• Coney Island: Paradies in Schmerzen

    Was wird aus beliebten Touristenzielen, wenn der Besucherstrom versiegt? Eine Bestandsaufnahme am Beispiel Coney Island .

    Früher war Coney Island sehr beliebt; es war cool und classy, „the place to be“. 1942 machte Weegee sein berühmtes Foto, der Strand war immer voll. „We’ll go to Coney/And eat baloney on a roll“ sang Ella Fitzgerald.

    Neben dem breiten sandigen Strand gab es hier auch einen riesigen Vergnügungspark mit dem 1939 zur Weltausstellung gebauten Parachute Jump, und die besten Hotdogs der Stadt. Zuckersüße rosarote Welt, das amerikanische sorglose Paradies. Für jeden war etwas dabei: für junge Paare, für Familien mit kleinen oder großen Kindern, für Omas und Opas, für Künstler, Hausfrauen, Werbeagenturmitarbeiter, Studenten usw.

    Riesenräder sterben in Schmerzen

    Heute scheint Coney Island extrem uncool zu sein. An einem warmen sonnigen Tag in Oktober ist es hier fast leer, der Sand glänzt in der Sonne, Seemöwen schreien sich gegenseitig an, das Wasser ist ziemlich kalt. Der Strand zieht sich kilometerlang – man sieht kein Ende, weder links noch rechts. Der weite Horizont beruhigt, wie immer. Hinter mir sterben die letzten verlassenen Karussells und Riesenräder; langsam und in Schmerzen. In dem berühmten Hotdog Laden klebt der Ketchup auf dem Boden. Hinter dem Boulevard graue Hochhäuser, die mich an Plattenbausiedlungen in Kattowitz in Oberschlesien erinnern.

    Ein asiatisches Brautpaar lässt sich hier, in diesem verlassenen Paradies, fotografieren. Der Fotograf erklärt der Braut, wie sie zum Bräutigam hinlaufen soll, er soll sie dann festhalten, und lächeln sollen beide nicht vergessen. Es funktioniert nicht, der geduldige Fotograf rennt also selbst in Richtung Bräutigam, so, jetzt weiß die Braut Bescheid. Also noch mal.

    Die Pommes schmecken nicht. Alles um mich herum besteht aus Fragmenten, die nicht zueinander passen, ein bisschen wie in einem Traum. Nach ein paar Stunden steigen wir in die U-Bahn ein und fahren zurück, in die laute Stadt, in das Reale, in das Echte.


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