• Earth Overshoot Day 2014: Wozu noch hoffen?

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    Der Earth Overshoot Day, der Erdüberlastungstag, wird seit 1987 jährlich ermittelt. 1976 wäre dieser Tag im Dezember gewesen, dieses Jahr schon im August. Diese Bedrohung treibt Ria von Sypos an, eine Malerin und Schriftstellerin, die die Hoffnung auf den Sieg des Guten noch nicht aufgegeben hat. Berliner Gazette-Autorin Tatiana Abarzua traf sie in einem Berliner Café. Ein Gespräch über Klimawandel, ökologische Überschuldung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

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    „Bitte lass es nie enden“ ist der Titel deines Buches, das Ende 2012 erschien. Warum schreibst Du über eine Welt, in der Menschen gegen den Klimawandel kämpfen?

    Sind es die zunehmend schockierenden Meldungen? Treibt mich die Angst um meine Kinder? Ich empfinde eine tiefe Scham und Wut angesichts der Grausamkeiten und der Bedrohungen, die von unserer eigenen Spezies ausgehen. Dabei vollbringen Menschen gleichzeitig Wunderbares!

    Welche Gesetze und Vorgänge bestimmen die Ordnung der Natur und ebenso uns selbst? Der deutsche Philosoph Immanuel Kant sagte vor über 200 Jahren: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. “

    Erziehung, Verantwortung, Ehrfurcht, Glaube, – Dinge, die in vielen Menschen wohnen und sich bei mir über das Malen und nunmehr Schreiben einen Weg bahnten. Die Hoffnung auf den Sieg des Guten, der Glaube an die Kraft der Liebe aktivieren mich! Ich möchte in meinem Leben etwas versucht haben, sehe darin meinen Sinn. Hier bin ich zutiefst romantisch.

    Im Song „Not The One“ von The Offspring singt Sänger Dexter Holland: „I’m innocent/ But the weight of the world is on my shoulders/ I’m innocent/ But the battles started are far from over…“. Gibt es für dich einen Song, der das Thema Ökologie und die Grenzen des Wachstums veranschaulicht?

    Ein so treffender Text! Unsere Nachkommen erben, was wir ihnen hinterlassen, verschuldet oder unverschuldet! Egal, es ändert nichts am Zustand dieser Welt. Wohl aber am Sinn eines Einzellebens, an der Weitergabe von Werten und Vorbildern. Bei mir sind es viele Lieder. Es begann mit „Give Peace a Chance“ von John Lennon. Das Nachwirken der 68er prägte meine Generation.

    Der Vietnamkrieg und seine Antikriegsbewegungen aber ganz klar auch unsere Eltern, die blutjung den 2. Weltkrieg überstehen und verkraften mussten. Von den jüngeren Songs nenne ich „Was wir alleine nicht schaffen“ Xavier Naidoo, aber auch „Hope of deliverence“, Paul McCartney. Gier, Neid, Drang nach Geltung, Macht und Reichtum, alle diese negativen Eigenschaften werden wunderbar in unseren alten deutschen Märchen beschrieben. Dort gewinnt das Gute gegen die drohenden Katastrophen.

    Laut einer Studie besitzen Europäer im Durchschnitt 10.000 Dinge. Weißt Du wie viele Gegenstände in deinem Haushalt sind?

    Es sind definitiv zu viele, wenngleich nicht in jeder Hinsicht. Dabei bringt Beschränkung Ordnung und Übersicht fördert Organisation.Es sind die Medien, die uns das einreden. Wie können wir ohne diesen perfekten Grill unser Leben genießen? Und überhaupt, Leute grillt DIESES und JENES! Trinkt DAS! …Die Feldzüge sind vielfältig und greifen alle Lebensbereiche ab. Besonders empfänglich scheinen mir junge Menschen zu sein.

    Der Earth Overshoot Day wird seit 1987 ermittelt und ist auch als Ecological Debt Day – also Erdüberlastungstag – bekannt. 1976 wäre dieser Tag am 30. Dezember gewesen, in 2013 war es der 20. August. Laut Global Footprint Network fällt der diesjährige Earth Overshoot Day auf einen Tag Mitte August. Findest du, dass die Ermittlung des Earth Overshoot Day den Konflikt zwischen Ressourcenverbrauch und der biologischen Kapazität des Planeten gut aufzeigt?

    Dass es den Fakt der ökologischen Überschuldung gibt ist das Problem. Keiner bestreitet mehr, dass es von Jahr zu Jahr enger wird. Insofern bewerte ich es als einen brillanten Schritt, um die Sensibilisierung zu erhöhen. Für mein Gefühl ist der Earth Overshoot Day bereits vorbei. Schauen wir uns das Anliegen mal genauer an. Grob vereinfacht geht es um fünf Bereiche und alles hat mit Energie zu tun.

    Die Maßnahmen docken im Bereich des Ernährens, Fortbewegens, Wohnens und Kleidens an. Wann begann unsere Wegwerfgesellschaft? In meiner Erinnerung konnten Dinge ein Leben begleiten und verbanden sich mit überlieferten Geschichten, besaßen eine Seele und alterten mit den Menschen. Langlebige und zuverlässige Produkte. Es wurde nicht einfach weggeworfen. Wir nähten, färbten, änderten. Dinge besaßen Individualität.

    Hier wäre eine gesunde Mischung aus alt und neu der goldene Mittelweg. Die Menschheit neigt zu Extremen. Wann zwingt ein Produkt keine Menschen in verachtende, lebensunwürdige Verhältnisse? Beutet nicht unsere Umwelt aus, bedroht und tötet Tiere? Ich meine dieses schneller, höher, weiter…! Leider gilt auch hier wieder, wer kennt den Earth Overshoot Day?

    Eine wachsende Anzahl von Menschen werden durch die alarmierenden Zustände von Umweltzerstörung, Klimawandel, Kriegen, Unterdrückung, Tierleid wachgerüttelt. Wie könnten sich die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Gruppen besser vernetzen?

    Ich beobachte eine steigende Sensibilisierung. Ein Sprichwort sagt: „Nur durch Schaden wird man klug!“. Nur, ist der Schaden noch reparabel? Ich wünschte, ich besäße die Zauberformel, könnte die Menschen zusammenführen! Mir bleibt lediglich ein Versuch. Genau wie meine Romanfigur Evi, träume ich von einem weltumspannenden Bündnis.

    Die Plattform „Pro Erde, Liebe, Frieden“, kurz pro-elf.de ist das Ergebnis des ersten Schrittes. Pro ELF setzt sich aus den Anfangsbuchstaben zusammen und ist ein Versuch, ein Vorstoß. Alles existiert bereits. Verschiedenste Interessengruppen kämpfen für wichtige Ziele. Nur gemeinsam können wir erfolgreich sein! Das Ziel muss uns einen! Wir laden alle Menschen ein, die sich eine friedliche Welt wünschen und einen liebevollen Umgang mit uns und der Natur. Möge jeder seine Ideen, sein Wissen und seine Erfahrungen einbringen. Ob beim Essen, Kleiden, Wohnen und Fortbewegen, unser Denken wird bestimmt durch Glauben und Werte.

    Wie kann das gemeinsame Anliegen sichtbar gemacht und an eine größere Öffentlichkeit vermittelt werden?

    Es stimmt, um wirksam zu werden, benötigt es einer erhöhten Aufmerksamkeit. Unsere Plattform muss im Zugang vereinfacht werden. Verlinkungen, Vernetzungen, Korrespondenzen mit Gruppen und Künstlern. Jeder noch so winzige Anfang könnte Früchte tragen. Geduld, Kreativität und Verbündete sind unabdingbar.

    Anm.d.Red.: Das Foto stammt von Melquiades 1898 und steht unter einer Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-SA 2.0).


4 Kommentare zu Earth Overshoot Day 2014: Wozu noch hoffen?

  • Quando avevo 15 anni vedevo la soluzione in un ambiente incontaminato lontano dalla civiltà crescendo ho realizzato un piccolo spazio adatto al mio pensiero tra le colline e quello che si"può" la lotta o l'attivismo in parte non ha mai cessato di fare parte di me cambiare la società è estremamente difficile ma periodicamente avviene questo è un periodo storico di grandi cambiamenti le nostre democrazia se modificate produrranno un futuro accessibile ecco perchè sperare le stelle accompagnano comunque il nostro cammino.....
  • Hm, irgendwie hätte ich gerne gewusst, was der Earth Overshoot Day eigentlich ist und wie man auf das Datum kommt. Ohne Kontext bringt's das Interview leider nicht. Schade!
  • Ulrike Rühman am 29.08.2014 12:13
    @ eric schau mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Earth_Overshoot_Day
  • Manuel Bonik am 01.09.2014 12:09
    Ich verstehe ja, dass es da um viel Geld geht. Aber irgendwann muss den Leuten diese Klimawandel-Nummer doch mal peinlich werden? Glaubt die wirklich noch jemand außer denen, die damit Karriere machen?

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