• CeBIT in der Midlife Crisis

    In Halle 22 stand eine große Bühne, auf der nichts passierte. MySpace hatte ein paar Sitzhocker hingestellt, studiVZ und facebook waren gar nicht vertreten. Das „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“ kurz CeBIT ist gerade in Hannover zu Ende gegangen und war genauso wie der Name: sperrig und langweilig.

    1970 startete die CeBIT in einer Halle der Hannover Messe, damit die Verkäufer von Informationstechnik besser unter sich verhandeln konnten. 1986 wurde die CeBIT eigenständig. Ab dann wurde da von EDV-Software, über Drucker bis hin zu neuen Personal Computern so gut wie alles gehandelt.

    Psychologie des Alterns

    Klar, dass das 24 Jahre später kaum noch jemanden vom Hocker reißt. Heute können sich Verkäufer online absprechen oder gleich in die USA oder nach Japan fliegen um Verträge abzuschließen. Und warum sollten die Verbraucher noch nach Hannover fahren, wenn sie die schickeren Fernseher in Berlin auf der IFA bewundern oder die neusten Spiele auf der Games-Convention testen können?

    Hannover und das Messe-Gelände brauchen aber die CeBIT, allein schon der Tradition wegen, die in Deutschland genauso hochgehalten wird wie Messen selbst. Also musste der Messe ein bisschen „Lifestyle“ verpasst werden. Irgendwie müssen sich die 38 Euro für das Tagesticket ja lohnen.

    So cool wie ein Baumarkt

    Doch weder riesige 3D-Fernseher noch tolle, neue Smartphones oder Tablets (nach Apple sucht man auf der CeBIT vergeblich) machten den Besucher staunen. Stattdessen gab es viele kleine Stände, an denen vor allem asiatische Hersteller Gadgets und Software präsentierten, die man irgendwo schon mal gesehen hatte.

    Hätte es in der Halle von Intel und Acer nicht noch ein paar Computer gegeben, auf denen man World of Warcraft, Fifa oder Counterstrike spielen konnte, wären die zahlreich vertretenen Schulklassen wohl sofort wieder in die Busse gestiegen und geflüchtet. Denn viel mehr hatte die Cebit für ein „normales“ Publikum nicht zu bieten.

    Da stehe ich in Hannover und weiß nicht, ob man der CeBIT wenigstens zu Gute halten sollte, dass sie so schön den deutschen Messestil aufrechterhält. Doch statt von einer funkelnden Warenwelt beeindruckt zu werden, hatte ich eher das Gefühl, in einem Baumarkt zu stehen.


5 Kommentare zu CeBIT in der Midlife Crisis

  • Ist das was Du beschreibst nicht der übliche Messe-Kater? Sind nicht alle Messen öde? Die eine weiss es besser zu verbergen als die andere. Besseres "Make up" oder so.
  • Karen Luso am 08.03.2010 10:19
    Das widerlegt ja eindeutig die These, dass "auf der CeBIT neue und alte Jünger des Internet zusammenkommen, um sich selbst und den Siegeszug der Vernetzung in einer orgiastischen Dauerparty zu feiern" http://berlinergazette.de/abschiedsbrief-eines-digital-native/
    Das klingt eher nach Kaffeekränzchen statt Dauerparty.
  • @Karen Luso: Schon in dem besagten Text wurde in ironischer Überspitzung ein kleiner Abgesang auf die CeBIT vorgenommen, denke ich.
  • @Leon, ja da hast du Recht, dass das der typische Messe-Kater ist, aber genau das wollen die bei der CeBIT nicht sein. Sie wollen ja eine "Show" wie in Las Vegas (CES) sein oder wenigsten eine Ausstellung wie die IFA in Berlin. Und beides hat meiner Meinung nach mehr für Besucher zu bieten, die sich nicht gerade darüber freuen, dass mit USB 3.0 eine CD innerhalb von zwei Sekunden übertragen werden können, sondern sich lieber riesen Bildschirme oder ein iPad anschauen.
  • Marti Hinrichs am 08.03.2010 11:07
    mich erinnert das an die erste CeBIT, die ich nach der Wende besucht habe. Damals haben wir einen Bus gechartet und haben uns auf nach Hannover gemacht. Alles war aufregend, neu, der Westen eben. Diesmal habe ich gar nicht mitbekommen, das Cebit ist....

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