• Hydranten

    Grossstadtlichter schwimmen vorbei. Natuerlich nachts. Der Taxifahrer hat waessrige Augen. Er schlaeft zu wenig und trinkt zu viel. Die Strassen New Yorks widern ihn an. Dreck! Alles was er sehen, hoeren und fuehlen kann, ist Dreck. Die Augen zu schliessen, bringt nicht viel. Wieder dieselben Gedanken, wieder der unausstehliche Gestank der Strasse. Er betet ein reinigendes Gewitter herbei. Ein Wasser, das all den Dreck hinfortspuelt. Dort an einer Strassenecke: Ein paar Jugendliche haben einen Hydranten aufgebrochen. Benutzen ihn als Strassendusche im schwuelen New Yorker Sommer.

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    Hydranten. Seltsame Ventile fuer die unterirdischen Wasseradern der Stadt. Ein Bild schimmert auf: Der Hydrant spritzt Wasser auf die Strasse, fuer die Grossstadtkinder, die nicht an den See fahren oder ins Schwimmband gehen koennen. Zuerst im Film Sleepers gesehen, dasselbe Motiv in Manhattan Transfer, dem Metropolen-Roman von John Dos Passos, entdeckt. Zuletzt in Taxi Driver untergekommen. Hier jedoch ohne jede Grossstadtsommerregenromantik.

    Eine Frage draengt sich auf: Wenn das Wasser in so einer hohen Fontaene aus der Erde schiesst, wie gross ist dann der Druck, mit dem es durch die unterirdischen Kanaele gepumpt wird? Ausserdem: Warum gibt es in Berlin keine Hydranten? Ganz einfach: Sie sind unterirdisch, ganz unromantisch, ueberhaupt nicht New York. Eher praktisch deutsch. Die Stadt braucht kein reinigendes Gewitter, keine Sintflut, die den Schmutz hinfortspuelt. Die Stadt ist immer schon Wasser.


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