Strand, Meer, Tiere, Sonne, Stille, Meeresrauschen, Harmonie. Ein Mädchen im Paradies. Die Stimme der Protagonistin in Michaelangelo Antonionis “Il Deserto Rosso” (kürzlich im Arsenal zu sehen) unterstreicht: Hier gibt es keinen Lärm. Dann werden Schiffe am Horizont sichtbar. Sie segeln umher wie Boote in der Badewanne, die kein Ziel, kein Anliegen und keine Besatzung haben. weiterlesen »
Als nach dem Abi alle ein Jahr weg wollten (ins Ausland, in soziale Projekte), weil noch niemand wusste, was er studieren oder arbeiten wollte, war ich ganz sicher: Ich wollte zur Uni. Amerikanistik studieren. Weg aus Deutschland? Sicher. Irgendwann mal. Vielleicht. Ich saß noch jeden Abend mit meinen Eltern am Abendbrottisch, das exotischste womit ich in Berührung kam, waren von Mama servierte Penne all’arrabbiata. weiterlesen »

In meinen Träumen fliege ich manchmal über die Stadt hinweg, einfach so, aus eigener Kraft, ohne technische Hilfsmittel. Ich erhebe mich aus dem Stand heraus und beginne ansatzlos zu schweben. Mühelos erreiche ich jene Höhe, die ich brauche, um die Stadtlandschaft zu überblicken. Meist ist es warm hier oben. Oder sagen wir: temperaturlos. weiterlesen »
Als ich zu Beginn der 1990er Jahre im Alter von 20 Jahren erstmals Tokio betrete und dort nach und nach zu leben beginne, bin ich neu in der Welt des Unübersichtlichen und Überdimensionalen. Neu in der Welt dessen, was sich als das Ohrenbetäubende und Abstrakt-Globale wohl nur in einer richtigen Großstadt manifestiert. Und doch habe ich die Gewalt, die von einem solchen Ort ausgeht, bereits früher zu spüren bekommen. weiterlesen »
Das Ohr ist wie bei einer Infrarot-Behandlung in gelb-rotes Licht getaucht. Der Gehörgang ist verschlossen. Die Eindämmung lässt eine konvexe Wölbung erkennbar werden. Es könnte eine jener Wachskugeln sein, welche ein Unternehmen aus Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts als “Luxus für die Ohren” auf den Markt brachte. Doch so paradox es klingen mag: Im Gehörgang steckt ein Globus. weiterlesen »

Alles beginnt mit einem Fenster. Wer das Fenster öffnet, macht das Tor zur Welt auf. Bleibt das Fenster geschlossen, bleibt auch der Zugang zur Welt versperrt? Ich frage, weil ich davon ausgehe, dass wir schon immer in der Welt sind. Das In-der-Welt-Sein ist gegeben – ob mit offenen oder geschlossenen Fenster. Was aber ist dann das Fenster? Ein Rahmen der Weltwahrnehmung – ich denke an die Architektur- und Kunstgeschichte. Ein Rahmen der Subjektwerdung – ich denke an Franz Kafka (“Eine kaiserliche Botschaft”) und Kolja Mensing (“Schreibtisch”). Eine Öffnung – aber worauf hin? Auf das Ungewisse, das Ungewollte, das Ausgeperrte: den Lärm. weiterlesen »
Das sind keine Strassen, das sind Nervenbahnen. Allerdings ohne Puls, und ohne Anfang und Ende. Sie sind wie die Stadt, in die sie hineinfuehren: Tokio. Ich nenne sie hier die akephale Stadt und muss dabei an die Los Angeles-Beschreibungen in Jean-Francois Lyotards “Le Mur du Pacifique” (1975) denken, an Ortsangaben, die auf keinen Ort verweisen… Nachdem wir am Narrita International Airport angekommen sind, wird es langsam dunkel. Wir besteigen einen Bus. Jetzt geht es tief in die Nervenbahnen hinein. An den Raendern blinken Reklamen und Schilder. weiterlesen »