• Pioniere bitte hinten anstellen

    Unsere Initiative Kulturforum Berlin-Alexanderplatz (KFBA), das ehemalige Haus Ungarn als Kulturstandort für eine offene, interdisziplinaere und nicht-kommerzielle Kulturarbeit im Zentrum zu erhalten, ist nach sechsmonatigen Verhandlungen gescheitert. Seit Oktober 2007 hatten wir mit der Wohnungs- baugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) ueber die zukuenftige Nutzung des ehemaligen Haus Ungarn an der Karl-Liebknecht- Strasse verhandelt.

    Anvisiert war eine Zwischennutzung von zunaechst drei Jahren mit dem Ziel, das Haus Ungarn langfristig als Kulturstandort im Zentrum Berlins zu erhalten.

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    Die Verhandlungen mit den Vermietern verliefen zunaechst viel versprechend. Die WBM kann auf eine lange und fruchtbare Geschichte der Zwischennutzungen in Berlin zurueckblicken und hat sich eingehend mit dem Konzept des KFBA auseinander gesetzt. Im November 2007 hat das KFBA ein abgesichertes Finanzierungskonzept vorgelegt und das Angebot fuer eine Zwischennutzung in allen Details konkretisiert. Zur selben Zeit wurde jedoch deutlich, dass auch gewerbliche Mitbewerber Interesse an der Immobilie zeigen. Im Maerz dieses Jahres hat sich die WBM dann für einen gewerblichen Mieter entschieden.

    Der Schritt ist aus oekonomischer Sicht verstaendlich. Irritierend für das KFBA und viele UnterstuetzerInnen ist hingegen die Haltung des Senats. Die Entwicklung des Zentrums zwischen den Eckpunkten Schlossplatz, Hackescher Markt und Alexanderplatz zeigt, dass die Visionen einer demokratischen staedtebaulichen Entwicklung zugunsten aller Bewohner der Stadt ad acta gelegt wurden. Die Stadtentwicklung Berlins hat einen weiteren Schritt hin zur Privatisierung des oeffentlichen Raums und der Festivalisierung der Innenstaedte gemacht und folgt dem globalen Trend privatwirtschaftlich orientierter Stadtmarketing-Strategien.

    Nicht-kommerzielle Kulturarbeit und auf Nachhaltigkeit angelegte soziale und kulturelle Projekte finden in diesem Szenario zunehmend keinen Platz mehr. Die prekarisierten KulturarbeiterInnen Berlins sind zwar weiterhin eine gern gesehene Avantgarde zur Erschließung und Aufwertung so genannter unterentwickelter Areale fuer zukuenftige Investitionen der Wachstumskoalition aus Verwaltung, Politik, Tourismusbranche und privaten Investoren; im Zentrum der Stadt scheint die Arbeit der Urban Pioneers, so der Titel eines vom Senat fuer Stadtentwicklung veroeffentlichten Readers zum Thema Zwischennutzung, jedoch kaum noch gebraucht zu werden.

    Im Zuge unserer Initiative ist deutlich geworden, dass in Berlin von Seiten der Bewohner und Kulturschaffenden ein starkes Interesse an Stadtentwicklung besteht. Es gibt verschiedene emanzipatorische Diskurse und Interessengruppen, die jedoch bisher relativ getrennt voneinander agieren. Diese Ansaetze zu buendeln und ihnen ein Forum zu bieten, erscheint uns angesichts der uebergeordneten Entwicklungen dringend notwendig.


1 Kommentar zu Pioniere bitte hinten anstellen

  • sebastian am 23.04.2008 08:26
    Verflucht! Und ich hatte mich schon gefreut, bei meinem nächsten Berlintrip endlich mal das Versäumnis nachholen zu können, eurer Initiative, und dem was sie aufbaut, einen Besuch abstatten zu können; zum alten U-Bahnhof hab ichs auch nie geschafft.. .
    Ich drück die Daumen, dass die Interessengruppen zu bündeln in dem Maße gelingt, wie man damit Druck auf Verantwortliche im Rat auszuüben in die Lage sich versetzen könnte.

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