaku ist ein japanisches Wort und steht für eine besondere Fankultur. Ein Otaku ist jemand, der nicht einfach nur Fan ist, sondern selber Mangas zeichnet, Kostüme entwirft (und trägt), Geschichten schreibt.

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    Vielleicht musste erst eine regelrechte Otaku-Philosophie geschrieben werden, um dem Westen klar zu machen, dass ein Otaku mehr ist als einfach nur ein Fan. Großdenker wie Jean Beaudrillard, Peter Sloterdijk und Walter Benjamin stehen Gewehr in einem zum Besteller avancierten Otaku-Buch, das eine allgemeine Theorie des Otaku formuliert.

    Außenseiter, die ihre Gemeinsamkeiten erkunden

    Es ist eine Theorie, die Ja sagt zum in Deutschland vielfach beschworenen „Umbau des Gehirns“ (Schirrmacher). Dabei geht es nicht darum, die Herrschaft der Maschinen über den Menschen zu legitimieren. Im Gegenteil: Wir sollten das Potenzial der Informationsfluten zur Befreiung des Menschen erkennen. Kann die Gesellschaft von der Otaku-Kultur also auch etwas lernen?

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    Beim Otaku Festival in Bukarest trafen wir mehr als 5000 Otakus: Verkleidet und geschminkt wie ihre Helden, an Workshops teilnehmend, um gemeinsam Kimonos zu erstellen, Wettbewerbe um das beste Kostüm austragend. Dieser Ort, an dem vermeintliche Außenseiter zusammenkommen und gerade das als Gemeinsamkeit erleben, ist zugleich die Plattform für Diskussionen über den Berliner Gazette-Jahresschwerpunkt UN|COMMONS. Wie das alles unter einen Hut passt?

    Bei UN|COMMONS geht es um die Frage danach, wie wir unser Zusammenleben in Zukunft gestalten wollen. Gemeingüter, Commons genannt, können und werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Doch gibt es im Moment viele Commons, die wir uns als Gesellschaft erst noch aneignen müssen, die momentan uncommon sind, kurz: UN|COMMONS.

    Bausteine für eine neue Welt

    Die Subkultur der Otakus kann dabei eine Schablone werden: Etwa der spielerisch-sichere Umgang mit Identitäten in der digitalen Sphäre und im Real Life wird von Otakus vorgelebt, die sich zwar kostümieren wie ihre Idole, aber vor allem damit beschäftigt sind, Remixe anzufertigen, Fan-Fiction zu verfassen, sich in Diskussionen zu engagieren. Die sich nicht damit begnügen ihre Likes wie die Samen einer Pusteblume zu verteilen, sondern jenseits davon mit anderen zusammenkommen.

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    „In der zeitgenössischen Otaku-Kultur geht es nicht mehr um zusammenhängende Geschichten und kohärente Charaktere.“ so Woznicki, der seit den 1990er Jahren mit der Kultur vertraut ist. „Vielmehr geht es um die Bausteine, aus denen sie gemacht werden können. Haarfarbe, Nasenformen, Frisur – alles und alle werden auf Merkmale und Elemente heruntergebrochen, damit ein Otaku sie zusammensetzen kann, je nach Belieben.“

    Woznicki weiter: „Insofern kann die Frage niemals lauten: Wie viele Informationen vertrage ich? Ein Otaku kann nie zuviel Informationen bekommen. Er oder sie lebt von dem Überfluss, weil nur so die Vielfalt und der kombinatorische Reichtum der Otaku-Welt Gestalt annehmen kann.“

    Die Praktiken der Otakus können also eine Inspirationsquelle sein, wenn es darum geht, eine Vorstellung von unseren UN|COMMONS zu entwickeln – aber auch von den Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. Und ja…: Sie können Anonymous und Schneewittchen miteinander ins Gespräch bringen.

    Auch deshalb werden wir den Dialog bei unserer Jahreskonferenz im Herbst fortsetzen. Wir veranstalten in Berlin vom 22.-24.10. gemeinsam mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz die internationale UN|COMMONS-Konferenz und bieten dann auch einen zweitägigen Workshop an, um die Ideen weiterzuspinnen. Bleiben Sie dran!

    Foto-Dokumentation

    Eindrücke aus Bukarest, die unser Redakteur Andi Weiland mit seiner Kamera eingefangen hat, finden sich in einem flickr-Album. Oben und weiter unten ein Vorgeschmack.

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    Anm.d.Red.: Die Berliner Gazette veranstaltete im Rahmen des Otaku Festival 2015 das Symposium Culture of Parkour (die Referenten waren der Medientheoretiker Mitsuhiro Takemura und die Digital Native-Expertin Magdalena Taube) und den Workshop Culture of Leaks (die Referenten waren der Investigativ-Journalist Adrian Mogos, die Medienjuristin Valentina Pavel und der Programmierer Michael Prinzinger). Beide Programmpunkte wurden von Berliner Gazette-Herausgeber Krystian Woznicki Moderiert. Alle Fotos im Text stammen von Andi Weiland (cc by nc) und wurden beim Otaku Festival in Bukarest aufgenommen.


2 Kommentare zu Avantgarde der Außenseiter: Schneewittchen meets Anonymous beim Otaku Festival in Bukarest

  • Nathan (Otaku) am 09.01.2016 13:39
    Ich hab jetzt keine lust das zu verbessern weil ca. 70% des Textes is falsch
  • Nathan (Otaku) am 09.01.2016 14:01
    UND WIR SIND KEINE AUßENSEITER!

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