• Fantastische Frida

    Ihr entbehrungsreiches Leben und ihre intensiven Bilder faszinieren die Welt: Frida_Kahlo ist eine Ikone. Die aktuelle Retrospektive im Martin-Gropius-Bau versammelt über 170, teils verschollen geglaubte Skizzen und Gemälde der aus Mexiko stammenden Künstlerin und ist ein Highlight des aktuellen Kunstjahres.

    So ein großer Erfolg ist die Ausstellung, dass man sogar jetzt noch drei bis sechs Stunden Wartezeit einplanen muss, um Blicke auf Fridas Bilder erhaschen zu können. Ich hatte das Glück, am Tag der großen Eröffnung am 29.04 dabei sein zu dürfen. Daher bekam ich noch die geballte Ladung jener Kunstkenner zu Gesicht, die zum Teil das Ziel hatten, noch mehr „im Gespräch“ zu sein als die Künstlerin selbst.

    Wenn man mal über diese schrillen und nach aufmerksamkeits- heischenden Aufzüge hinweg sah, konnte man versuchen, sich selbst einen Eindruck über Frida Kahlos Leben und Bilder zu verschaffen. Oder waren es doch eher die Eindrücke der vielen Kunstkritiker, die es sich zur dringlichen Aufgabe gemacht hatten, uns in ihren ausschweifenden Interpretationen Fridas Bilder und die „dahinter versteckte Botschaft“ zu erklären?!

    Schmerzhafte Selbstbetrachtungen

    Geboren wurde sie im Jahr 1907. Als Tochter des Deutschen Carl Wilhelm Kahlo und seiner zweiten Frau Matilde Calderón y González wuchs sie in Coyoacan (Mexiko) auf. Im Alter von 18 Jahren erlitt Frida einen schweren Verkehrsunfall, bei dem sich eine Eisenstange in ihren Bauch bohrte. In vielen ihrer Werke spiegelt sich der Schmerz ihrer lebenslangen Krankengeschichte und der turbulenten Beziehung zum zwanzig Jahre älteren Maler Diego Rivera.

    Kaum ein anderer Künstler der Moderne hat sich so oft und auf so verschiedene Weisen gezeichnet wie Frida Kahlo. Auf jedem Bild sieht man sie mit verwachsenen Augenbrauen und leichtem Damenbart. Was andere als „zu männlich“ oder „abstoßend“ empfinden, war für sie ein Markenzeichen und ein Symbol dafür, dass das gänge Schönheitsideal ihr egal war.

    Erdrückend und tänzerhaft

    Oft mit Dornenkranz um den Hals oder als Göttin und Märtyrerin zeichnete sie sich und ließ immer wieder ausgefallene Motive mit einfließen, die die hauptsächlich erdrückende, trübe Stimmung der Bilder teilweise auflockern: Eine löchrige Melone zum Beispiel, in Anspielung auf ihre schlechten Zähne, oder einen Affen als Zeichen für Fruchtbarkeit und Tanz.

    Ihre Bilder wirken oft so surreal und traumhaft, dass viele zeitgenössische Kunstkritiker sie zu den Surrealisten zählen. Und obwohl sie das zu Lebzeiten strikt bestritt, hielt sie dennoch engen Kontakt zu eben diesen Künstlern. Sie stellte klar: „Man hielt mich für eine Surrealistin. Das ist nicht richtig. Ich habe niemals Träume gemalt.“ Die Ausstellung endet am 09.08.2010.


4 Kommentare zu Fantastische Frida

  • höchst interessant, liebe pia!
    sprachlich sehr schön ;-)
  • Mark Deffler am 01.08.2010 17:15
    Danke für die Erinnerung - muss ich auf jeden Fall noch hin!
  • Paul Stöckle am 05.08.2010 13:44
    Hallo Pia,

    Dein Artikel ist super, rund und die Bilder samt ihren Betrachtern sind auch ohne Illustrationen plastisch sichtbar.

    herzlichst, Paul
  • sarah am 21.08.2010 17:56
    Super Artikel und sehr schön geschrieben!
    Schade, dass ich nicht hin konnte!

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