Man sollte Krystian Woznicki nicht dazu einladen eine Stunde lang über die Berliner Gazette zu erzählen. Die Gefahr ist, dass er, in seiner Eigenschaft als Gründer und Herausgeber, tatsächlich eine Stunde lang ununterbrochen redet. Und wenn der Interviewer ein Black-Block-adidas-Pulli tragender Rebell aus dem digitalen Urwald ist, dann mal gute Nacht. So geschehen bei einem Interview, das Woznicki rebell.tv gab. Vergangenen Mittwoch. Die Fragen: Ist Kultur ein Prozess oder ein Produkt? Ist ein Feuilleton kultur- schaffend? Und wie funktioniert das alles bei der Berliner Gazette?


Wir sind irgendwo in Paris und in einem Teil der Roman-Trilogie The Rosy Crucifixion: Der Ich-Erzähler, angelehnt an Henry Miller himself, befindet sich bei einer öffentlichen Lesung, einem Vortrag oder einer Diskussion. Plötzlich meldet er sich zu Wort, steht auf und beginnt unvermittelt zu sprechen. Als er sich nach einigen Minuten wieder setzt und seinen Blick wieder nach vorne richtet, hat er kaum noch eine Erinnerung daran, was er gesagt hat, geschweige denn, was ihn dazu bewegt hat, sich so gehen zu lassen. Nur eines ist ihm im Gedächtnis geblieben: Seine Rede war rauschhaft, eloquent und elektrisierend. weiterlesen »
Ihr Gesicht schimmert blau in der nächtlichen Dunkelheit, sie ist allein. Schnelle Schnitte: Tasten, Monitor, erste Buchstaben auf dem Bildschirm. “Taylor und ich hatten einen Streit.” Sie schürzt die Lippen und beginnt in die Tasten zu hauen. Coole Klänge von Norah Jones setzen ein. Eine Bloggerin bei der Arbeit.
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Ich betrete ein menschenleeres Gebäude. Drei Etagen hoch, die umlaufenden Galerien werden von aufmerksamen Wachen abgeschritten, halb menschenfreundlich, halb pingelig-gelangweilt. Bildschirme und Projektionen, altertümliche Interfaces, in die ich mich setzen, auf die ich mich stellen solle, deren Eingabetasten ich drücken, mit deren Zeigegeräten ich Leuchtmarkierungen auf Bildern bewegen möge. Ich wandere durch leere Welten. weiterlesen »
Es ist nicht schön, aber man muss sich wieder mit Benjamin von Stuckrad-Barre auseinandersetzen. Seine Karriere bisher: ein einziges Klischee. Arschloch – Kokser – Springer. Für Welt und B.Z. ist er jetzt als annehmbarer Kurzreportagenautor tätig. Unter dem nicht lustigen Namen Auch Deutsche unter den Opfern
sind seine neuen Texte jetzt gesammelt erschienen. Es folgt keine Rezension des Buchs. weiterlesen »
Vor ein paar Monaten habe ich als Recherche für ein Theaterprojekt Zehntklässler zu ihren Zukunftsplänen befragt. Dabei traf ich einen schüchternen jungen Mann, der mir eröffnete, er plane, Rabbi zu werden. Schon heute bereite er sich durch tägliches Tora-Studium darauf vor, in Jerusalem ausgebildet zu werden. weiterlesen »
Strand, Meer, Tiere, Sonne, Stille, Meeresrauschen, Harmonie. Ein Mädchen im Paradies. Die Stimme der Protagonistin in Michaelangelo Antonionis “Il Deserto Rosso” (kürzlich im Arsenal zu sehen) unterstreicht: Hier gibt es keinen Lärm. Dann werden Schiffe am Horizont sichtbar. Sie segeln umher wie Boote in der Badewanne, die kein Ziel, kein Anliegen und keine Besatzung haben. weiterlesen »