• Was kostet Wissen? Die Initiative „The Cost of Knowledge“ kämpft für Open Education

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    Immer mehr WissenschaftlerInnen meinen: Die Errungenschaften der Forschung sollten nicht von privatwirtschaftlichen Akteuren verwertet werden. Vielmehr sollten sie – im Geiste von Open Science und Open Education – in der öffentlichen Hand liegen. Berliner Gazette-Gastredakteurin Leonie Geiger zeigt am Fall des niederländischen Elsevier Verlags: Wissen hat heute einen viel zu hohen Preis. Die Initiative „The Cost of Knowledge“ will das ändern.

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    Was kostet Wissen? Und wenn überhaupt: Was darf Wissen kosten? Beziehungsweise: Sollte Wissen überhaupt einen Preis haben? Ginge es nach den Vertretern der Open Education Bewegung wäre es kostenlos. Aber natürlich nicht umsonst. Sie wollen Wissen für möglichst viele Menschen öffentlich zugänglich machen. Benötigt werden dazu einerseits im Internet frei zugängliche Lernmaterialien, deren Umsetzung auch unter den Begriffen Open Educational Resources und Open Access bekannt ist. Außerdem eine Plattform, auf der das Wissen abgerufen und vermittelt werden kann.

    Die Idee: Alle können ohne Einschränkungen, Wissen im Internet abrufen, verwenden, aber auch verändern oder verbessern. Open Education will so eine neue Art der Wissensübermittlung und des kollaborativen Lernens entstehen lassen. Zudem neue Möglichkeiten, das Erlernte zu überprüfen, zu testen und nachzuweisen. Eine große Rolle spielt dabei der Gedanke, Technologie und Zugang zum Internet für eine möglichst große Masse zur Verfügung zu stellen. Was auch gleichzeitig das größte Hindernis an der realistischen Umsetzung von Open Education darstellt. Aber der Kampf dafür ist wichtig.

    Wie wichtig, das zeigt aktuell der Fall von Elsevier. Der niederländische Verlag veröffentlicht wissenschaftliche Zeitschriften und Bücher. 2011 betrug der Umsatz mit Printmedien fast 2,1 Milliarden Euro. Das ist eine Goldgrube: Wissenschaftler (häufig von staatlichen Stellen gefördert!) schicken ihre Werke an diesen Verlag unentgeltlich. Der druckt schließlich nicht wegzudenkende und etablierte Nachschlagewerke. Ein seriöserer Weg der Veröffentlichung und damit verbundenen Anerkennung in wissenschaftlichen Kreisen ist derzeit kaum denkbar.

    Aufstand gegen Elsevier

    Besonders für Bibliotheken mit Qualitätsanspruch sind diese Zeitschriften und Bücher ein Muss. Von dieser Sonderstellung profitiert der Verlag. Für 63 Ausgaben der Elsevier-Zeitschrift „Brain Research“ werden pro Jahr 21.440 Euro verlangt. Das sind 340 Euro pro Heft. Selbst für Bibliotheken ist das nicht leicht finanzierbar. Kurz: Wir sprechen hier vom Gegenteil der Open Education – also Closed Education.

    Nicht verwunderlich ist also, dass immer wieder zum Boykott gegen den Elsevier Verlag aufgerufen wird. Häufig sind es die Wissenschaftler selbst, die Kollegen auffordern nicht mehr für den Verlag zu schreiben. Was allerdings das Ausmaß des Elsevier-Monopolismus verdeutlicht: Die wenigsten WissenschaftlerInnen können sich eine Boykott-Haltung leisten. Um genau zu sein, lediglich jene, die sowieso nicht mehr abhängig vom Verlag sind. Die ohnehin etabliert und erfolgreich sind.

    Im Januar diesen Jahres erklärte der Mathematiker Timothy Gowers von der Cambridge University auf seinem Blog, dass er weder für den Elsevier Verlag schreiben, noch weiterhin als Lektor für den Verlag arbeiten werde. Eigentlich nur als Statement gedacht, entwickelte sich dieser Beitrag als Inspirationsquelle für eine Welle von Protestkundgebungen. Mittlerweile haben auf der Seite The Cost of Knowledge mehr als 12.560 Akademiker unterschrieben. Täglich wächst die Zahl. Auf der Seite werden drei Gründe für den Boykott genannt:

    1. Elsevier verlange exorbitant hohe Preise für Abonnements von einzelnen Zeitschriften.

    2. Die Bibliotheken werden genötigt ein großes Paket an unterschiedlichen Zeitschriften zu kaufen – nur wenige davon wirklich notwendig für den eigenen Bestand. Aufgrund dieser Abhängigkeit erzielt Elsevier riesige Gewinne.

    3. Die WissenschaftlerInnen unterstützen Maßnahmen gegen, die den freien Austausch von Informationen beschränken wollen, darunter SOPA, PIPA und die Research Works Act.

    Laut Elsevier stellen die dissidenten Wissenschaftler nur einen Bruchteil der Autoren dar, die für den Verlag schreiben. Angeblich 600.000. Doch das kann der Anfang sein, um Alternativen zu den kommerziellen Verlagen zu schaffen und so schrittweise in Richtung Open Education zu gehen.

    Anm.d.Red.: Das Foto oben stammt von dr_tr und steht unter einer Creative Commons Lizenz.


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