• Mehr ueber Heavy Metal

    Die im ersten Teil erwaehnte, Intelligenz und Musikgeschmack koppelnde Studie versucht, dem Phaenomen des Heavy-Metal- Hoerers soziologisch beizukommen. Da wird konstatiert, der ueberdurchschnittlich begabte Adoleszent stuende unter erhoehtem Druck, haette mehr Stresssituationen zu bewael- tigen und reagiere dann seine Frustrationsenergien kathartisch beim Musikhoeren ab. Nun gaebe es aber kein soziologisch traktierbares Thema ohne das Faszinosum der fluechtigen Substanz dieser ganz bestimmten Musik. Es muss hier noch einen anderen Aspekt geben: eine Aesthetik der strukturierten Aggression statt einer Soziologie des begabten Aussenseiters.

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    In die Geschichte der Aesthetik laesst sich der Heavy Metal leicht einordnen: Er wiederholt den romantischen Bruch mit der klassischen Orientierung am Schoenen (die Kategorie des Erhabenen will ich vom Popsong mal fernhalten) und sucht die alten Regeln zu brechen, indem er nun auf das Interessante, Schockierende, ja auch Haessliche setzt: die Betonung des Rhythmus vor der Melodie, der beim Grunzen in die tiefsten und beim Kreischen in die hoechsten Tonlagen strebende Gesang, die Texte usw. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass diese aus dem Willen zur Differenz entspringende Musik mittlerweile selbst stagniert und im eigenen Regelwerk gefangen zugrunde zu gehen droht.

    Als Menetekel wurden auch oft die Ereignisse in Skandinavien angesehen, als das Spiel mit dem Satanismus, das Black Sabbath schon Ende der sechziger Jahre begannen, in Mord und Kirchenbrand umschlug. Doch dem Death of Metal mag entgegenstehen, dass Musik nur als heroische, aggressive oder depressive eigentlich wirkt. Froehliche Musik kann nur als duemmlich aufgenommen werden, sofern sie nicht ironisch gebrochen wird. Und so kann auch der Metal nicht auf die Melodie und ironische Brechung verzichten. Sein Vorteil ist die technische Perfektion seiner Musiker und die Komplexitaet der Songstrukturen. Sie machen das Faszinosum fuer den intelligenten Hoerer aus und sollten die Musik letztlich vor dem Abrutschen ins Duemmliche bewahren.


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