• Krisen und Gespenster: Konnte der Nationalismus früherer Tage jemals überwunden werden?

    In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Nationalsozialistische Untergrund auf ein wahnsinniges Trio und sein kriminelles Unterstützer-Umfeld begrenzt. Alle anderen können von sich behaupten, nichts damit zu tun zu haben. Dieses Denken ruft Erinnerungen an längst überwunden geglaubte Zeiten wach. Wir müssen fragen: Konnte der Nationalismus früherer Tage jemals überwunden werden? Gerade in Zeiten der Krise holt uns dieses Gespenst wieder ein. Und befällt alle politischen Institutionen. Die Feministin und Politologin Julia Schramm kommentiert.

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    Die Überraschung mit der die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds zum Teil bewertet werden, lässt tief blicken in die Untiefen hiesiger Diskurse über rechtes Gedankengut. Seit Jahren schon wird mit der unsäglichen Gleichung von Links- und Rechtsextremismus Sachbeschädigung mit Mord gleichgesetzt, was jedoch nicht die Sachbeschädigung negativ aufwertet, sondern die Morde und Mordversuche trivialisiert.

    Generell ist die Einteilung in links und rechts überholt und verdeckt die wahren Probleme, die ich persönlich unter dem Begriff Faschismus zusammenfasse. Im Namen des Kampfes gegen soziale Veränderung bedienen sich die Profiteure aller erdenklichen Mittel. Und verblendete Idealisten, und seien die Ideale noch so menschenverachtend, waren auch für staatliche Organe immer brauchbar. Man denke nur an die RAF und die Stasi.

    Musealisierung des Faschismus

    Bizarr mutet es jedoch an, wenn die Ideale der Täter nicht in einem rassistischen, biologistischen und nationalistischen Denken verortet werden. Wenn Fremdenhass vermeintlich nicht mehr als Motiv ausreicht. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, die gesellschaftliche Verdammung von Rassismus hat nicht bewirkt, dass eben dieser verschwunden ist. Viel mehr entstand im Zuge dessen ein gesellschaftlicher Deckmantel: darunter musste man sich mit den Gefahren einer aufflammenden nationalsozialistischen Ideologie nicht mehr auseinandersetzen. (Dass die Geheimdienste zum Teil auch dieser Ideologie verfallen sind und auch tendenziell immer waren ist ein anderes Kapitel. Stichwort: Gladio)

    “Das Problem ist die Botschaft: dass all das nun hinter uns liegt, dass wir die Geschichte verstanden haben und nun, unbelastet von den Irrtümern der Vergangenheit, voranschreiten können in eine andere, eine bessere Zeit. Doch solch offizielles Gedenken, wie gutgemeint auch immer, ist unserem Geschichtsbewusstsein nicht förderlich. Es ist ein Ersatz, ein Surrogat. Statt die Schüler mit der jüngsten Geschichte vertraut zu machen, lassen wir sie Museen und Gedenkstätten besichtigen.” (Tony Judt, Das vergessene 20. Jahrhundert. Die Rückkehr der Intellektuellen, Frankfurt 2011, S. 14)

    Wir glauben aus der Geschichte gelernt zu haben. Wir glauben, dass wir Rassismus, Biologismus und Nationalismus überwunden haben, weil wir es in den Museen sehen. Wir glauben, dass wir post-ideologisch sein können. Doch ist die Wirklichkeit weit davon entfernt. Vielmehr bewegen wir uns nicht in einer Zeit, in der eben diese -ismen wieder Hochkonjunktur haben. Die Sarrazin-Debatte letztes Jahr hat auf grausame Art und Weise gezeigt, dass es nicht um Fakten geht. Sie hat gezeigt, dass es um Weltanschauung geht, um Ideologie. Und diese Ideologie besteht aus Nationalismus, Rassismus und Biologismus, was meinem Verständnis von Faschismus entspricht (plus einen Ganzheitsanspruch und eine zentrale Wirtschaftslenkung).

    “Der erste Appell einer faschistischen oder vorfaschistischen Bewegung richtet sich gegen Eindringlinge. So ist der Urfaschismus qua Definition rassistisch.” (Umberto Eco)

    Doch wo finden wir denn noch deutschen Nationalismus? PAH! Im Gegenteil, fehlt uns Nationalismus, ein gesunder. Und diese linken Spinner, die Nationalismus als Verbrechen bezeichnen erst! Die Bedeutung von Nationalismus, die Entstehung von Nationalstaaten und die Idee der Nation werden in diesen Diskussionen geschichtsvergessen genutzt. Mehr noch: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Vergleiche mit anderen Staaten werden zu Gunsten der stereotypen Vorstellungen, anhand der deutschen Nation, regelrecht missachtet.

    Warum wird die Idee der Nation nicht in Frage gestellt?

    Die Nation ist ein Konstrukt, eine ausgedachte Gemeinschaft, ein Ersatz für Gott als Ordnungsprinzip. Die Nation ist das Band, was eine Gesellschaft zusammenhalten kann. Und eine Nation besteht auf verschiedenen Prämissen. Es gibt Staatsnationen, die sich auf Werte berufen – so zum Beispiel die USA. Und es gibt Nationen, die sich auf Kultur und Sprache berufen – so zum Beispiel Deutschland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden diese Ideen der Nation als Alternativen zu den Ordnungen orientiert am Gottesgnadentum. Die Nation war eine demokratische, ja radikaldemokratische Alternative zu den selbsternannten Göttern auf Erden.

    Doch in Deutschland sollte es nicht dabei bleiben. Die Nationalisten wurden von Bismarck aufgesaugt und legitimierten einen Staat, der nicht mehr viel vom ursprünglichen Geist zu verzeichnen hatte. Mehr noch: Die deutsche Nation wurde verklärt zum deutschen Volkskörper. Die Einheit von Kultur und Sprache und Volk!! Welch’ Wunder! Auch viele deutsche Denker, die wir heute noch bewundern entfalteten an dieser Stelle den Rassismus und Biologismus, den Hitler dann nur konsequent zu Ende dachte und führte. Geschichte in fast forward. Doch was hat das mit uns heute zu tun?

    Diese Vorstellung der Nation, des Blut und Boden ist uns tief in die DNA eingebrannt. Wir definieren “das Deutsche” über Blut und Tradition, nicht über Werte und Bekenntnisse. Wir teilen ein in gute und schlechte Deutsche – egal, ob der/die Schwarze seit fünf Generationen in Deutschland lebt, deutsch ist. Denn: Schwarz ist nicht deutsch!! Wir definieren einen deutschen Stereotyp und diskriminieren den Rest, indem wir ihn ausstoßen. Und ob wir das wollen oder nicht: Es ist Teil von uns. Das Denken in menschlichen Rassen ist Teil von uns, Teil unserer Geschichte.

    Wie ist sieht dein “nationales Interesse” aus?

    Robert Menasse hat bei der Diskussionsveranstaltung Wohin Steuert Europa? gesagt, dass jeder von uns mal in sich horchen und sich fragen soll, wie sein “nationales Interesse” aussieht, inwiefern dieses von den Interessen der restlichen Menschheit abweicht und spezifisch national ist.

    Seine Aussage, dass er seine grundlegenden Interessen mit allen Menschen auf diesem Planeten teilt – ja, dieser kann ich nur emphatisch zustimmen. Nationen sind Konstrukte, die in einer Welt Zusammenhalt schafften, in der es kein umfassendes Bewusstsein einer Menschheit gab. Nationen sind überholt. Nationen müssen abgeschafft werden. Und wir waren schon sehr nahe dran.

    Doch mit der Krise kam der Nationalismus zurück. Die Krise Europas, die Krise des Kapitalismus, die Krise der politischen Institutionen, die sich von einer fiktiven Wirtschaft treiben lassen. Die Krise, die uns zeigt, dass wir den Nationalismus endlich überwinden müssen. Denn das ist das Herz Europas.

    Das Projekt Europa und seine zahlreichen Namen (zur Zeit EU) – dieses Projekt ist eine Lehre aus den beiden furchtbaren Weltkriegen. Der Nationalismus hatte sich in einen Wahn versteigert – Familien kämpften mit- und untereinander (um das mal zu verdeutlichen: Russland, England und Deutschland, die im ersten Weltkrieg irgendwie mit- und gegeneinander kämpften hatten an ihrer Spitze Männer, die alle eine Großmutter hatten: Queen Victoria) und richteten den Kontinent fast zu Grunde. Herausragend dabei waren die Deutschen.

    Europa wurde politisch, aber vor allem wirtschaftlich verflochten, um Frieden zu stiften und um die Deutschen in ihrem Führungswahn ein und für alle mal zu besiegen. Um eine politische Einigkeit zu schaffen wurde zuerst die Schwerindustrie miteinander verwoben. Eine Union entstand. Der Euro war nicht zuletzt als Schutz gegen (deutschen) Nationalismus gedacht. Die deutsche Mark war der Preis der Wiedervereinigung. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Primat der Politik

    Die europäische Gemeinschaft ist ein Auftrag. Der Auftrag einer gemeinsamen Ordnung. Der Auftrag für Solidarität innerhalb dieser Gemeinschaft. Ein politischer Auftrag für die Gestaltung einer Friedensordnung. Deswegen braucht es eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik. Mehr noch: Eine gemeinsame Sozialpolitik. Die Verflechtung der Staaten eine nachhaltige Friedensinitiative. Und Krieg entsteht durch unpolitische Räume, in denen der Markt entgrenzt herrscht.

    “Wenn die Märkte in den vergangenen Jahren einmal richtig funktioniert haben, dann jetzt. Der Vorschlag des Sachverständigenrates (für Eurobonds, Anm. Verfasserin) dagegen setzt die Marktkräfte außer Kraft. Denn wenn Deutschland für die über den Tilgungsfonds ausgegebenen Gemeinschaftsanleihen mithaftet, sinken die Zinskosten der Euro-Krisenländer. Das schmälert den Druck auf sie, ihre Haushalte zu konsolidieren. Glauben die Weisen tatsächlich, politische Regeln oder Schuldenbremsen könnten die Aufgabe der Märkte übernehmen und die gleichen Disziplinierungswirkung erzielen?”

    In diesen Sätzen aus der Wirtschaftswoche wird klar, was den neue Nationalismus ausmacht: An der deutschen Wirtschaft soll die Welt genesen! Und die Peitsche ist die Unbarmherzigkeit des Kapitalismus. Die faulen Griechen müssen zurechtgewiesen werden! Und die korrupten Italiener erst! Dabei wird eines klar: Wir befinden uns in einer Krise der politischen Institutionen.

    Keine Schuldenkrise, keine Kapitalismuskrise, keine Wirtschafts- oder Finanzkrise. Nein, eine Politikkrise, entstanden durch Abwesenheit von politischem Handeln. Denn wer kann die Kräfte des Kapitalismus, die sich in freier Entfaltung nie zu Gunsten der freien Entfaltung der Menschen bewegt haben, Einhalt gebieten, wenn nicht die Politik? Die Marktgläubigkeit ist zu reinem Nationalismus verkommen, ja auf dem Weg zu einem Rassismus ante portas.

    Die EU muss demokratischer werden. Und transparenter.

    Das Ende der Krise wird mit ihren Ursachen bekämpft. Statt Geld in die Sozialsysteme, Infrastruktur und politische Strukturreformen zu investieren, werden diejenigen bei Laune gehalten, welche die Schwäche des Politischen gnadenlos ausgenutzt haben. Die Globalisierung des Kapitals hat weit vor der politischen Globalisierung stattgefunden. Und diese Lücke wurde zu Gunsten einer massiven Umverteilung genutzt. Einer Umverteilung nach oben. Denn: Die Schulden Griechenlands, sind die Gewinne Deutschlands. Griechenland kaufte deutsche Militärausrüstung im Kampf gegen die Türkei. Windige und korrupte deutsche Verkäufer nutzen den ewigen Zwist zweier NATO-Länder, um sich zu bereichern.

    Doch wollen wir hier nicht den Fehler bei den Verkäufern suchen. Auch hier fehlt es am Primat der Politik. Am Primat der legitimierten Entscheidung. Denn eins steht fest: Die EU hat neben allem ein massives Demokratiedefizit. Das hat vielfältige Gründe. Neben der nationalen Bedeutung der Parlamente und der Bindung der Europaparlamentarier an die nationale Politik, fehlt eine transnationale Öffentlichkeit. Der Europäische Rat erweist sich zunehmend als nationalistischer Geburtsfehler, als interner Störenfried in einer Gemeinschaft, die füreinander und nicht gegeneinander zu agieren verdammt ist.

    In diesem Vakuum politischen Nichtstuns fühlen sich die Nationalisten wohl, denn es scheint sie zu bestätigen. Zu bestätigen, dass die deutsche Wirtschaft in irgendeiner Weise überlegen ist, dass die südlichen Länder faul und korrupt, rückständig und unfähig sind. Es fehlt an einem gemeinsamen Mythos, einer Identität, einer Idee. In diesem Vakuum hallen die Stimmen am lautesten, die vermeintlich Altbewährtes vorzutragen haben, selbst wenn es eine ganze Generation an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Die Stimmen, die mit einem albern antrainierten Duktus der Rationalität Altbewährtes erhalten wollen. Die Stimmen, die Stimmungen bedienen, die wir kennen, die uns vertraut sind.

    Dabei müssen wir weiter gehen. Wir müssen gemeinsam denken, handeln und Lösungen finden. Wir müssen Werte herausbilden, Grundlagen. Und endlich können wir das auch. Die Technologie erlaubt es uns. Europa, ja die Welt muss eine politische Gemeinschaft bilden, eine globale Staatsnation. Eine Gemeinschaft der Solidarität. Auch wenn das heißt, dass man die Schulden der anderen zahlt. Das ist die andere Backe, die wir hinhalten.

    Anm.d.Red.: Weitere Beiträge über den „Terror von rechts“ finden sich in unserem Dossier. Das Bild oben stammt von Daniel Pflumm. Das Bild unten ist ein Still aus einem Video von umatic.


13 Kommentare zu Krisen und Gespenster: Konnte der Nationalismus früherer Tage jemals überwunden werden?

  • Renee am 01.12.2011 17:43
    Die URL "krisen-gespenster-schramm" trifft´s schon sehr gut, danke ;)

    "...eine globale Staatsnation..."
    "...Wir..."

    Nationalismus vom deutschen Staat weg, herzlichen Glückwunsch, übertragen aber auf Europa und die ganze Welt -von Deutschland aus: die deutsche Politikwissenschaftlerin (?) und Piratenmitglied Julia Schramm berichtet.
    Dieser Text ist so schlecht, so inhaltsleer, liebe Berliner Gazette, da will ich einfach mal schnell das Tab wieder schliessen.
  • Silvia am 01.12.2011 21:12
    ich muss Renee zustimmen. Etwas merkwürdig ist das schon, den Nationalismus überwinden wollen, das heißt auch die Idee, einer Nation hinter sich lassen wollen und dann eine globale Staatsnation als als Alternative vorzuschlagen. Vielleicht ist der Begriff an dieser Stelle unglücklich gewählt?

    Ansonsten mag ich nicht den Ton des vorangehenden Kommentars, der sich über die Autorin lustig zu machen scheint, so als ob die Größe des Geistes mit der Größe der Partei, der man/frau angehört, identisch sein müsse.
  • apazin am 01.12.2011 22:03
    dieses manifest bewegt mich sehr, ich finde hier wichtige gedanken über das zusammenleben, über gemeinschaft und über die rolle der politik.

    ich verstehe meine vorredner nicht. sind sie blind auf einem auge oder auf der einen seite der brust und können mit dem herzen nicht lesen?

    es geht doch nicht um europa-nationalismus. wer sich einmal gegen fremdenhass ausspricht, der wird das niemals befürworten, zumal es hier doch auch schwarze geht, also menschen vor den toren europas, die die autoren auch in deutschland/europa willkommen heißen will.

    und es kann doch auch nicht um einen welt-nationalismus gehen --- bei dem die ausseridischen ausgeschlossen?

    hallo? anybody out there?

    vielleicht muss man das wort "globale staatsnation" noch einmal lesen, vielleicht muss man den sich vorstellen, dass auch die welt ein künstliches territoriales konstrukt bleibt, bei dem eben auch der liebe gott leider nicht als schöpfer herangezogen werden kann, ausser man/frau kann nicht davon lassen, ihn im spiel zu halten.
  • manfred h. am 02.12.2011 10:07
    seit dem bekanntwerden der nsu ist in den zeitungen zu lesen, dass die neonazis internet-foren unterwandern, dass sie sich vor allem im internet ganz leicht ausbreiten können und im schutze der anonymität, meinungspropaganda betreiben können, nicht immer ist dies aggressiv, manchmal versteckt es sich hinter irgendwelchen anderen vorwänden. vielleicht wie dieser renee (kommentar 1)

    meine frage an die autorin:

    bist du dafür, dass man solche leute systematisch löscht? wieviel gegen-meinung und anders denken sollte erlaubt sein? gehören die nazis nicht auch zur demokratie? gehört nationalismus nicht auch zur demokratie? wenn unsere gesellschaft davon "unterwandert" ist, müssen wir das nicht auch lernen zu akzeptieren? weil es teil der realität ist?
  • _Sandra_ am 02.12.2011 12:06
    Danke für den Text! Frische, kluge Gedanken, der longread lohnt sich :) eine Frage habe ich an Julia: Du sprichst von der Idee Europa und wie sie helfen kann, den Nationalismus zu überwinden. Aber ist dann Europa nicht nur ein Ersatz und auch irgendwann Nationalismus? Danke!
  • gabi009 am 02.12.2011 12:33
    dankeschön für diesen gedankenschnellzug!
  • Jonathan am 02.12.2011 15:20
    also, danke, ja, aber... Also ein 5 Punkte-Programm am Ende von eines solchen Manifests, ein Handunglungsangebot, ganz konkret, das finde ich wichtig. Am Ende stehe ich mit vielen Gedanken dar, habe die Welt verstanden (oder auch nicht) und wie man sie besser machen kann, aber wo fängt wer wie an und womit? Wenn von einem "WIR" hier und dort gesprochen wird, will ich im Boot sitzen, wenn es auch konkret und praktisch wird, da hat der Text aber plötzlich Schiffbruch.
  • Jürgen am 02.12.2011 19:11
    Um mal mit etwas Sarkasmus zu beginnen: Natürlich kann - im Beitrag wird es bestritten - "Schwarz auch Deutsch" sein, sofern es ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft trägt.
    Der ganze Beitrag ist ziemlich diffus. Das beginnt damit, dass im ersten Absatz nach dem Nationalismus gefragt wird, aber im zweiten geht es um den Nationalsozialismus. Man sollte erst mal die Begriffe klar machen.
    Der Nationalsozialismus oder Faschismus ist in Deutschland nur teilweise aufgearbeitet. Wie anders lässt sich sonst erklären, dass erst in den letzten Jahren Institutionen, staatliche Behörden (z. B. Auswärtiges Amt) und große Firmen ihre eigene Vergangenheit kritisch hinterfragen. Altes Nazis wurden, das ist leider eine Tatsache, auch nach dem Krieg weiterbeschäftigt, konnte Karriere machen und hatten ihr Auskommen. Man muss die inhaltliche Auseinandersetzung schon zu einem Ende bringen, sonst nützen auch organisatorische und informationstechnische Veränderungen nichts.
  • apazin am 03.12.2011 00:53
    @jürgen: der sarkasmus ist unangebracht, dafür ist die sache zu ernst und der text zu engagiert. diffus? na und, die autorin steht unter strom, wie viele menschen jetzt, und es ist gut so, das thema hat jetzt endlich wieder mehr öffentlichkeit und wir müssen nicht das universitätsschulmeistermässige so nacheifern um uns zu verständigen, wir verstehen uns auch so ganz gut.

    es ist doch sehr klar, worum es in diesem difusen beitrag geht, es geht um nationalismus und nicht, weil dieses thema liegt nicht nur mir so sehr am herzen, es ist ganz klar, dass nationalismus auch extrem geworden ist im nationalsozialismus und aber deutschland so viel auzuarbeiten hat aber das problem in der europa krise nicht hauptsächlich der unaufgearbeitete nationalsozialismus ist, sondern halt der nationalismus.

    natürlich hängt alles miteinander auch irgendwie zusammen, aber die autorin schafft schon ganz gut eben nicht alles zusammenzuvermischen. man kann es auch schulmeisterisch sehen und die autorin zum nachsitzen bewegen, es hilft ja immer, aber es hilft in diesem moment eben auch zu verstehen, was offensichtlich ist und darüber eine kommnuikation anzufangen. auch hier oder woanders.
  • Rainald Krome am 03.12.2011 08:30
    @Jürgen & alle: also Nationalsozialismus, das ist Vergangenheit und gehört aufgearbeitet; Nationalismus, das ist Vergangenheit, Gegenwart und wie es aussieht auch die Zukunft, und das gehört nicht nur aufgeghört, sondern überwunden, da hat der Artikel schon recht; richtig ist auch entsprechend, Nationalismus als die große Klammer für die Auseinandersetzung zu wählen, darauf könnten sich auch radikale Rechte eignen.
  • Jürgen am 05.12.2011 16:43
    Um die Unterscheidung der Begriffe Nationalismus und Faschismus/Nationalsozialismus kommt man nicht herum. Bei der Definition des Faschismus, insbesondere des deutschen Nationalsozialismus (der sicher singulär war) fehlen zwei wichtige Merkmale: Die Planung und Durchführung eines verbrecherischen Weltkrieges und die Planung und Durchführung eines Massenmordes an Juden, Zigeunern, Kommunisten, Homosexuellen, Geisteskranken und anderen, darunter auch Kriegsgefangenen. Es wäre für die Aufarbeitung der deutschen Geschichte ebenfalls von Nutzen, um nicht zu sagen, dass es eigentlich notwendig wäre, wenn z.B. in den heutigen Sendungen von ARD und ZDF weniger die Frage, wo Eva Braun Urlaub gemacht hat oder ob Adolf Hitler homosexuell war, behandelt wird, sondern es noch intensiver um die Beantwortung folgender Fragen gehen würde: Wer hat die Nationalsozialisten in Deutschland gefördert, wer hat sie und warum gewählt, wer hat hat am Krieg profitiert und was ist nach 1945 mit vielen dieser Nazis und Profiteure geschehen?
    - Unter Nationalismus verstehe ich, dass sich ein Volk über ein anderes erhebt, sich besser dünkt. (Ein Nationalist ist damit aber noch kein Faschist).Ich verstehe daher die Frage im Beitrag, ob wir - also Deutschland - mehr Nationalismus brauchen überhaupt nicht. Oder verwechselt Julia hier Nationalismus mit Nationalbewusstsein?
    Was die gegenwärtige Lage in der EU und die Euro-Krise betrifft: Natürlich wollen alle Staaten ihre Interessen wahren - merkwürdig, wenn es anders wäre - aber einen Nationalismus kann ich nicht erkennen. Wenn sich z.B. Deutschland, Niederlande, Finnland um Haushaltsdisziplin bemühen und andere Staaten ebenfalls dazu auffordern, ist das im Interesse der eigenen Bevölkerung und hat mit Nationalismus nichts zu tun. Ein deutsches Problem, und zwar für die deutsche Bevölkerung selbst, ist allerdings, dass Deutschland zwar seine Außenstabilität und Wettbewerbsfähigkeit erhält und seine Banken mit Milliarden stützt, aber dies nach innen mit seit vielen Jahren sinkenden oder stagierenden Realeinkommen für den deutschen Arbeitnehmer/Steuerbürger "kompensiert", dass die Anzahl prekärer Arbeitplätze stark gestiegen ist und letztlich die Kluft zwischen Reich und Arm immer weiter wächst.
    Noch einen letzten Gedanken: Wenn es dem Menschen ökonomisch, sozial schlecht geht, will es seine Lage verbessern. Deshalb ist es für mich auch ein völlig normaler Vorgang, wenn Menschen aus Nordafrika nach Europa wollen. Sie wollen Zukunft für sich und ihre Familien. Die Europäer hingegen sind bestrebt, ihren Lebensstandard zu halten, die meisten wollen ja nicht reich werden, sondern nur von ihrer Arbeit leben können. Wenn aber der soziale Druck, den der Kapitalismus nun einmal entwickelt, immer größer wird, suchen manche einen Schuldigen für ihre Lage. Aber sie suchen an der falschen Stelle. Nämlich bei denjenigen, die von außen kommen oder die schwächer sind, als sie selbst. Und manche hören in einer solchen Situation dann auch den angeblichen Gurus, Heilsbringern und Rattenfängern zu oder werden selbst zu Tätern.
  • Fernsehtipp, heute 22:45 in der ARD - unter dem etwas verunglückten Titel "Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin" bringt die ARD heute einen Beitrag über die Opfer der Mordserie der Rechtsterroristen.

    http://programm.daserste.de/pages/programm/detail.aspx?id=DDBA9B71D63A817DA757E2732BDCFAAC
  • Hallo liebe Kommentatoren,

    danke erstmal!

    Der Text ist eigentlich auch als beta gedacht gewesen. ich musste es nur aus dem System kriegen. Fühle mich noch nicht bereit etwas nicht diffuses zZ zu schreiben :-) Bin ja auch erst 26 :-)

    Zu den Fragen:

    Nein, man sollte Störenfriede nicht auslöschen. Aber isolieren.

    Und ja, Ein geeintes Europa ist erst der Anfang. Dann mommt die Welt. Dann das Universum.

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