• Nie beim Anfang beginnen: Blicke, Nähe, Liebe

    Was liegt jenseits von grobkörniger, jahrhundertelang geatmeter Luft? Wo beginnt das Sprechen darüber? Berliner Gazette-Autorin Dana Buchzik findet Worte für ein Gefühl, das sich Liebe nennt.

    *

    Die Zähne hell und glatt geknirscht, unter unzählige Züge geweint – der Raum, den es gab, dieser Welt-Raum, war zu groß für mich, ich ging in jedem Tag verloren. Und jetzt: in dich eingewickelt, egal, wo wir sind, mein Blick klettert nach oben; was wir sehen, weist selten genug über uns hinaus.

    Und jetzt: eine Möglichkeit hinter fleckigen Fabrikhallendecken, hinter Plakatauslagen, Bremslichtergasen, hinter Stumpfastbäumen, hinter dem Seiltanz dieses Moments ist alles durchschaubar. Alles spielt eine Rolle, die Rolle der anderen, ein dunstiger Film, maximal schwarzweiß.

    Und wir: fern von dieser grobkörnigen, jahrhundertelang geatmeten Luft, wir fliegen wie Pinguine unter Wasser, unsere unwegsame Welt muss nicht erklärt und nicht gerettet werden. Mit dir nur noch neues, helles Fleisch, mit dir über die alten Narben rudern, den Blick abgewandt, in eine Zeit, in der ich liebe.

    Wichtig ist, nie beim Anfang zu beginnen. Ich erinnere mich: nichts kann mir mehr zu nah kommen, denn da bist überall du.

    Anm. d. Red.: Foto von Jiuck (by-nc-sa).


7 Kommentare zu Nie beim Anfang beginnen: Blicke, Nähe, Liebe

  • Marissa am 16.10.2011 14:31
    Poesie zum Wochenende. Schön!
  • Ja wunderschön! Warum nicht öfter auch mal so was?
  • Maximilian Radke am 17.10.2011 12:02
    wunderschöner text, gänsehaut im kommen.
  • Didi D. am 17.10.2011 20:35
    gänsehaut *beim* kommen meinst du wohl.
  • Helena Neumann via facebook am 18.10.2011 05:43
    sehr hübsch!
  • Rebekka Ehling am 18.10.2011 12:27
    Danke für den Text, das Lied von Einaudi, dass am Ende verlinkt ist, hab ich inzwischen bestimmt schon viertausendmal gehört!
  • Sonny Klein am 19.10.2011 16:24
    ich will auch küssen!

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