• Freundschaft

    Freundschaft beinhaltet fuer mich grundsaetzlich die Frage nach den wirklich wichtigen Dingen. Freundschaft ist das, was rar ist. Wieso ist Freundschaft so selten? Hat es mit dem Verlust an Authentizitaet zu tun, mit dem Verlust an Wahrhaftigkeit, mit der Jagd nach den Ersatzhandlungen, die uns statt ehrlicher Freude, Befriedigung durch Sensationen suggerieren, aehnlich der Nahrungsaufnahme bei bestimmten Fast-Food-Ketten, die hinterher eigentlich nur die Wirksamkeit von Geschmacksvertstaerkern demonstriert und was bleibt ist erneuter Hunger auf etwas, das keine wirkliche Saettigung oder Genuss, sondern nur Uebersaettigung erlaubt.

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    Ist es ein Zeichen unserer schnelllebigen und sensationsgeilen Zeit, dass Freundschaften so selten geschlossen werden, dass sich anstelle von Freundschaft Interessensgemeinschaften, Jagdclubs fuer Sensationsjagden bilden, die Wert legen auf ein gemeinsames Outfit, damit man Zugehoerigkeit demonstrieren und die gegenseitige Erkennbarkeit sicherstellen kann. Ich bin nicht davon ueberzeugt, dass es nur ein Zeichen unserer heutigen Umstaende, Wirtschafts- und Lebensbedingungen sein soll. Ebenso erscheint es mir immer mehr als eine billige Schutzbehauptung, dass es nur die Medien und unsere Kommunikationstechnik sein soll, die unsere Gesellschaft so freud- und freundschaftslos sein laesst.

    Was ich in der Vergangenheit gelernt habe ist, dass es bei all unserer kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung, keine wirkliche Weiterentwicklung gegeben hat. Ganz gleich auf welchem Gebiet auch immer, mir erscheinen die Dinge, die sich bei all unserem Fortschritt entwickelt haben, nur rein techni- scher Natur zu sein. Das, was sich als kultureller Fortschritt zeigt, entpuppt sich fuer mich immer wieder nur als Ergebnis von Additionen und aufgemotzter Bemuehtheit auf alles noch eins draufzusetzen. Freundschaft laesst sich nicht wirklich beschreiben, denn obgleich sie das Sensationellste von jeher darstellt, beruht sie auf einer unentschluesselbaren Formel.

    Ich kann es auch nicht. Freundschaft bedeutet Mut, Freundschaft bedeutet Hingabe, ebenso Leidenschaft. Freundschaft ist etwas, das mich ganz will. Das, was ich in aller Bescheidenheit sagen kann, ist , dass ich Freunde habe, dass ich Menschen kenne, die mir zuhoeren, die mich wahrnehmen, die mir in der Bewaeltigung ihres Alltags zum Vorbild werden, die mir Vertrauen schenken, die mich trotz all meiner Macken, ihren Freund nennen, die ich, obschon sie mir unverbluemt ihre Meinung an den Kopf knallen, liebe, die, obschon ich ihnen ihre Macken manchmal vorhalte, auf meine Meinung Wert legen.

    Freundschaft ist, Freundschaft ist einfach, wenn ich sie zulasse, wenn ich ihr vertraue, wenn ich nicht nach dem Warum frage, denn habe ich einmal eine Antwort, so wird Freundschaft angreifbar und Freundschaft diktieren kann ich nicht. Freundschaft ist zaertlich, unangreifbar und bedarf immer wiederkehrender Bemuehungen, die mit Oberflaechlichkeiten nichts zu tun haben. Freundschaft ist Gemeinsames pur, wenn man sich in einer Freundschaft als Teil eines grossen Ganzen versteht. Wenn man gemeinsam mit allen, die daran beteiligt sind, erfasst, dass sich im Wissen um die gemeinsame Freundschaft, die tatsaechliche Kraft und Sicherheit einer Freundschaft entfalten kann und manifestiert.


1 Kommentar zu Freundschaft

  • sebastian am 09.03.2008 14:39
    Schon mal überlegt, dass es nur ein entrücktes Bild ist, was du von den Freundschaftszuständen unserer Republik hast?
    Woran machst du fest, dass der Wert der Freundschaft nachlässt, es immer weniger von ihr gibt? Weil ich - wahrscheinlich genauso wie du - von der Subjektivität jeden Eindrucks weiß, der nicht mit wissenschaftlicher Empirie belegbar (oder belegt) ist, setze ich deiner Schlechtwetterstimmung in punkto Freundschaft meine Einstellung entgegen: Freundschaft, oder das, womit sie beginnt, begegnet mir jeden Tag. In mannigfaltiger Form und an allen Orten - und das von Leuten, die ich kenne(und die bereits meine Freunde sind), wie von Leuten, die ich nicht kenne.
    Ich kann nicht glauben, dass die Freundschaft in dem Maße, wie du sie nicht siehst, tatsächlich nicht vorhanden ist. Oft haben solche Eindrücke nur mit dem eigenen Blickwinkel, der eigenen Bereitschaft und über Gebühr prägenden Einzelerfahrungen zu tun - ist das bei dir der Fall?

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