• Frische Luft des Open Source Kinos

    In Zeiten, in denen vermeintlich alles zu jedem beliebigen Zeitpunkt gesehen werden kann und deswegen kaum mehr wahr genommen wird, duerfte es umso wichtiger sein, Orte und Gelegenheiten zu erfinden, an denen das gesehen und besprochen werden kann, was auf den ersten Blick nicht oder nur sehr selten zu sehen ist und heute womoeglich groessere Bedeutung hat denn je.

    Ueber fuenf Wochen lang Filme von Daniele Huillet und Jean-Marie Straub in 35mm- bzw. 16mm Projektionen zu sehen, ist eine dieser immer seltener werdenden Gelegenheiten; gleichzeitig geht es in diesem Projekt vor allem darum, ausfindig zu machen, was die Brisanz der Filme der Straubs heute ausmacht – nicht zuletzt, weil es sich um ein aeusserst seltenes Beispiel dafuer handelt, was es bedeuten koennte, wenn Filmemacher die Rechte an ihren Filmen nicht oder nur zu geringen Teilen aus der Hand geben bzw. sich nicht dem Diktat der Unterhaltungsindustrie unterwerfen, von deren Konzernen enteignen und entmuendigen lassen. Die Arbeiten Straubs sind ein ausgezeichneter Beleg dafuer, dass open source beileibe kein Produktions- und Distributionsmodell ist, das auf das sogenannte Digitale oder gar Immaterielle beschraenkt gewesen ist und bleibt.

    Ihre Filme sind wunderbare Anregungen dafuer, wie Vorlagen aus Literatur, Theater, Musik und Malerei so in ein neues Medium uebersetzt werden koennen, dass etwas Neues entsteht, ohne originell sein zu wollen. Angesichts der Orgien von permanenter, angeblich sozialer Kommunikation, Partizipation und sharing, die kaum mehr ihre tatsaechliche Funktion als grosse Enteignungs- und Privatisierungsmaschinerie verhehlen, moegen die Filme der Straubs erst einmal wie ein Schock wirken. Wer aber einmal die frische Luft atmet, merkt rasch, dass das aber gar nicht zu viel ist, sondern so sein sollte, wie Daniele Huillet einmal gesagt hat.

    Wer sich fuer das Projekt und die Initiativen, die in diesem Zusammenhang entstehen werden, interessiert, aber in den naechsten fuenf Wochen nicht nach Antwerpen kommen kann, ist herzlich eingeladen, sich auf der Webseite zu registrieren, um so ueber Moeglichkeiten auf dem laufenden gehalten zu werden, aus der Ferne mitzuwirken. (Anm.d.Red.: Der Verfasser dieses Beitrags hat zusammen mit Annett Busch eine Austellung und einen Kino-Klub im Rahmen von extra city, Kunsthalle Antwerpen, kuratiert.)


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