• Ich lecke Morgen in deine Augenbrauen

    Sex kann man machen und man kann drüber schreiben. Die Poetin und Berliner Gazette-Autorin Dana Buchzik weiß wie beides geht. Ein literarisch-erotischer Kurztrip.

    *

    Der Wein ist clean. Wir bestellen Ente, die schwimmen und singen kann und ernten gebackenen Tofu. Später feilschen wir um Sonnenbrillen und der Abend gibt uns ein Eis aus – unserem Schokoladenlächeln entkommt niemand.

    Auf der Oberbaumbrücke steht ein Mann im Uringestank und mixt Mojitos; ein schmerbäuchiger Engländer hält uns eine Socke unter die Nase, er will gegen Spenden Osterhase spielen. Die Canons der Hipstermädchen sind ihre eigene Persiflage, zwinkernd kuscheln sie sich an wehende Polyesterblusen, baumeln gegen verschwitzte Leggins. (Wir wären ja alle gern zerbrechlich.)

    Das schwimmende Hostel erfüllt western standards, die Lounge bleibt trotzdem unbesetzt, ein Floß in Armyfarben treibt vorbei, der Kapitän trägt Ray-ban und zeigt den Mittelfinger nur, weil sein in die Jahre gekommenes baby ihn knipst.

    Wer mir zu nah kommt, muss küssen. Ich lecke Morgen in deine Augenbrauen. Die Bäume sind Vogelherbergen, eine Katze legt den Kopf schräg, wir lenken sie mit Miauen ab. Die machen Liebe, kichert es aus der Nähe, und ich denke, bei Bukowski würde das heißen, er fickte sie durch.


4 Kommentare zu Ich lecke Morgen in deine Augenbrauen

  • Gerald Angerer via facebook am 20.01.2012 16:04
    ich lecke DEN morgen in deine augenbrauen .. klänge noch sinnlicher :))
  • @#1: so wie es jetzt dasteht ist's allerdings subtiler... man liest ja zunächst: morgen leckt sie/er mir die augenbrauen...
  • Silvia am 20.01.2012 18:21
    einfach nur inspirierend!
  • jorge czyterspiler am 20.01.2012 20:55
    ich höre aus solchen texten immer nur: "recognize me!" sorry.

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