• Destination Pakistan: Daniel Pearl, Osama Bin Laden und „mind-voyaging“ im Live-Internet

    Es ist wohl kein Zufall, dass die medial aufbereitete Suche nach Osama Bin Laden an die Suche nach Daniel Pearl erinnert – jenen in Pakistan ermordeten Wall Street Journal-Korrespondenten. Sie wurde zwar ganz anders durchgeführt, aber auf verblüffend ähnliche Weise erzählt. Und sie führt in dasselbe Labyrinth aus westlicher Paranoia und kolonialem Rassismus. Berliner Gazette-Herausgeber Krystian Woznicki wagt einen Rückblick und zieht dazu den internationalen Bestseller „Wer hat Daniel Pearl ermordet?“ heran. Update: Bilder sind ausgewechselt, Begründung siehe unten.

    Am 23.01.2002 starb der Wall Street Journal-Südostasien-Korrespondent Daniel Pearl vor laufender Kamera – es entstanden Bilder einer Hinrichtung, die um die Welt gingen. Der namhafte Intellektuelle Bernard-Henri Levy konnte sich mit den offiziellen Erklärungen genauso wenig zufrieden geben, wie mit den Prozessergebnissen des Falls und begab sich umgehend auf Pearls Spuren.

    Knapp ein Jahr lang war Levy unterwegs. Seine Reiseroute führte ihn von Karatschi nach Kandahar, Neu-Delhi, Washington, London und wieder nach Karatschi. Dort interviewte er Menschen, die mit Pearl zu tun hatten: seine Eltern, Arbeitgeber, Kollegen und seine Kontaktmänner. Doch auch ranghohe Militärs, Geheimdienstler, Staatsmänner, Anwälte, Polizisten sowie die Führer islamistischer Organisationen waren in diesen Fall mehr oder weniger involviert und für Levy deshalb genauso von Interesse. In seinem Buch „Wer hat Daniel Pearl ermordet? Der Tod eines Journalisten und die Verstrickungen des pakistanischen Geheimdienstes mit al-Qaida“ hat er seine Recherchen in Form eines Untersuchungsromans niedergeschrieben.

    Eine Doppelbiografie mit drei Protagonisten

    Der Leser folgt dem Autor durch die winkeligen Gassen pakistanischer Slums, durch verstaubte Aktenlager des indischen Geheimdienstes sowie in die Kommandozentralen windiger Machthaber. Wir sind dabei, wenn Levy ein Hotel in Pakistan aufsucht, das sich als getarnte Anlaufstelle für „Gotteskrieger“ entpuppt. Wir sitzten mit Levy im Auto wenn er eine Route nachfährt, die die Entführer am Tag ihres Coups gefahren sind. Wie auch an anderen Stellen, wird man hier durch die Beschreibungen der vorbeiziehenden Landschaften so sehr in den Blick des Autors hineingezogen, dass man meint, bei ihm zu sein. Bei ihm, bei Danny, wie Levy, Daniel Pearl nach einer Weile zu nennen beginnt. Identitäts-Zapping bzw. Perspektiven-Morphing ist Levys Methode, die bereits ganz am Anfang offen gelegt wird:

    Ich werde in seine Fußstapfen treten, von Islamabad bis Karatschi den Spuren des Mannes folgen, der ahnungslos in das Dunkel trat, dieselben Schritte tun wie er, beobachten wie er, möglichst denken und fühlen wie er - bis zum bitteren Ende, bis zum Augenblick seines Todes.

    Und so gibt es zahlreiche Passagen, die eine Unmittelbarkeit suggerieren und eine Nähe, als würde Levy durch die Augen einer Überwachungskamera blicken, die auf Pearl fortwährend gerichtet war. Das Prinzip der Einfühlung wendet Levy ebenfalls auf Omar Sheikh an, seinen mutmaßlichen Mörder. Ein Unterfangen, welches Levy mit gewissen Vorbehalten anging:

    Da sind die Tücken der Nachsicht, das Risiko, vor lauter Verständnis am Ende zu entschuldigen, die Gefahr, bei der Schilderung des Geschehenen, vor lauter Freude am eignen Geist und Verstand, allmählich den Eindruck zu wecken, alles habe zwangsläufig so kommen müssen.

    „Wer hat Daniel Pearl ermordet?“ kam als Doppelbiografie auf den Markt, eine Art Bestandsaufnahme des dualistischen Prinzips zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Pearl und Omar als zweiten Seiten ein und der selben Münze. Doch ist es nicht etwas mehr als eine Doppelbiografie geworden? Ein weiterer Lebenslauf zieht sich schließlich wie ein Leitmotiv durch das Buch: Es ist die Vita des Autors. Levy spiegelt sich in den beiden, vornehmlich in Pearl. Er hat viele vergleichbare Erfahrungen gemacht und hat viele der Regionen besucht, in den meisten Fällen viel früher als Pearl.

    So lässt Levy, der vorgibt Fakten und nichts als die Fakten in diesem Buch zu präsentieren, zahlreiche Erinnerungen einfließen: Pakistan 1971 (damals traf er Z.A. Bhutto, der sich an der Schwelle zur Macht befand), Bangladesh 1973 (damals war er Widerstandskämpfer in einem Stammesgebiet in der Nähe Afghanistans), Bosnien 1992/3 (als Omar dort gekämpft haben soll, hat er als Jude im belagerten Sarajevo an der Seite der bosnischen Moslems ausgeharrt), Ankara und Dubai 1994 sowie Israel 2002 (damals traf er Moshe Yaalon, nach dem dieser zum Generalstabschef der israelischen Armee ernannt worden war).

    Levy, der seit über vier Dekaden Kriegsschauplätze bereist, nutzt diese Lebensabschnitte wie ein weiteres Reservat, um sich in die Köpfe seiner Protagonisten hineinzuversetzen – man könnte auch kritisch anmerken, dass Levy diese beiden Fälle als Katalysator für eine Selbstdarstellung nutzt. Denn so sehr er die beiden Männer von allen Seiten beleuchtet, so sehr er sie ins Rampenlicht rückt, der heimliche Protagonist scheint stets er selbst zu sein. Schließlich erlebt der Leser alles schlussendlich durch Levys Brille: durch seine Art, die Dinge darzustellen (der „Untersuchungsroman“ zeichnet sich durch einen sehr eigenwilligen, multi-perspektivischen Erzählduktus aus), und seine Art, die Dinge zu benennen.

    Pakistan: „Hort des Bösen“

    Besonders auffällig ist Levys Sprache, wenn es um die vermeintlich abgründigen und negativen Themen seines Gegenstandes geht. Worte wie „Böse“, „Teufel“, „Finsternis“, „Bastard“, „Barbar“ oder „Dämon“ gehen ihm erstaunlich häufig und erstaunlich leicht über die Lippen – ein Vokabular, das er lediglich für Gotteskrieger, Islamisten, Muslime und Pakistanis benutzt. Erstaunlicher ist noch, dass selbst der kritische Leser nach einer Weile durch dieses Vokabular manipuliert ist.

    Diese Wirkung erzielt Levy aus mehreren Gründen: Er versteht es, den Leser durch seinen Erzählduktus emotional einzubinden, und er versteht es, ihn von den dunklen Machenschaften zu überzeugen, vor allem den Verstrickungen islamistischer Organisationen mit dem pakistanischen Geheimdienst (ISI). Bald glaubt man tatsächlich, dass Pakistan der Sitz des Bösen ist. Spätestens dann als Levy über die besagten Organisationen sagt:

    Die Austauschbarkeit ihrer Verbrechen und Machtstrukturen, die spiegelbildliche Art, wie sie miteinander verknüpft sind, sodass man sie oft verwechselt, ist zum Kennzeichen Pakistans geworden.

    Man übersieht leicht den logischen Fehler seiner Ausführungen: Wie kann ein ortloses globales Netzwerk (Al Qaida) mit einem herkömmlichen Staatsapparat (ISI) deckungsgleich sein? Und das geht vor allem auf die Macht seines Buches zurück: Es vermag, wie ein wirklich guter Krimi, seinen Leser in seinen Bann zu ziehen – die 431 Seiten sind wirklich schnell gelesen, man verschlingt das Buch förmlich. Es erweckt Orte einer Region zu Leben, von denen man bislang kaum ein Bild hatte, und versteht es auf diese Weise, die Fantasie des Lesers zu fesseln sowie um ein reichhaltiges Vokabular zu erweitern. Im wahrsten Sinne des Wortes „mind-blowing“ ist, wenn Levy uns in das Labyrinth einer Madrassa führt (jener Stadt in der Stadt, die keinem Fremden zugänglich ist), um dort das geistliche Oberhaupt zu sprechen.

    Dabeisein ist alles: Heute Pakistan, gestern Vietnam

    Das Vokabular des Fernwehs vermischt sich mit Levys unsachlicher Wortwahl zu einer gefährlichen Mischkalkulation, die weniger im Dienste der Aufklärung steht, als vielmehr im Dienste von Verklärung und Verschleierung. Der Grund ist einfach: Levy fasziniert seinen Leser, weil er einen Mythos spinnt. Pakistan wird durch sein Buch genauso überzeichnet und in das Zeichenarsenal der Popkultur überführt, wie zuvor Kuba und später Nordkorea oder der Irak im Rahmen des War On Terror. Nicht zuletzt wird Pakistan damit zu einem attraktiven „Reiseziel“ des Post-Tourismus, einer Form des mentalen Tourismus im Informationszeitalter, die ihren Ursprung in der Medienberichterstattung während des Vietnam-Krieges hat.

    Ein relativ unkontrollierter Strom von Bildern und Nachrichten drang damals in das Bewusstsein von Daheimgebliebenen. Wer ein Radio, einen Fernseher und Zugang zu Tageszeitungen hatte, meinte den Ablauf des Krieges so zu erleben, wie er an den urbanen und ländlichen Fronten des asiatischen Landes tatsächlich auch stattfand. Dafür sorgten Info-Updates, visuelle Häppchen und Sound-Bytes, die täglich frei Haus geliefert wurden. Krieg war erstmals zu einem Medienereignis geworden, die Geburtsstunde des Post-Tourismus hatte geschlagen („Post“, weil man jetzt weltweit reisen konnte, ohne sich physisch zu bewegen).

    Der Soziologe Chris Rojek prägte in diesem Zusammenhang Begriffe wie „mind-voyaging“ und „collage-tourism“. Begriffe, die unterstreichen, dass Begegnungen mit Ländern auch im Kopf vonstatten gehen können und dass das Erleben von touristischen Objekten in diesem Zusammenhang medial konstruiert ist und keineswegs mehr an einen realen Ort gebunden ist.

    „Wer hat Daniel Pearl ermordet?“ ist dieser Tradition zuzuordnen. Und Levy, der im klassisch-heroischen Sinne ein Tourist alter Schule ist, hat mit dem Erzähler-Ich seines „Untersuchungsromans“ ein Rollenmodell für die Berichterstattung im Live-Internet erfunden. Hier ist zweierlei ein Muss: 1) absolute Nähe und 2) das Filmische. Ganz nebenbei hat Levy mit seinem Pakistan-Bild die Wahrnehmung des Landes nachhaltig geprägt. Und so ist es wohl kein Zufall, dass die Suche nach Osama Bin Laden an die Suche nach Daniel Pearl erinnert. Sie wird auf ähnliche Weise vermittelt und führt in dasselbe Labyrinth aus westlicher Paranoia und kolonialem Rassismus.

    Anm.d.Red.: Wir haben die Bilder ausgewechselt, da wir an der Diskussion im Kommentarbereich gesehen haben, dass das ohnehin schon komplexe und sensible Thema des Texts durch die ursprünglichen Bilder in einer problematischen Weise codiert wurde, sprich: von dem eigentlichen Anliegen zu sehr ablenkte. Die neuen Bilder kommen von der PTDC. 11. Mai 2011, 10:35 Uhr.


21 Kommentare zu Destination Pakistan: Daniel Pearl, Osama Bin Laden und „mind-voyaging“ im Live-Internet

  • Netzprofi am 09.05.2011 12:12
    auha, dieser Vergleich hinkt doch! Bin Laden ist ein Terrorist gewesen und Pearl ein Journalist. Ist es nicht klar, dass Levy versucht, sich in einen Kollegen hineinzuversetzen??? Vielleicht stehe ich ja auch einfach nur auf dem Schlauch....
  • ich habe damals den Film mit Angelina Jolie gesehen, in dem es um die Ermordung von Pearl ging:

    ( https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Ein_mutiger_Weg )

    und gerade auch auf Wikipedia gelesen, dass von den 27 Menschen, die an Pearls Ermordung beteiligt waren, immer noch 14 auf freiem Fuß sind.
  • dieser Intellektuelle namens Levy ist nicht seriös, er ist der Thomas Gottschalk der Philosophie...
  • Fabian W. am 10.05.2011 17:05
    Mir fallen gerade eine ganze Reihe von Worten mit "A" ein.
  • Rainald Krome am 10.05.2011 17:15
    ich habe das Buch auch gelesen als es auf den Markt kam, ganz frisch, und zahlreiche Rezensionen, ich war damals sehr erstaunt, dass fast alle einhellig der Meinung waren, hier sei endlich ein Enthüllungsbuch veröffentlicht worden, dass ganz und gar nicht nur authentisch, sondern auch ganz und gar objektiv und journalistisch astrein ist...
  • Rainald Krome am 10.05.2011 17:17
    vielleicht liegt das am Thema, am Gegenstand... Pakistan und der ganze Terrorkram macht Menschen unkritisch und lässt die schlimmsten Vorurteile hervorkriechen, nachdem alle Dämme gebrochen sind... So eine Schrift wie die vom Levy wird sicherlich dazu beitragen, dass man sich da so gehen lässt...
  • Tanya am 10.05.2011 17:57
    ich habe diesen Daniel Pearl Fall nicht so stark wahrgenommen, aber ich finde es unpassend, diese zwei Tode zu vergleichen: die Ermordung eines Journalisten mit der Hinrichtung eines gesuchten Terroristen.
  • Sagardia Composer Screenwriter via facebook am 10.05.2011 18:00
    In der Tat, in der Tat, verblüffend, verblüffend! Es ist nicht minder verblüffend, wie sehr die Berliner Gazette im öffentlichen Raum des Internets so dreist nach verbalen Ohrfeigen verlangt. Gerne teile ich ihr eine Kräftige aus. Warum? We...il es unfassbar verblüffend ist, wie sehr mich diese drei Horrorbilder schockieren, die die Berliner Gazette nun selbst in ihren neuen Artikel stellt, um somit die ganze schreckliche, furchtbare, unerträgliche Grausamkeit dieses Themas zur Schau zu stellen, hervorzuheben, oder, wie Focus-Mitarbeiter sagen würden: zu betonen.

    Im Übrigen Focus: ist die Berliner Gazette vielleicht die Gebärmaschine für künftige Focuspraktikanten? Was Wunder…. Berliner Gazette: vielleicht sich mal ne Weile vom Computer fernhalten? Tut uns doch den Gefallen…
  • Jorge Cyterszpiler am 10.05.2011 23:23
    Bitte doch allgemein um Contenance! Kann aber nicht umhin einzugestehen, das dieser Artikel sicher nicht Krystians Bester ist. Vielleicht alles insgesamt ein wenig sehr subjektiv und wie mir scheint, sehr spontan aus der Hüfte geschossen. Die Wahl der Bilder ebenso grenzwertig, wie auch das Auslassen der deutlichen Tatsache, das es da nun einmal einen zusätzlich starken jüdischen Aspekt, sowohl bei Pearl, als auch bei Levy gibt. Der Zusammenhang mit Bin Laden, ergibt sich für mich aus dem Artikel heraus, in keinster Weise. Aber es besteht kein Anlass zum üblen Auskeilen, oder?
  • ‎@Sargadia Composer #8: Bildwahl ist immer schwierig. Aber, aber: die Bilder hier sind inzwischen fast 10 Jahre alt, Geschichte --- können sie tatsächlich die Kraft des Schocks entfalten? Selbst für jene, die neu sind, die noch nie diese Bilder gesehen haben: sie werden in einem kritischen Kontext präsentiert: schon mal den Text gelesen? Über qualifiziertere Bemerkungen (sprich: etwas überlegtere oder einfach nur weniger agressive) würden wir uns freuen.
  • @Sargadia Composer #8: Levy schreibt: "Ich werde in seine Fußstapfen treten, von Islamabad bis Karatschi den Spuren des Mannes folgen, der ahnungslos in das Dunkel trat, dieselben Schritte tun wie er, beobachten wie er, möglichst denken und fühlen wie er - bis zum bitteren Ende, bis zum Augenblick seines Todes."

    Wir können diese Worte nur dann wirklich in ihrer Tragweite verstehen, wenn wir uns vor Augen führen, welche Bilder mit ihnen unmittelbar zusammenhängen: "...bis zum Augenblick seines Todes..."

    Sensation war vor fast 10 Jahren, Sensationswert eines Bildes hält vielleicht ein Jahr, meistens weniger, die Medien haben so ihre Gesetze...

    Inzwischen sind diese Bilder Teil des kollektiven Gedächtnisses, ob wir wollen oder nicht...
  • Sagardia Composer Screenwriter via facebook am 11.05.2011 09:18
    Ach ja, der über mehr 40 Jahre alte Begriff des kollektiven Gedächtnisses wird zitiert um die Gewaltwikrung 10 Jahre alter Bilder zu relativieren.

    Also mit "wir" meint der Redakteur der BG wohl die Redaktion der BG, das würde Sinn machen. Denn schließlich HABT IHR die Bilder eingesetzt in eurem Artikel, und es ist zweifelhaft ob der Verweis auf eine sich abklingende historische Diminuation von Bildwirkung auf die Qualtität des Artikels auswirkt. Es stimmt, die Medien haben so ihre Gesetze...halt eben so, und das ist natürlich eine sehr komplexe Sache....Leser sollen sich bitte doch nicht Gedanken machen, nicht wahr? Da sind halt Gesetz, wenn wir eine schreckliches BIld, was sich in unser kollektives Gedächtnis einbrennen soll usw...

    Nehmen wir doch den Artikel mal auseinander: Erster Absatz:

    Ja, sieh einer an: seid die französische Schule darauf gepocht hat, die "Selbstähnlichkeit der Strukturen durch Wiederholung und Serien" endlich als Teil der Wahrnehmung anzuerkennen, kommt die BG drauf, das es eine Parallele gibt. Damit lässt sich ein Artikel schon mal gut anfangen...nicht? Den wo es Parallelen gibt, kann man zeigen, das man gut beobachtet hat.

    Das ist ja auch kein Zufall, den überall wo das Köpfchen in wilden Assoziationsketten im Meer der Ereignisse herumeiert, ist eben das Leben kein Zufall, und alles was gescheiht kein Zufall. Aber natürlich wurde das Ganze gaaaaaaaaaanz anders durchgeführt....

    Das hilft der BG gaaaaaanz anders darüber zu schreiben, das Ganze Themenkomplex in einem völlig anderen sensationellen Licht zu stellen und.......aber lassen wir das.......sorry, aber da lese ich lieber meinen Kalender im Klo....das ist viel informativer........aber: ich werde euch beobachten und gegebenenfalls den Medienrat informieren.....
  • @Jorge Cyterszpiler: "Vielleicht alles insgesamt ein wenig sehr subjektiv und wie mir scheint, sehr spontan aus der Hüfte geschossen."

    Entschuldigung --- was ist subjektiv an diesem Artikel? Und woran ist zu erkennen, dass er sehr spontan geschrieben ist?
  • @Tanya#7 & @Jorge Cyterszpiler #9: Der Vergleich findet für meine Begriffe nicht zwischen zwei Zielen (also zwei Personen statt), sondern zwischen zwei Suchen (den jeweiligen Weg zum Ziel).

    Es gibt zwei Aspekte:

    1) Wie wird hier eine subjektive Kameraperspektive aufgemacht? also eine Perspektive, die besagtes unmittelbares Dabeisein ermöglicht und kritische Distanz nivelliert.

    2) Wie wird das Land der Suche (Pakistan) zu einem Labyrinth aus kolonialem Rassismus und westlicher Paranoia.

    Diese beiden Aspekte interessieren mich, denn was bei Levy mit einem internationalen Besteller angelegt ist, taucht bei dem Bin-Laden-Suche-Berichterstattung wieder auf.
  • Fabian W. am 11.05.2011 10:03
    ...und gerade ist mir noch ein Wort mit "A" eingefallen.
  • @Sagardia Composer #12: "Den wo es Parallelen gibt, kann man zeigen, das man gut beobachtet hat."

    Entscheidend ist nicht OB es Parallelen gibt, sondern WELCHE. Es geht also um die genauen Inhalte. Die Frage ist: in welchem medialen Kontext wurden sie geprägt? Zu diesem medialen Kontext gehören Bilder und eine bestimmte Perspektive.

    Die Perspektive ist die des Westens (eine eurozentrische Perspektive, kolonial geprägt etc.) und Bilder, das ist deutlich schwieriger einzuordnen: sie sind zunächst einmal nicht eurozentrischer Herkunft, aber zirkulieren und verbreiten sich via Kanäle und Netzwerke, die weitgehend im Westen ihre Herkunft haben und von ihm dominiert werden.

    Ich vermute, dass die Irritation über diese Bilder aus dieser Spannung, aus dieser Verflechtung von Kontexten her rührt und weniger von ihrer "ureigenen" "Gewaltwikrung".
  • Rainald Krome am 11.05.2011 10:21
    @all: diese Bilder sind nicht "echt", sie sind inszeniert, sie sollen wir Filmbilder wirken, das TIME Magazin hat seinerzeit auch darauf verwiesen:

    "Haunting pictures of the captive in classic B-movie poses — handcuffed with a gun at his head, holding up a newspaper — are attached."

    ( http://www.time.com/time/nation/article/0,8599,198636,00.html )

    Und noch etwas:

    Levy hat diese Bilder auf dem Cover seines Buchs gehabt...
  • Wikipedia über das sog. "pearl video"
    http://en.wikipedia.org/wiki/Daniel_Pearl#The_Pearl_video
  • Wir haben die Bilder ausgewechselt, da wir an der Diskussion im Kommentarbereich gesehen haben, dass das ohnehin schon komplexe und sensible Thema des Texts durch die ursprünglichen Bilder in einer problematischen Weise codiert wurde, sprich: von dem eigentlichen Anliegen zu sehr ablenkte.
  • @Jorge Cyterszpiler #9 und @all: ich finde es gut, dass du zu Vernunft aufrufst! Ich denke, dass die Entscheidung, die Bilder auszutauschen, die richtige war. Das ist eben Prozessjournalismus.

    Jorge spricht auch an, dass der Konnex Pearl/Levy eine jüdische Dimension hat. Das stimmt und wurde in dem Text nicht thematisiert - es ging in dem Text um etwas anderes: Die Art und Weise, wie Levy die Geschichte von Pearl erzählt, seine Agenda, seine filmische Erzählweise - spiegelt sich dieser Hunger nach Nähe auch in der aktuellen Berichterstattung wider? Selbst wenn es um vollkommen verschiedene Personen geht?
  • Sagardia Composer Screenwriter via facebook am 11.05.2011 12:15
    @ Woznicki: jetzt bildet ihr eine gute Grundlage für die Diskussion um euren Artiel, kein Witz, kein Sarkasmus jetzt. Es gibt auch die Möglichkeit, diese Bilder nachzeichnen zu lassen. Durch die Nachzeichnung wird der Abstand zwischen dem ...Original und dem an was ihr euch erinnert ein Großer, es ist dieser Abstnd, in dem ihr euren eigenen kritischen Inhalt einlassen könnt, ohne das es von der zu Schau gestellten Dramatik der fotogafischen Realität eingesaugt wird. De Text ist widerstandfähiger gegen die Politik anderer.

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