• Gestrandet im Sound

    Aus den Boxen bohrt sich der Sound des God of Minimal in meine Ohren. Der sich behutsam anschleichende Klang, packt mich und der Beat laesst mich nicht mehr los aus seinem Wuergegriff, der meinen Kopf zappeln laesst. Langsam fuehle ich mich wie letzte Nacht.

    Es ist das Gefuehl der Aufbruchstim- mung, das praegend fuer meine naechtliche Irrfahrt werden sollte. Mein Wegbegleiter und ich wollten in einen Club, der wollte uns aber nicht. Die Grundlage fuer unsere Reise, bei der es anscheinend Ziel war, sich ganz dem Rausch hinzugeben und neue Erkenntnisse ueber die Welt und sich selbst aus uebermaessigem Alkoholgenuss zu gewinnen, war da.

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    Eine schlecht besuchte Bar… ein Doener… eine Taxifahrt… Ich erinnere mich nur bruchstueckhaft – als haette jemand den Spiegel der Erinnerungen zerschlagen und alle kleinen Splitter in den Muell geworfen. Vielleicht war es dieser Typ, der kurz davor war, mir eine aufs Auge zu druecken, wohl aber doch eher der Suff. Was fuer einen Anblick muss ich meinem Mitbewohner geboten haben, als ich meinen Kadaver kurz vor elf Uhr morgens in die Kueche schleppte, um eine Flasche Wasser zu holen. Wieder im Bett konnte ich nicht mehr schlafen, weil ich versuchte den Spiegel zu leimen. Ohne Erfolg.

    Je laenger ich versuchte, meine wenigen Erinnerungen zu sortieren, desto surrealer erscheinen sie mir. Dass die Odyssee sich nicht nur in meiner Phantasie abspielte, stand eigentlich ausser Frage, doch suchte ich nach Beweisen. Ich fand sie in meinem Kater, in den nach kaltem Qualm stinkenden Klamotten und den leeren Bierglaesern, die sich auf meinem Couchtisch sammelten. Doch das alles spielt keine Rolle mehr. Mir geht es zwar beschissen aber dafuer scheint die Sonne in mein Zimmer und laesst mich leicht aufatmen. Ich bleibe so lange im Bett liegen bis der Sound die Luft gaenzlich absorbiert hat.


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