• Mobile Textkulturen: Resumé, Presseschau, Ausblick

    An dieser Stelle ein kurzes Resumé des Symposiums “Mobile Textkulturen”, inklusive Presseschau mit Links und Abspieloptionen der unterschiedlichen Radio-Berichte. Abschließend natürlich auch ein Ausblick.

    Das Symposium Mobile Textkulturen fand erfolgreich am 22., 23. und 24.10.2010 im ICI Berlin statt. Das angekündigte Programm konnte plangemäß realisiert werden. Alle angefragten, teils aus Japan, Australien, Großbritannien, Südafrika und den Niederlanden angereisten ExpertInnen traten in Erscheinung. Am Eröffnungsabend erweiterten sogar Überraschungsgäste aus Brasilien die Performance-Gruppe andcompany&Co.: Marianna Senne, Manuela Afonso und Gorgi Peña. Moderatorin Clara Völker, die, kurzfristig erkrankt, absagen musste, wurde durch Matthias Spielkamp vertreten.

    Die BesucherInnen kamen zahlreich, in den meisten Fällen zu nicht mehr als zwei der insgesamt fünf Veranstaltungen. Das führte unter anderem dazu, dass sich immer wieder neue BesucherInnen an den Diskussionen beteiligten und die Auseinandersetzungen somit auch immer wieder neue Wendungen nahmen. Unter den rund 200 BesucherInnen des Symposiums wurden insgesamt 12 aktuelle Bücher der angefragten ExpertInnen – von den Verlagen im Rahmen einer Medienpartnerschaft zur Verfügung gestellt – verlost.

    Die Print-, Radio- und Online-Medien reagierten auf das Symposium mit über 20 Berichten und zahllosen (schier undokumentierbaren) Weiterverwertungen via Perlentaucher und Spiegel Online sowie re-bloggings und re-tweets via Blogs (darunter netzpolitik.org) und soziale Netzwerke.

    Als Interview-Partner waren insbesondere die ExpertInnen aus dem Ausland gefragt: Martijn de Waal, Stephen Quinn, Nicola Jones und Mitsuhiro Takemura gaben den Radio- und Print-Journalisten diverse Interviews. Das erste Interview überhaupt durfte jedoch ich dem Feuilleton von Deutschlandradio Kultur geben.

    Wie sprechen die Medien über “Mobile Textkulturen”?

    Die Medienvertreter wählten ganz unterschiedliche Ansätze. Breitband, die Medien-Sendung von Deutschlandradio Kultur, nahm das Symposium zum Anlass um einen 30-minütigen Hintergrundbericht über das Thema zu senden.

    Die Feuilletons von der Süddeutschen Zeitung und von Die Welt veröffentlichten jeweils einen alle drei Tage umfassenden Bericht, wohingegen das Feuilleton der Berliner Zeitung auf der Medienseite einen kurzen Vorabbericht veröffentlichte – nachdem Besuch der neuen Büroräume des Veranstalters Berliner Gazette.

    Die Wochenzeitung Der Freitag konzentrierte sich auf einen Veranstaltungsteil des Symposiums: den Workshop. Die Beiträge in DeutschlandRadio Wissen und WDR5 fokussierten indes bestimmte Themen und Leitmotive des Symposiums: einerseits die Transformationen der Sprache, andererseits die Transformationen der Öffentlichkeit. Trackback, eine Medien-Sendung von Radio Fritz, fragte nach den Implikationen im Alltag.

    Ein Zukunftsthema: Ausblick auf Mobile Textkulturen

    Nach dem dreitägigen Symposium war allen Beteiligten vor allem eines klar: Wir sprechen hier über ein wichtiges Zukunftsthema und müssen entsprechend Maßstäbe entwickeln, die den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden. So befindet die Süddeutsche Zeitung: “In einem Land, dessen Regierungskommunikation vor allem über die SMS-Funktion des Nokia 63 der Kanzlerin abläuft, kann die Kulturtechnik Schreiben schlechterdings auf Handschrift und stationäres Herumgeflicke an einzelnen Word-Dokumenten begrenzt werden.” Folglich sollten wir, ganz im Sinne des programmatischen Titels “Mobile Textkulturen”, den Gesichtskreis öffnen. Denn, wie die “Die Welt” konstatiert: “Die großen Veränderungen stehen noch bevor.”

    Das Symposium hat erfolgreich versucht den Gesichtskreis auf Bevorstehendes zu öffnen und muss daher als Auftakt begriffen werden: Für weitere Diskussionen über die gegenwärtigen Bedingungen von Textproduktion, insbesondere im Hinblick auf die bislang wenig untersuchte Wechselwirkung von Mobilität und Wissensgesellschaft.

    Denn obgleich es „unübersehbar” (De:Bug) ist, dass unser Alltag von Mobilität geprägt wird und immer mehr Texte unterwegs entstehen. Das spezifisch Neue dieser Entwicklung ist alles andere als offensichtlich. Dies deutet sich nicht zuletzt dann an, wenn Neugierige oder Skeptiker fragen: Aber wurde nicht schon immer mobil geschrieben? Die Bedingungen von Mobilität und Textproduktion historisch zu hinterfragen, dürfte eine der wichtigen Herausforderungen künftiger Erkundungen sein.

    An dieser Stelle sei festgehalten: Das Abschlusspanel mit Vorträgen aus Südafrika, Australien und Japan bot bereits eine derart relationelle Perspektive. Hier zeigten sich koexistente Zeitstufen einer Entwicklung, die mit der Verbreitung des Handys beginnt (Südafrika) und in einer vollständigen Verschmelzung des Menschen mit dieser Universalmaschine gipfelt (Japan).

    So legt unsere umfangreiche Dokumentation dieses vielversprechenden Pilotprojekts den Grundstein für weiterführende Überlegungen. Die Videos, Fotos und Berichte richten sich aber auch an alle Interessierten, die nicht in der Lage waren das Symposium vor Ort zu besuchen, wie etwa die Bloggerin Claudia Kilian, die am 23.10. in ihrer Kleinstadt notierte:

    Irgendwie fühle ich mich gleich zu Hause. So geht es oft bei mir. Unterwegs und zwischendurch schreiben – sonst bliebe wohl gar keine Zeit zum Schreiben. Oder auch keine Ideen, keine Schreibanlässe. Wie so oft, bin ich auch heute wieder neidisch. Weil die große Stadt das bietet, was die kleine nicht bieten kann.


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