• Musikzimmer mit zehn Kisten

    Wie oft sind Sie in Ihrem Leben schon umgezogen? Oft? Und dabei stets die Erfahrung gemacht, nicht alles mitnehmen zu koennen oder auch nicht zu wollen? Sich trennen – das ist das Leitmotiv eines Lebens, das durch Umzuege gepraegt ist. Getrennt habe ich mich immer wieder, nicht zuletzt von Buechern und CDs. Nun bin ich seit einiger Zeit damit beschaeftigt zu rekonstruieren. Ich beschaffe mir Publikationen und Tontraeger, die mir einst wichtig waren. Mich mit meiner eigenen Sozialisation zu beschaeftigen finde ich spannend.

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    Mitte der Neunziger Jahre war Musik sehr wichtig in meinem Leben: Mit Musikern ueber Musik und Geschichte sprechen, Spex lesen, Konzerte besuchen, fuer japanische und deutsche Magazine schreiben – auf diese Weise haben sich mir immer wieder neue Horizonte erschlossen; die CD-Sammlung wuchs ins Unermessliche. Meine Texte wurden auf Deutsch, Englisch und Japanisch veroeffentlicht. Highlights: Eine zweiteilige Story von insgesamt 16 Seiten ueber neue elektronische Musik in Deutschland fuer Wired Japan und ein Artikel ueber den Avantgarde-Komponisten Conlon Nancarrow, den ich kurz vor seinem Tode in Mexiko Stadt besucht hatte.

    Als ich neulich begann, meine aktuelle CD-Sammlung neu zu ordnen, habe ich festgestellt: So entscheidende Momente, wie Mitte der Neunziger gab es oefter in meinem Leben. Momente, in denen meine Ohren ueber sich selbst hinauswuchsen. Anfang 1980 zum Beispiel als ich Pop via Kassetten und Radio entdeckte. Einige Jahre spaeter dann durch Bekanntschaften und deren Musikzimmer in Rockmusik eintauchte. Uswusf. Nicht immer, aber immer wieder waren es Musikzimmer anderer, die fuer meine Musik-Sozialisation wichtig waren. Vielleicht besteht deshalb ein besonderer Reiz fuer mich darin, mein eigenes Musikzimmer zu gestalten. Gegenwaertig gibts fuer jeden Moment eine Kiste.


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