• Das Leben ist ein Nebenjob

    Hochsommer. Meine schweißnassen, druckerschwärze- verschmierten Hände umkrallen den Fahrradlenker. Ich bin 13 und aus der Puste. Noch zwei Straßen, dann bin ich fertig.

    Die Luft ist so dünn wie die Meldungen im “Wochenspiegel”, den ich an die Haushalte in Pritzwalks Norden verteile. Dann Wolkenbruch. Ich flüchte mich in einen Hauseingang in der Beethovenstraße, streife mir die klatschnassen Haare aus dem Gesicht und frage mich: “Wo bin ich hier nur hineingeraten?” weiterlesen »

  • Abwasserwissen

    Eine undurchsichtige Idee: ein Aquarium mit Abwasser füllen, dort eine kleine Welt mit entsprechender Flora und Fauna gestalten und aus dessen Betrachtung kontemplativen Genuss ziehen. Wer das tut, benötigt nicht nur eine strapazierfähige Nase, sondern auch gute Gründe und gute Freunde. Denn: Die Präposition “ab” schmiegt sich ans Wasser, wenn wir vom Wasser genug haben, wenn wir es loswerden wollen. Abwasser bewegt sich von uns fort, darin findet es seine Zweckbestimmung, seine Regieanweisung: Ab! weiterlesen »

  • 17 Wohnungen

    Ich habe in den letzten drei Wochen 17 Wohnungen gesehen. 17 Küchen mit oder ohne Spüle und Herd, 17 Toiletten, acht Badewannen, neun Duschen, drei Balkons und sogar einen Keller. Ich habe mir 17 mal überlegt, ob ich in dieser Wohnung wohnen könnte, ob ich in dieser Küche gerne kochen würde, ob ich in diesem Schlafzimmer gut schlafen könnte, ob der Blick erträglich wäre und wo mein Schreibtisch stehen könnte. Ich habe fast immer Fotos gemacht, um mich an die Wohnungen erinnern zu können, wie ein verwirrter Tourist, der das erste Mal durch Europa reist und nach zwei Wochen Programm nicht mehr weiß, in welcher Stadt er den Arc de Triomphe gesehen hat. weiterlesen »

  • Bananenrepublik Deutschland

    Irgendwann im ersten Semester Politikwissenschaft wird den Studierenden ein Satz fest in die Hirnrinde gebrannt: “Der Staat paktiert nicht.” Das soll nichts anderes heißen, als dass die organisierte Gemeinschaft sich auf keinen Kuhhandel einlässt. Als nette Notiz kommt noch dazu: “Der Staat darf durch sein eigenes Handeln auf keinen Fall Unrecht in Recht ummüntzen.”
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  • ELENA ist unter uns

    Januar 2010. Die erste Gehaltsbescheinigung des Jahres kommt ins Haus. Ruht im Briefkasten und wartet mit ihrem Geheimnis darauf, geöffnet zu werden. Ein Briefumschlag wie immer, und doch hat sich so viel verändert. Eigentlich könnte er durchsichtig sein, sofern ich, die Empfängerin, von nun an eben das sein soll: transparent, ohne Geheimnisse. weiterlesen »

  • Wege zu mir

    Wenn ich auf das Jahr 2009 zurueckblicke, stelle ich fest, dass ich vieles erreicht habe, doch vieles auch auf der Strecke geblieben ist. Fuer Deutschland war es ein bedeutendes Jahr, denn, wie wir bereits alle wissen, ist die Mauer vor bereits 20 Jahren gefallen. Das habe ich persoenlich damals nicht miterlebt und ehrlich gesagt ging mir dieses ganze Drumherum schon etwas auf die Nerven. Meine eigenen Mauern habe ich erst dieses Jahr erkannt, und zwar durch das Buch Wege zum Selbst von Ken Wilber. weiterlesen »

  • Mein 2009: Party und Reflexion

    Wow, ich habe doch erst neulich an dem Jahresrueckblick fuer 2008 gesessen! Aber das Gerede von wegen wie schnell die Zeit voruebergeht, ist bei der heutigen Schnelllebigkeit und Zukunftsfixierung ja Schnee von gestern und hat was von Nostalgie. Vielleicht liegt dieses Gefuehl von Zeitschwinden aber auch weniger am gesellschaftlichen Zeitempfinden, als vielmehr an regelmaessigen Ausfluegen in die Parallelwelt. Diesen Gedanken nehme ich als Anstoss fuer ein paar Zeilen ueber das berliner Nachtleben. weiterlesen »