• Familienvaeter des Rock’n’Roll

    Sie haben zwischen Liverpool und Manchester, zwischen Beat und Rave, John Lennon und den Stone Roses eine Bruecke gebaut; sie haben mit Kate Moss der Marke Cool Britannia einen popkulturellen Ausdruck gegeben und Tony Blair zum ersten Rock and Roll Premier gemacht, der den Pop ernst genommen und einen Krieg gegen Unterdrueckung und -Missachtung gefuehrt hat; und sie haben mit ihren Songs meiner Generation, der Beat-Generation, eine zweite Rock and Roll-Identitaet geschenkt.

    Die Rede ist von Oasis, die soeben das Psychedelische neu entdeckt haben und dadurch Newcomern wie den talentierten Devils Blood aus Holland eine neue Plattform eroeffnen.

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    Gestern haben sie ein fantastisches Konzert in Muenchen abgeliefert. Diesmal ohne die ueblichen Ruepeleien, Verwuestungen in Hotelbars oder ausgeschlagener Vorderzaehne. Puenktlich um neun ging es los. Familienvater zu sein, bringt Normalitaet und Pflichten mit sich. Und mit dem Zugehen auf die Fuenfziger muss man auch vermehrt an seine koerperliche Fitness denken. Jeden zweiten Tag auf der Buehne zu rocken, ist, auch wenn man dort fast zur Salzsaeule erstarrt, immer auch oder noch extrem anstrengend und braucht Kondition.

    Mittlerweile erinnern nicht mehr bloss ihre Songs an die Beatles, die Kinks oder die Who, mittlerweile haben sie sich auch im Aussehen ihren prominenten Vorgaengern angenaehert. Wie einst die Small Faces oder die Who stehen sie auf der Buehne herum, geben sich teilnahmslos, aber aeusserst konzentriert und professionell. Die Lightshow ist schlicht, wenig aufdringlich oder ueberladen und den Songs entsprechend angemessen. Im Vordergrund steht, so spuert man, Songs und Sound. Von ihnen ist bisweilen wenig zu hoeren, so laut sind die Tausenden von Kehlen, die die Texte lauthals, inbruenstig und kenntnisreich mitschmettern.

    Die Band laesst sich auch nicht lumpen und bietet im ausverkauften Zenith in knapp 105 Minuten (es haette schon noch etwas laenger sein koennen) einen musikalischen Zyklus, der von ihren Anfaengen Rock and Roll Star und Morning Glory ueber ihre Klassiker Dont Look Back in Anger und Masterplan bis hin zu den Songs des neuen, siebten Albums Dig Out Your Soul reicht.

    Zweifellos haben Oasis ihre kurzzeitige Krise ueberwunden und sind zu ihren Wurzeln wieder zurueckgekehrt. Sie sind wieder da, was nicht nur die vielen erstaunlich jungen Leute (viele Unterzwanzigjaehrige) gestern Abend in der Halle bewiesen haben, die sich erstaunlich textsicher erwiesen. Der Rock and Roll, das hat der Abend nachhaltig bewiesen, hat wieder eine Adresse. Und diesmal nicht die schlechteste.


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