• Endlich ohne Ikea

    Noch zwei Wochen, dann habe ich es geschafft: ein Jahr ohne Ikea. Ein Jahr keine Kerzen, keine Kekse und auch keine Fleischbaellchen mehr gekauft. Ich bin stolz auf mich. Ich habe von heute auf morgen aufgehoert und hatte kaum Entzugs- erscheinungen.

    Nur im Kopf geisterte noch der Satz, der mich jahrelang in die Abhaengigkeit trieb, herum: Ich brauche Kerzen. Auch meine co-abhaengige Familie ist seither entspannter: der Sohn muss nicht mehr Stunden in Zimmer- attrappen unter vielen fremden Menschen verbringen, schwedische Schokolade essen, weil man sich ja bevorratet hat oder wochenlang harte Haferflockenkekse. Gut, die Wohnung gleicht noch zu weiten Teilen einer Einrichtung in Beijing oder Moskau, sofern die Mieter die gleichen Spiegel, Klappstuehle und Tische im dortigen Ikea kauften, aber wir ent-ikeaisieren uns allmaehlich.

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    Bjoern, Lasse und Mathilda aus Uddevalla, Goeteborg und Oeland koennen uns ab jetzt mal! Werden sie doch laengst von Zhang Tian in Shanxi, von Wahida Raju in Bangladesh und von Nayato Sasmita in Indonesien hergestellt. Nach der ersten Woche Ikea-Entzug wird auch der Blick klarer: nicht bei allem, wo Schweden drauf steht, ist auch Schweden drin. Ist das Holz eigentlich schwedisch? Oder nur noch das Design? Fragt sich ueberhaupt jemand, woher das Holz fuer das Kinderbett fuer Bastian-Karl herkommt? Oder reicht den oekologisch aussehen- den Jung-eltern der Bio-Oel-Anstrich? Woher kommen die Farben fuer die roten Gardinen, das Material fuer das Musik- spielzeug und letztlich das viele Wachs fuer die vielen Kerzen? Ich vermute, dass der schwedische Anteil im Promillebereich liegt. Ikea ist ein durch und durch globalisierter Grosskonzern.

    Aber der Wohlfuehl-Effekt ist immens: man fuehlt sich mit Kindern aufgehoben, obwohl das Restaurant einer Bahnhofs- halle gleicht, man fuehlt Qualitaet, weil alles so skandina- visch aussieht, obwohl man weiss, dass die Lebensdauer von Ikea-Moebeln begrenzt ist. Und man fuehlt irgendwie, dass sich das Einkaufen hier nicht mit einem Einkauf bei LIDL vergleichen laesst. Warum eigentlich? Nur weil das Haus gelb-blau angestrichen ist? LIDL hat die gleichen Farben, aber ohne Pippi Langstrumpf. Und so glaubt die Ikea-Glaubens- gemeinschaft, dass ihr Einkauf ethisch korrekt, oekologisch sinnvoll und echt skandinavisch ist. Ich glaubte es auch. Nun bin ich vom Glauben abgefallen. Und auf die Frage, ob ich noch wohne oder schon lebe, antworte ich ab jetzt: Ich residiere.


2 Kommentare zu Endlich ohne Ikea

  • samson am 08.01.2008 12:54
    muss schwedisches holz in schweden geboren sein, um schwedisch zu sein? na ja, das ist schon eine wichtige frage - in glaubenskreisen zumindest ; )
  • sebastian am 08.01.2008 15:44
    .. das kommt mir alles sehr spanisch vor..

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