
Wir sind irgendwo in Paris und in einem Teil der Roman-Trilogie The Rosy Crucifixion: Der Ich-Erzähler, angelehnt an Henry Miller himself, befindet sich bei einer öffentlichen Lesung, einem Vortrag oder einer Diskussion. Plötzlich meldet er sich zu Wort, steht auf und beginnt unvermittelt zu sprechen. Als er sich nach einigen Minuten wieder setzt und seinen Blick wieder nach vorne richtet, hat er kaum noch eine Erinnerung daran, was er gesagt hat, geschweige denn, was ihn dazu bewegt hat, sich so gehen zu lassen. Nur eines ist ihm im Gedächtnis geblieben: Seine Rede war rauschhaft, eloquent und elektrisierend. weiterlesen »
Ihr Gesicht schimmert blau in der nächtlichen Dunkelheit, sie ist allein. Schnelle Schnitte: Tasten, Monitor, erste Buchstaben auf dem Bildschirm. “Taylor und ich hatten einen Streit.” Sie schürzt die Lippen und beginnt in die Tasten zu hauen. Coole Klänge von Norah Jones setzen ein. Eine Bloggerin bei der Arbeit.
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In Halle 22 stand eine große Bühne, auf der nichts passierte. MySpace hatte ein paar Sitzhocker hingestellt, studiVZ und facebook waren gar nicht vertreten. Das “Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation” kurz CeBIT ist gerade in Hannover zu Ende gegangen und war genauso wie der Name: sperrig und langweilig. weiterlesen »
Während auf der CeBIT neue und alte Jünger des Internet zusammenkommen, um sich selbst und den Siegeszug der Vernetzung in einer orgiastischen Dauerparty zu feiern, bin ich es leid, das euphorisch gespielte, aber eintönige Webciety-Lied weiterhin mitzusingen. Ja, ich gestehe. Ich war süchtig nach Konnektivität.

Ich war mein halbes Leben hypervernetzt und ich wusste: das ist nicht gut. Vermutlich lag die Ursache in meiner Kindheit. In der Schule war ich nämlich Außenseiter, bis ich mich entschloss: Nie mehr uncool sein! Online gehen! weiterlesen »

Seit den konstruktivistischen Sündenfällen des 20. Jahrhunderts (Unschärferelation, Beobachtungstheorie, Dekonstruktion und so weiter) waren die Dinge selbst viel weniger interessant als Beobachtungen und Aussagen über Dinge. Doch jetzt das: In einer mittlerweile unauffindbaren Radiosendung wurde die Methode der Dingforschung erwähnt. weiterlesen »
Noch lange nicht Frühling. Bei uns trotzdem schon alles neu. Bis auf das gute alte Pixellogo, das bleibt natürlich. Die Webseite berlinergazette.de sieht nun mehr denn je nach Zeitung aus und markiert zugleich deutlicher denn je eine wichtige Weiterentwicklung der Zeitung – ein Anliegen, das uns seit 1999 antreibt. Lediglich ein Buch aus der klassischen Zeitung bleibt in der Berliner Gazette erhalten: Feuilleton. Wirtschaft, Politik, Sport – all das fließt in unseren offenen Kulturbegriff. Stattdessen gibt es Symposium, Initiative, Anthologie und Seminar. Kategorien, welche für die Öffnung der Zeitung stehen: Die Öffnung gegenüber nicht-digitalen Bereichen der sozialen Interaktion. Und die Öffnung Ihnen gegenüber: der Leserin, dem Leser. weiterlesen »
Wir schreiben das Jahr 1997: Teletubbies, Tamagotchis und Tic Tac Toe regieren die Welt. In jenem Jahr begann ein kleines TV-Ensemble dem deutschsprachigen Fernsehen einen Spiegel vorzuhalten. Dass dieser Spiegel das echte Bild nicht eins zu eins wiedergab, sondern vielmehr die Realität verzerrte, störte niemanden, außer vielleicht die Gespiegelten selbst. weiterlesen »