
Ich betrete ein menschenleeres Gebäude. Drei Etagen hoch, die umlaufenden Galerien werden von aufmerksamen Wachen abgeschritten, halb menschenfreundlich, halb pingelig-gelangweilt. Bildschirme und Projektionen, altertümliche Interfaces, in die ich mich setzen, auf die ich mich stellen solle, deren Eingabetasten ich drücken, mit deren Zeigegeräten ich Leuchtmarkierungen auf Bildern bewegen möge. Ich wandere durch leere Welten. weiterlesen »
Ich traf Roberto Vincenzi das erste Mal im Oktober 2009, in seiner damaligen Bleibe unter der Williamsburg Bridge in New York. Sein heruntergekommenes Äußeres war befremdlich, aber sein freundliches, warmes Auftreten beruhigte mich. Ich führte folgendes Gespräch. weiterlesen »
30 hoch, 24 breit, 3,5 Zentimeter dick. Ein fetter Wälzer, ein Werk, eine Bibel. In 20 Minuten fertig. Es ist ja nur ein Bildband. Nur ein Bildband? Auf Seite 20 liegt Hündin Annie mit ihrem Herrchen im Bett, Kopf an Kopf. Das Zimmer ist klein und voller Bücher, der Aschenbecher voller Kippen. Er war einmal Bibliothekar. Heute braucht er viele Medikamente, gegen die Schmerzen. “Dann liegt Annie ganz ruhig neben mir. Sie gibt mir viel Kraft und Liebe.” weiterlesen »
Vergiss bloss nicht, von unserem ersten Aufenthalt in New York zu erzaehlen
– schreit Gilbert, der ploetzlich ganz rot wird. George faengt sofort mit seinem Bericht an. Gilbert lacht, und das Publikum lacht mit. Beide Kuenstler haben beige Massanzuege an und sehen sich aehnlich – aber eben auf diese Art, auf die sich Leute aehneln, die lange miteinander leben, die immer zusammen fruehstuecken, und die sich nicht mehr daran erinnern koennen, wie es war, bevor sie sich kannten – die genau dieselbe Gestik und Mimik haben. weiterlesen »
Freitagabend auf dem Weg in die Klosterstrasse 44, Berlin Mitte, noch ahnungslos, dass mein Ziel – die Ausstellung >Hanging Out in Time and Space< - mich an den Gang ueber den Alex erinnern wird: Ein oeffentlicher Platz, kuenstlich erschaffen und als Baustelle auf dem Weg zur infrastrukturellen und stilistischen Perfektion, aber eben auch ein Lebensraum des modernen urbanen Menschen. weiterlesen »
In dem Film >Finding Forrester< , mit Sean Connery in der Hauptrolle, gibt es eine Szene, die fuer mich verblueffend klar und einfach von der Aussage her war. Der farbige Junge, der aufgrund einer Wette in das Leben dieses Schriftstellers Forrester, der sich aus dem oeffentlichen Leben zurueckgezogen hat und von den Tantiemen seines ersten und einzigen Bestsellers lebt, eingedrungen ist, will von ihm wissen, was das Wesentliche beim Schreiben sei und er erhaelt die einfache und zugleich komplexe Antwort: das Schreiben
. Fragt mich jemand wie ich Bilder male oder Radierungen fertige, antworte ich aehnlich: Ich tue es
. weiterlesen »
Fluesse sind in den Staedten ein Leitfaden fuer die zerbrochenen Kommunikationsrouten der Stadt. Der Mapocho Fluss war der Grund, warum die Spanier das Santiago de Chile-Tal als Gruendungsort fuer die heutige Hauptstadt gewaehlt haben. Der Fluss ist heute eine braune, halb-lebendige Grenzlinie, in der sich die Geschwindigkeit des Alltags und die Anonymitaet einer unentschlossenen Geschichte konzentrieren. Wasser ist Treffpunkt, Gleis, Kanal, Spur. Santiago de Chile ist ein Ort der Konzentration von Kapital und Unterschieden zwischen dem Zugang zu solchem Kapital, im oekonomischen, kulturellen, sozialen und politischen Sinn. weiterlesen »