Seit der Moderne ermöglicht uns das Aquarium, den nassen Planeten durch eine bequeme Brille zu betrachten. Stehen wir noch immer mit diesem Blick vor dem Aquarium als Welt und der Welt als Aquarium? Oder stehen wir mittendrin? Allerdings nicht in einer gezähmten Natur, sondern in einer entfesselten, zweiten Natur in Form zunehmender Informationsfluten?

Mit dieser Fragestellung im Handgepäck führt die Berliner Gazette im Jahre 2009 Interviews. TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichsten geografischen und disziplinären Regionen werden an die Grenzen ihrer Zuständigkeits- bereiche geführt – an diesen Grenzen entsteht ein neues Wissen. Wissen, welches vom Wasser gespeichert wird: über unsere Kultur, Gesellschaft und Zivilisation. Und Wissen, das wasserförmig ist, insofern es über die gesicherten Landnahmen herkömmlicher Expertenkulturen hinaus weist und im Fluss bleibt.
  • Wellen durchs Wasser

    Vor vielen Jahren, bei der Recherche ueber U-Boot-Kommunikation, erfuhr ich, dass die damaligen Supermaechte UdSSR und USA mit ihren strategischen U-Booten, die in grosser Tiefe operierten, nur ueber extrem langwellige Signale Kontakt halten und Kommandos senden konnten. Elektronische Radiowellen dringen nur fuer wenige Meter ins Wasser. Wenn man aber 100 Meter lange Betonbalken als Antenne und Pulsgeber kontrahieren kann, entsteht ein Impuls, der durch alle Ozeane bis ans gegenueberliegende Ende der Welt wahrnehmbar ist. weiterlesen »

  • Auf den Frosch gekommen

    Mein erstes Aquarium erfuellte keine der Bedingungen, die man gewoehnlich an ein Aquarium stellt. Es bestand aus einem Ein-Liter Einweckglas. Heute, da es solche Glaeser nicht mehr gibt, waere ein grosses Gurkenglas die Entsprechung. Das fuellte ich mit Teichwasser. Auf den Boden kamen Sand und ein paar Kiesel. Eine Wasserpflanze war schwer in der aufrechten Position zu halten. Alles kam aus einem Teich und sollte den Tieren vorspiegeln, sie lebten bei sich zu Hause. Sie sollten sich wohlfuehlen.
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  • Mein Tsunami

    Mein Mann Andreas Dammertz und ich sind seit zehn Tagen in Flitterwochen auf den Malediven, auf der Insel Digufinolu. Die Insel ist schoen, 400 Meter lang und 60 Meter breit. Es gibt hier kleine Bungalows sowie ein Haus mit zwei Stockwerken. Neben der Insel Digufinolu gibt es zwei weitere Inseln, die ueber einen Steg erreichbar sind. Unser Urlaub endet am 27.12.2004. weiterlesen »

  • Im Wortflow

    Das Wort Aquarium ist ja viel zu harmlos und verkennt die Tatsache, dass dort Lebewesen drin sind, Tiere und Pflanzen. Eigentlich muesste man ja zu diesem Ding sagen: eingesperrte-Fische-in-einem-mit-Wasser-gefuellten-Glaskasten . Nun, die Tatsache, dass Menschen ein Aquarium als Wohnzimmerdekoration oder als Objekt im Wartezimmer betrachten wollen, hat ein lange kulturgeschichtliche Tradition. Man kann sie sicher auch auf die Weltausstellungen zurueckfuehren – auf das Zur-Schau-Stellen des Fremden, Exotischen, auch des Gefaehlichen. weiterlesen »

  • Revolutionaerer Ozean

    Ich kann zu den biologisch-elementhaften Fragen von Wasser recht wenig erzaehlen. Mir geht es eher um den Revolutionaeren Atlantik – so wie ihn die britischen Historiker Peter Linebaugh und Markus Rediker in ihrem Buch Die vielkoepfige Hydra – Die verborgene Geschichte des revolutionaeren Atlantiks entwickeln – und auch um die neuen >Piraten<: um eine Globalgeschichte der Welt-Meere von unten , und weniger um ein Element, welches diese fuellt. weiterlesen »

  • Kinder, Krise, Meer

    Vor einer halben Stunde habe ich mich vom Spaziergang mit vollends durchnaesster Hose ins trockene Haus retten koennen – nun sitze ich, abgetropft und mit einem warmen Tee, im sonnendurchfluteten Wohnzimmer und bin angehalten, ueber mein persoenliches Verhaeltnis zum Wasser nachzudenken; vielleicht ist der eben ueberstandene Regenschauer ein guter Anfang. Weil Freizeit und Sport fuer mich zumeist draussen stattfinden, gehoert Regen einfach dazu; Regen, den man verflucht, Regen, den man herbeisehnt: wenn auf dem letzten Wanderkilometer, den man wegen Blasen an den Fersen auf den Fussballen bewaeltigen muss, ein kalter Schauer herunterbricht und niemand Schokolade dabei hat – wenn im Sommer die schwuele Hitze im Tal haengt und endlich am Horizont dunkle Gewitterwolken aufziehen. weiterlesen »

  • Fluesse sind keine Grenzen

    Das Element Wasser hat schon immer eine grosse Faszination bei mir ausgeloest, vor allem visuell. Das stundenlange Betrachten des Wasserspiels, der Spiegelungen von Farben, Formen und die Abstraktion durch Wellen und Wind – immer neue Reflexionen und Strukturen anzusehen und zu entdecken, den staendigen Fluss und Fortlauf dieses Elements. Dabei geniesse ich, Zeit in der Natur und am Ufer zu verbringen, und vor allem die Stille. weiterlesen »

  • Schaeumende Schauer

    Meine Eltern, die frueher lange Zeit ein Aquarium im Wohnzimmer hatten, erzaehlen gerne, dass sie mich als Baby oft mit der Wippe davor setzten – eine todsichere Methode der Ruhigstellung, da die kinematische Schau ihren Effekt bei mir nie verfehlte. Etwas spaeter wurde ich dann selbst stolze Besitzerin eines eigenen Zimmeraquariums samt einer Horde fortpflanzungsfreudiger Guppyfische, doch nach und nach verlor ich das Interesse an den ewig stummen Gefaehrten hinter ihrer Glaswand und zog es vor, die heimische Flora und Fauna und das kalte Nass leibhaftig zu erkunden. weiterlesen »

  • Mehr geben!

    Mein erstes Aquarium entdeckte ich, als ich ein Kind war: Ich hatte eines zu Hause. Ich erinnere mich daran, dass es mich amuesierte. Ich habe eine kleine Anekdote darueber zu berichten. Mein Papagei ertrank in dem Aquarium, waehrend er die Fische beobachtete, die darin waren. Dieses Aquarium zu Hause zu behalten, machte mich danach natuerlich sehr ungluecklich. Ich war immer beeindruckt von Wasser in der Natur, Wasser, das uns beruhigen aber auch beaengstigen kann. weiterlesen »

  • Der Fluss und der Durst

    Wo es nicht fliesst, da ist gar nichts. Wasser zu Wasser, Staub zu Staub. Schon die Konzeption ist eine feuchte Angelegenheit. Das Saeugetier waechst in einer Wasserblase heran, in der es die Phylogenese nachvollzieht. Wenn das Wasserwesen stirbt, bleibt nur Trockenes uebrig. Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, / die Zunge klebt mir am Gaumen. / Du legst mich in den Staub des Todes. Psalm 22,16. weiterlesen »