• Blogger Goetz: Einsame Klage im WordPress-Wald

    Rainald Goetz gilt in der deutschsprachigen Literatur als Avantgardist. In den 1980er Jahren hat aus Punk Poesie gemacht und eine Dekade darauf den Cyberspace als Arbeitsplatz erkundet. Sein Blog „Abfall für alle“ gilt als einer der ersten Web-Tagebücher überhaupt. Jetzt versucht sich Goetz wieder als Blogger. Der Publizist und DJ Sascha Kösch schaut ihm dabei über die Schulter.

    Rainald Goetz bloggt wieder. Klar, und die taz findets wieder ziemlich obergeil. Hat aber eine harte Literatur-Im-Internet-Analyse angestrengt: „Zwei Unterschiede gibt es aber doch. Der eine: Was damals Experiment war, Labor, Abenteuer, ist heute ein Blog unter vielen.“

    „Diese Veraenderung des Rahmens ist gewichtig. Der Text segelt nicht mehr unter der Avantgardeflagge, sondern muss sich im unuebersehbaren Angebot der taeglichen Blogs behaupten. Er muss taeglich anders sein als die anderen Texte, die taeglich unter anderen Internetadressen erscheinen. Noch ist in den Eintraegen nicht recht zu sehen, wie Rainald Goetz auf diese veraenderten Rahmenbedingungen reagiert.“

    Ich habe noch ein paar mehr und andere Unterschiede gefunden. Erstens. Literatur, sogar kollaborative, war auch damals nur unter der Praemisse Avantgarde, dass das Internet Avantgarde war. Und auch die Tagebuchkultur im Internet ist wirklich schon etwas aelter. Early Adopter haette es besser getroffen. Der entscheidende Unterschied an diesem neuen Blog im Vergleich zu nahezu allen anderen ist aber: Es verweigert Kommunikation.

    „Klage“ verhaelt sich wie ein Oldschool-Medium. Keine Kommentare, ja nicht mal Links. Der einsame Autor sendet vom Internetberg. „Ich bin Ich und ich bin Goetz und ruehr mir nich an meine Marke“ scheint das Ding deutlich zu sagen. (Dazu passt auch der Blog-Header, der irgendwie aussieht, wie eine x-beliebige Parfum-Packung bei Douglas). Doch weiter der haarscharfen fruehlingsduftenden Analyse gefolgt:

    Der zweite Unterschied besteht im Vorspann. „Vanity Fair praesentiert Rainald Goetz“. Also: Nach Abfall fuer Alle nun Abfall fuer Geld bzw. Abfall fuer Ulf Poschardt? Der Blog steht eben nicht fuer sich, sondern ist Teil der Glam-Erzeugungs- Maschine dieses neuen Magazins, die zudem zoegerlich anlaeuft. Ist denn der Autor dieser bescheidenen Zeilen tatsaechlich im Glauben, dass Abfall fuer Alle nicht im Hinblick auf eine Buchpublikation geschrieben wurde?

    Ist Abfall fuer Ulf wirklich so anders als Abfall fuer Suhrkamp? Nur weil vielleicht ein zwei Nullen mehr dranhaengen? So. Und wie is das so? Das neue Blog vom Goetz im fSpring Themedesign von Fredrik Fahlstad? Kann man das lesen? Vermutlich als Goetz-Fan. Fuer passionierte Feuilletonleser duerfte auch noch das ein oder andere abfallen.


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