• Entscheidungen fuers Leben

    „Sie reden so, als waeren sie 35, ueber Gefuehle, die man nur mit 15 deutlich sieht. (…). Man koennte (…) ihnen zuhoeren und sich die Praezision merken und die Dringlichkeit. Dann muesste man nach Hause gehen und bis zum Morgengrauen so schreiben, wie die (Jugendlichen) reden. Nicht ueber Persoenliches, sondern ueber (Kultur).“ Diese Gedanken – am Ende des ersten Bandes von Dietmar Daths just vollendeter Johanna Rauch-Trilogie stehend – werden aus der Perspektive des Kulturkritikers formuliert und bringen zum Ausdruck, was an dieser Trilogie so inspirierend ist: Die Form- und Inhaltfrage wird gestellt und ueber Experimente beantwortet. Jedes Mal anders, jedes Mal neu.

    Originalitaet und Neuheit sind aber langweilige Kategorien. So wird Dath zum >letzten heiligen Fackeltraeger der deutschen Literatur< stilisiert. Steht er wirklich so allein da? Er kreist immer wieder um die Jugend und Schulzeit, und damit immer auch um Leute aus seinem Jahrgang – Dath wurde im Jahre 1970 geboren. Und er zeigt immer wieder auch, dass Grenzen kultureller Produktion nix gelten: Bilder, Buecher, Musik, Theater, Philosophie und Physik, Politik und Mathematik. In diesen Bereichen, waeren seine Mitstreiter zu suchen – nicht nur in der Literatur. Leute aus seinem Jahrgang und dem Mut, Inhalt und Form ihres Anliegens radikal ins Verhaeltnis zu setzen. Leute, die die Grenzen des Moeglichen ausloten.

    Wenn man sich mit dem Moeglichen begnuegen wuerde, wuerde man Regeln anwenden oder Programme ausfuehren, wuerde sich pragmatisch an das anpassen, was scheinbar bereits im Gang ist und man wuerde infolgedessen im Leben weder etwas tun noch etwas entscheiden. Es wuerde niemals wirklich Verantwortung uebernommen. Aber genau darum geht es bei der Frage, womit trete ich an die Oeffentlichkeit heran? Und wie? Die Form- und Inhaltfrage ist ein Politikum, und sie kann nur zufriedenstellend beantwortet werden, wenn man den Mut hat, Ergebnisse zuzulassen, die nicht vorgezeichnet sind. Ergebnisse wie Die salzweissen Augen (2005), Dirac (2006) und Waffenwetter (2007).


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