• Globaler Bewegungskapitalismus: Kolonialismus, Rassismus und Grenzen bestimmen unser Leben

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    Der Kolonialismus der vergangenen Jahrhunderte hat eine Grundlage für einen von Rassismus geprägten Bewegungskapitalismus geschaffen. Denn auch für den globalen Finanzmarkt ist es unabdingbar, dass sich Menschen bewegen. Je nachdem welchen Pass sie besitzen, werden sie bei ihren Bewegungen und Grenzüberschreitungen auf- oder abgewertet. Der Aktivist, Sozialforscher und Berliner Gazette-Autor Max Haiven unternimmt im letzten Teil seines Essays eine Bestandsaufnahme.

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    Der Denker Randy Martin, der wegweisend für Überlegungen zum Finanzkapital ist, beleuchtet das Derivat. Was für ihn hier besonders ist: Es handelt sich hierbei nicht um eine einzige überlegene Institution handelt, die von einer Verschwörung oder Bürokratie gelenkt wird, obwohl sowohl Verschwörungen als auch Bürokratien integraler Bestandteil seiner Funktionsweise sind. Es ist, um Deleuzes Gedanken darüber was eine Gesellschaft der Disziplin von einer Gesellschaft der Kontrolle unterscheidet zu paraphrasieren, ein Dunst oder Gas, eine umgebende, sättigende Präsenz.

    Die finanzielle Ordnung oder das Derivat übt unermüdlich, erbarmungslos und dennoch größtenteils unsichtbar Druck auf alle sozialen Akteure aus und bietet sich selbst dabei als Wertemaßstab an. Man beachte die Handlungen von Nationalstaaten heutzutage: Über spezielle geopolitische Interessen hinaus wird Politik, einschließlich insbesondere Politikrichtlinien über Grenzen und Migranten, geformt durch den Fluss der Kredite und Schulden, das Schicksal des Bond Ratings und die Gesundheit der finanziellen Institutionen dieser Nationen.

    All das durchläuft oder wird auf dem einen oder anderen Weg bewertet durch Derivat-Verträge und Märkte. Das Gleiche ist wahr für große Unternehmen, sogar für die, deren Größe und Macht in Konkurrenz mit Nationen steht: sie werden fast unmerklich diszipliniert und koordiniert durch die Aktionäre, die tatsächlich die finanziellen Akteure in der Derivat-Ökonomie sind.

    Grenzen und Derivate

    Währenddessen spürt der Rest von uns auch den Einfluss, kann ihn aber nicht benennen. Der Wert unserer Immobilien, der Preis für Brot, unsere Möglichkeit Kredite zu beziehen, unsere Kapazität für die Rente zu sparen, der Wert unserer Währung, sogar die Kosten für einen gefälschten Ausweis oder der Grad an Überwachung in einem Flüchtlingslager – all diese Dinge sind verstrickt in die Bewegungen der Derivat-Ökonomie, über die wir keine Macht haben. Die, wenn auch indirekt, so doch tiefgreifend einen unvergleichbaren Einfluss darauf hat, wie wir uns zusammen bewegen.

    Es ist diese Form von Macht und Kontrolle, die einer Gesellschaft eigen ist, welche hochgradig diversifiziert, diffus und individualistisch geworden ist, in welcher der Kapitalismus nicht mehr davon abhängig ist uns in die Fabriken zu zwingen, sondern unsere Bewegungen auszuschöpfen und dabei dennoch Spielraum oder zumindest formale Freiheit innerhalb des Systems aufrecht zu erhalten.

    Daher ist die Konsequenz des Derivats die Grenze: Sie ist ebenfalls eine Technologie, die genutzt wird um Bewegung zu kontrollieren und davon zu profitieren. Für die privilegierten Subjekte des globalen Kapitalismus unter uns, also jene mit begehrenswerten Pässen, ist die Grenze eine nervende Notwendigkeit.

    Begehrenswerte Pässe und das Überschreiten von Grenzen

    Das Überschreiten einer Grenze ist sogar ein Mittel uns aufzuwerten. Grenzübertritte für Ausbildung und Karriere erhöhen unser menschliches Kapital. Mein kanadischer Ausweis ermöglicht mir enorm von diesen Arten der Bewegung zu profitieren, die für einen „geistigen“ Arbeiter heutzutage obligatorisch geworden sind, genauso wie Kanada und seine finanziellen Institutionen davon profitieren, dass es ein Knotenpunkt der Bewegung von humanem und finanziellem Kapital ist.

    So ist Kanada beispielsweise weltbekannt als Ursprung für weltweiten explorativen Bergbau und die entsprechende Expertise. Kanadische Unternehmen machen jährlich Millionen von Dollars damit mineralische Rohstoffe auf der ganzen Welt auszuplündern (dasselbe machen Menschen wie ich, deren Rentenfonds und Ersparnisse unwissentlich in diese Industriezweige investiert werden).

    Unterdessen wird die Grenze zur Waffe gemacht gegen die Opfer der Menschenrechtsverletzungen und Umweltverseuchung der kanadischen Minenunternehmen in Ländern wie Papua Neu Guinea, Honduras oder Ghana: Ihre Ansprüche auf Gerechtigkeit sind nicht grenzüberschreitend (und treffen auf taube Ohren innerhalb ihrer Grenzen) und die kanadischen Firmen können nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Nicht nur das, wenn sie in der Hoffnung auf Reichtum die Grenzen zu reicheren Ländern überqueren, verbessert diese Bewegung nicht etwa das humane Kapital dieser Opfer, es macht sie im Gegenteil sogar wertloser, beeinflussbar, verletzlich und ausnutzbar.

    Der Leitzinssatz und die Grenze

    An diesem Punkt müssen wir nochmals den Leitsatz hinterfragen, nach dem wir – so wichtig das auch sein mag – in einer Welt leben, welche die freie Bewegung des Kapitals erlaubt, aber die Bewegung der Menschen kontrolliert. Wie wir aber bereits gesehen haben, ist die Bewegung des Kapitals nicht frei. Die komplexen inter- und transnationalen Regulatorien und das institutionelle Gefüge sind hochgradig nützlich für einige Aspekte des Kapitals, besonders für das transnationale Finanzwesen.

    Während klar ist, dass mehr und mehr Geld und Ressourcen in die Kontrolle von Grenzen und Bevölkerungen investiert werden, ist die globale Wirtschaft grundlegend abhängig von den freien Bewegungen von Körpern über und zwischen Grenzen aus dem einfachen Grund, dass dies einen ausufernden, ausnutzbaren Pool an Leben schafft. Gesicherte Grenzen existieren nicht um Menschen „draußen“ zu halten. Sie existieren, um die Leben derer, die es „rein“ geschafft haben, zu verbilligen.

    Insofern repräsentieren die Grenze und das Derivat in ihren gegenwärtigen Formen ein binäres Set an sich gegenseitig bestärkenden Technologien eines globalen Bewegungskapitalismus. Und beide basieren auf einer Logik der pathologischen, paranoiden und technologisch erweiterten Vorhersage und Eindämmung von Risiken.

    Risikomanagement und Grenzen

    Es ist interessant, dass für viele von uns – mit Sicherheit aber für die Medien – unsere Albträume über Metadaten und algorithmische Datenverarbeitung dazu tendieren sich um die Frage nach Anonymität und Datenschutz von Nutzerdaten zu drehen. Es ist auch bemerkenswert, dass sich folgende drei Industriezweige besonders der Entwicklung und Ausschöpfung der Metadaten und algorithmischen Datenverarbeitung widmen, nämlich a) der Grenzschutz und das neo-imperiale Kriegswesen, b) das Finanzreich der Hedgefonds und Investitionen, die hochfrequente Handelsbanken nutzen, und c) Gewinnungsindustrien, also konkret Erdöl- und Bergabbau und die dahinterstehenden Finanzfirmen.

    All dies hängt ab von der Beobachtung einer unergründlichen Anzahl an Datenpunkten und dem Besitz der Rechenmacht um all diese Informationen zu analysieren und zu verarbeiten, damit Vorhersagen im Namen des Risikomanagements gemacht werden können und um präzise spezifische Investitionen zu ermöglichen, die auf niedrigen Einsatz und hohe Ausschuss abzielen. Risikomanagement ist eine Frage der Erschaffung von Grenzen, egal ob tatsächliche oder metaphorische. Grenzen halten und formen Bewegung. Das Derivat und die Grenze arbeiten zusammen, könnte man sagen, einerseits um Bewegung zwingend zu machen und andererseits um Risiko ungleich zu verteilen, um, wie sie Ananya Roy nennt, „Riskscape“ („Risikolandschaften“) zu erschaffen und zu überwachen.

    Doch zuerst müssen wir uns noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass trotz ihrer erschreckenden Macht sowohl Derivate als auch Grenzen nur in unserer Vorstellung existieren – sie sind imaginär. Um sie aufrecht zu erhalten benötigt man nicht nur rohe Gewalt, auch wenn es von dieser nicht zu wenig gibt. Es braucht außerdem eine gewaltige, strukturierte, differenzierte (und tatsächlich widersprüchliche) Orchestrierung der Vorstellungskraft.

    Unsere Vorstellungskraft und Grenzen

    Wir sind alle dazu verpflichtet unsere Vorstellungskraft, individuell und kollektiv, darzubringen, um diese Formen der Macht zu reproduzieren. Wir tun dies, wenn wir einen Kredit aufnehmen um ein Haus als Spekulationsobjekt zu kaufen oder wenn wir akzeptieren, dass Grenzen legitim sind. Wir tun dies, wenn wir uns selbst als Investoren vorstellen (in unsere Gesundheit, unsere Erziehung, unserer Kinder Zukunft) oder wann immer wir unseren Pass benutzen. Wir tun dies, wenn wir uns vorstellen, dass ein Migrant irgendwie fundamental anders ist von einem abstrakten „wir“, dass „unsere“ Zukunft irgendwie von „deren“ getrennt werden kann. Es ist eine Vorstellung, welche die politische, wirtschaftliche und subjektive Sphäre verbindet.

    Und hierin liegt die Gefahr, denn in dem Ausmaß, in dem die Grenze und das Derivat voranschreiten unsere Vorstellungskraft zu beherrschen, werden wir zunehmend unfähig uns verschiedene Zukünfte zusammen vorzustellen. Die Zukunft kann tatsächlich nur noch im Sinn von Erschaffung neuer Grenzen und der Tätigung besserer Investitionen gedacht werden. Ist dies nicht die unhinterfragbare Rhetorik praktisch aller Regierungen heute, egal ob sie sich als links oder rechts orientiert proklamieren?

    Wie sollen wir investieren? Wo sollen wir Grenzen ziehen? Wieviel sollte jetzt für zukünftige Gewinne ausgegeben werden? Wie viele von denen sollten wir akzeptieren um unsere Zukunft zu sichern? Sollen wir eine Mauer bauen? Gesellschaften bleibt nichts anderes übrig, als Grenzen zu nutzen um der Gewalt des Derivats zu entfliehen, oder das Derivat zu nutzen um der Gewalt der Grenzen zu entfliehen.

    Das Schließen von Grenzen als Antwort

    Im ersteren Fall werden wir dazu ermutigt uns vorzustellen, dass der einzige Weg den Unbeständigkeiten des prekären Lebens in finanzorientierten Zeiten, in Zeiten unbekannter, wachsender Risiken (Klimawandel, Seuchen, Terrorismus) zu entkommen ist, die Grenzen zu schließen, Zonen des Schutzes einzurichten, in denen Risiken bekannt und steuerbar sind. Im zweiten Fall stellen wir uns vor, dass uns die Investition in Gesundheit, Erziehung und Human-Kapital erlauben die Gewalttätigkeit der Grenzen zu vermeiden und dem globalen Weltbürgertum ohne Angst zu frönen. Und vielleicht ist das für einige von uns für eine Weile sogar so. Aber nicht für viele und nicht für immer.

    Aber der traurigste Punkt daran ist: sowohl die Grenze als auch das Derivat ermutigen uns in ihrer jeweils eigenen Logik dazu uns vorzustellen, wir bewegen uns alleine. Dabei sind sie davon abhängig, dass wir uns zusammen bewegen.

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    Aber lasst uns uns selbst aufklären über diese neue Idee. Der Ausweis, das Camp, die obsessive Kontrolle der Bevölkerung, die hypochondrische Beschäftigung mit der rassischen Ansteckung, dies alles sind die dunklen Erbschaften des Kolonialismus und sind immer, unweigerlich, um die Rassenthematik organisiert.

    Lasst uns den Tatsachen ins Auge sehen: Dieses erschreckende Weltsystem ist der Höhepunkt von 500 Jahren Kolonialbarbarismus, der anfing mit der freien Bewegung der Europäer um die Welt, bekanntermaßen Columbus und seine Söhne, die Konquistadoren, aber auch einschließlich der Kaufmänner und Missionare, die ihm folgten.

    Lasst uns daran erinnern, dass Grenzen als solche eine Erfindung Europas sind und des Kapitalismus, der darauf ausgerichtet ist Zonen kompetitiver imperialistischer Anhäufung zu schaffen und die Gewalttätigkeit des europäischen Kapitalismus an seine Grenzen und Ausläufer zu verlagern. So wurden Europa und ihre auserwählten Kinder, wie Kanada, reich.

    Alternative Methoden Hoheitsbereiche zu definieren

    Es gab aber auch andere Methoden Hoheitsbereiche zu definieren. Auf den Ländereien, die ich als Siedler bewohne, hat das Volk der Mi’Kmaq gewöhnlich (und tut es noch, soweit es ihnen möglich es) ein Set des territorialen Verständnisses innerhalb ihrer Nation und mit anderen indigenen Nationen praktiziert, das weniger auf einer Theorie des privaten Besitztums und souveränen Kontrolle basiert, sondern sich mehr um die Frage der Verantwortung und der Reziprozität zu und mit „dem Land“ dreht.

    Dies basiert wiederum auf einer Vorstellung der politischen Gemeinschaft, die verankert ist in einem Netz menschlicher und nicht-menschlicher Beziehungen. Ich erzähle dies, weil wir dazu neigen uns vorzustellen, dass Grenzen die höchste Ausformulierung einer Geschichte des Territoriums ist, die zurückreicht bis zu lang vergangenen Zeiten, auf die gleiche Weise stellen sich Mainstream-Wirtschaftswissenschaftler Geld und sogar das Derivat als eine wirklich nur weiterentwickelte Form des Tauschhandels vor.

    Aber die heutigen Grenzen, so wie das heutige Geld, sind tatsächlich das Produkt kolonialistischer, diskriminierender Gewalt. Denn lasst uns ehrlich sein: wenn wir es global betrachten, dann bleibt Weißsein weiterhin der Schlüssel zur Bewegung von Körpern und Geld heutzutage. Bedenke die Hautfarbe der Vorstände der Hedgefonds, Investmentbanken und transnationalen Institutionen. Bedenke die Hautfarbe von denen, deren Körper, so wie meiner, ohne Kommentare, Verdächtigungen oder abfällige Blicke durch die Straßen und Flughäfen passieren. Bedenke nun die Hautfarbe derer, die den Flughafen oder die Hedgefond-Büros reinigen, oder die Körper der Grenzwächter, Bürokraten oder Investmentbänker befriedigen oder für ihre Kinder sorgen.

    Darum ist es essentiell immer von diskriminierendem Kapitalismus und Grenzimperialismus zu sprechen. Wenn wir von Bewegung aber nicht von Rasse sprechen, machen wir etwas unsichtbar. Ja, wenn wir von Finanzen oder dem Derivat aber nicht von Rasse sprechen, machen wir etwas unsichtbar. Denn wie Denise Ferreira da Silva und Paula Chakravartty anmerken, ist die Geschichte der spekulativen Anhäufung immer abhängig gemacht worden von der Erschaffung eines normativen weißen Finanzsubjekt und der Sabotage eines diskriminierten Finanzsubjektes.

    Für diese Autoren ist Rasse ein strukturierendes Element des globalen Geldstroms, und zwar eines, das den Effekt hat, das diskriminierte Subjekt innerhalb seiner Subjektivität zu fangen, wie etwa als Schwarzen und Latinos in den USA sabotierte Darlehen verkauft wurden, die sie in ihren Häusern einfingen, welche die Quelle einer unbezahlbaren Schuld wurden. Genauso sollten wir Neokolonialismus als ein ähnliches Manöver auf einer globalen Skala sehen. Das Finanzwesen in Verknüpfung mit Rasse verwandelt Mauern, die schützen, in Mauern, die einschließen und einfangen, in Grenzen innerhalb derer dem Risiko freien Lauf gelassen wird.

    Anm. d. Red.: Den ersten Teil der Essay-Reihe können Sie hier lesen, den zweiten Teil hier. Der Beitrag basiert auf einem Interview, das die Redaktion der Berliner Gazette in Vorbereitung auf die BG-Jahreskonferenz TACIT FUTURES an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (27.-29.10.) geführt hat. Übersetzung aus dem Englischen: Sarah Mousavi. Die Fotos stammen von Peter Thoeny (cc by 2.0).


1 Kommentar zu Globaler Bewegungskapitalismus: Kolonialismus, Rassismus und Grenzen bestimmen unser Leben

  • willi uebelherr am 01.09.2016 22:31
    Max Haiven verliert die oder hatte keine Basis

    Im Profil von Max Haiven finden wir 5 Texte.
    Politik der Teilhabe (1,2) zu den Commons
    Essay (1,2,3) zum Finanzsystem

    Beim Lesen der ersten beiden Texten hatte ich das Gefuehl, Max will tief eintauchen. Er hat eine radikale Sichtweise, sehr wohltuend, er sieht deutlich den imaginaeren Charakter von Staat und Nation als Teil der vier grossen Religionen: Geld, Staat, Nation und die Goetter. Alles Hirnkonstrukte, dienend dem Egoismus und Parasitismus der herrschenden Klasse, nichts mit Substanz. Durchgedrueckt mit Gewalt. Sekulaere Inquisition. Alles wird weggeraeumt, was ihren Interessen im Wege steht.

    Aber wie so viele SchreiberInnen versteht er nicht die Commons. Sie existieren, unabhaengig davon, ob wir sie verstehen. Das heisst, in unserem Bestreben, stabile soziale und materielle Existenzbedingen fuer alle Menschen auf der Basis lokaler Unabhaengigkeit und Autonomie herzustellen, werden wir auch die Commons verstehen.

    Die 3 anderen Texte zum Finanzsystem zeigen deutlich, dass Max ein "geistiger Arbeiter" ist, so bezeichnet er sich selbst, der keine reale Basis hat. Das heisst, er hat sich nie daran beteiligt, das herzustellen, was er zum Leben braucht. Insofern eine parasitaere Lebensweise.

    Wenn wir den Satz von Karl Marx anwenden, "das Sein bestimmt das Bewusstsein", dann verstehen wir auch, dass aus einer parasitaeren Lebensweise notwendig ein parasitaeres Denken entsteht. Und das finden wir in den 3 Texten von max Haiven zum Finanzsystem.

    Er macht die Spielwiese zum realen Lebensort. Klar, das tun viele. Ich bin nur erstaunt, wie leicht er sich vor den Karren spannen laesst. Das Finanzsystem bescheftigt sich nur mit sich selbst. Das koennen sie ja auch tun, das stoert uns doch nicht. Stoerend fuer uns ist es, wenn Leute dazu aufrufen, dieses Kasperltheater in unsere Wirklichkeit einzubeziehen.

    Ein gutes Beispiel war die Tulpenkrise in Holland im 15. und 16. Jahrhundert. Auch so ein virtuelles Theater Spektakel. Aber die uebergrosse Mehrheit der Bevoelkerung wusste nichts davon und hat sich natuerlich auch nicht daran beteiligt. Es hat sie einfach nicht interessiert.

    Max Haiven meint nun, wir sollten uns mit diesen Kindereien, oder Spielplaetzen infantiler Erwachsener, herumschlagen. Ja wozu denn das? Wird er dafuer bezahlt, das zu tun? Ist das seiner Karriere dienlich? Oder warum agiert er jetzt fuer diese unterentwickelten Dollar-Junkies?

    Wenn es ueberhaupt ein Thema gibt, um das es Wert waere, sich Gedanken zu machen, ist der Weg der vollstaendigen Trennung der Spielerhoehlen und Spielwiesen von unserer eigenen Oekonomie. Das waere doch mal eine Anforderung an Leute, die sich gerne, weil nichts anderes fuer sie existiert, mit der spekulativen Wertabstraktion, dem Geld, beschaeftigen.

    Viel Spass und viele Gruesse, willi
    La Fabrica, Asuncion, Paraguay
    willi.uebelherr@gmail.com

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