• Eine Idee loest sich auf

    Comics handeln oft von Superhelden. Ernesto Che Guevara wurde als kubanischer Guerilla-Kaempfer und Revolutionaer zu solch einem. Folgerichtig erschien 1968 in seinem Heimatland Argentinien seine Biografie als Comic.

    Der Band von Hector Oesterheld und den Zeichnern Alberto und Enrique Breccia wurde zum Bestseller, bald aber verboten. Zum 80. Geburtstag des toten Che erscheint der Comic jetzt erstmals in deutscher Uebersetzung. Die 40 Jahre Zeitversetzung ausser Acht gelassen geht es recht verklaerend, ideologisch-selbstgefaellig und nicht selten sexistisch zu.

    che

    Nach der Kindheit im bourgeoisen, aber verarmten Elternhaus, studiert Ernesto Medizin und bricht nach Guatemala auf, wo die Revolution in der Luft liegt. Hier lernt er Hilda Gadea kennen. Die akzeptiert alles, das Asthma, die ewige Geldnot, aus Sex wird Liebe. Che litt bereits als Kind an Asthma. Dass es die Intellektuelle Hilda war, die dem nur diffus weltverbesserungswilligen Che die Schriften von Marx und Mao zu lesen gab und ihn auf die Spur Richtung bewaffnetem Kampf setzte, hatte man so genau vielleicht noch nicht gewusst. Dass sie ein harmloses Heimchen war, aber auch nicht.

    Als es dann per Schiff nach Kuba zum Guerillakrieg geht, wird mit Vehemenz ueber die Reling gekotzt. Im Dschungel angekommen, werden die Hosen ausfuehrlich voll geschissen und tagelang weiter getragen, damit auch recht deutlich wird, wie weit und goennerhaft hier in das Elend herabgestiegen wird. Der krampfhaft naturalistische und plattituedenhafte Stil wirkt derart humorlos, dass es schon wieder komisch ist. Ches Qualitaeten als spaeterer kubanischer Industrieminister werden folgendermassen skizziert: Im Buero trinkt er nur Matetee, niemals Whiskey.

    Die Zeichnungen hingegen sprechen eine andere Sprache als der Text. In die von Alberto Breccia dynamisch und duester-dramatisch illustrierte Erzaehlung werden die Ereignisse um Ches Gefangenschaft und Hinrichtung in Bolivien eingeschoben. Diese Passagen, von Breccias Sohn Enrique illustriert, sind im Vergleich zu denen des Vaters nicht weniger ausdrucksstark, jedoch bis hin zur Stilisierung abstrahiert. So stehen sich in den Strichen von Vater und Sohn der junge und der scheiternde Che gegenueber, eine Idee loest sich auf.

    Ungeachtet dessen faehrt der Text in seiner Pathetik fort und macht aus einem Menschen mit streitbaren Idealen ein von nun an unantastbares Ideal eines modernen Messias: >In seinem Namen einen sich Liebe und Aktion. In seinem Namen erhebt sich die Jugend der Welt. Die heutige Jugend der Welt erhebt sich tatsaechlich – aber zum naechsten H&M und kauft T-Shirts mit Guevara-Konterfei.

    Diese Biografie gibt zwar wenig Aufschluss darueber, wer der Mann war, der uns heute entschlossen von Waeschestuecken anblickt. Dafuer aber umso mehr, wie er auf die Shirts gelandet ist. Der Comic sollte deshalb als zeitdokumentarischer Gefahrenhinweis bei H&M mit ausliegen. Dann wuerde ich auch mal wieder ein T-Shirt kaufen.


Noch keine Kommentare zu Eine Idee loest sich auf

Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar hinterlassen