• Frisch aus dem Ofen: Ist Brotbacken wirklich sexy?

    Sich sein Brot selbst zu backen ist nicht besonders cool. Denkste! Neben vielleicht schon bekannten Vorteilen, wie finanziellen Einsparungen – ein Kilogramm Brotbackmischung kostet rund 99 Cent und ist damit wesentlich günstiger als ein Brot vom Bäcker – und der Entscheidungsgewalt über die Körner, die rein sollen, gibt es noch einen Grund, warum gerade Singles, die die alt bekannten Flirt-Tipps schon alle erfolglos getestet haben, unbedingt ihr Brot selbst backen sollten.

    Vor rund zwei Wochen buk ich wieder ein Brot und holte es frisch aus dem Ofen – zugegen waren ein Mitbewohner und seine Freundin. Letztere reagierte vollkommen begeistert: „Oooh, du backst selber Broooot?! Oooaah, schmeckt ja voll lecker! Wie machst’n das, wie geht denn das? Aha, toll … Find ich ja voll gut…! Das mach ich auch mal. Ich finde das total gut, sich so sein Brot selbst zu backen“, und so weiter.

    Während ich also auf ihre Fragen recht unspektakulär zu antworten versuchte („Naja, mit Wasser eben, dann den Teig gehen lassen, die Form schön einfetten, eine Stunde ausbacken lassen…“), funkelte sie mich mit ihren kleinen dunklen Augen verdächtig begeistert an, sodass ihr sonst so lässiger Freund immer unruhiger auf seinem Stühlchen herumrutschte. Man merkt ja gleich, was da so abgeht – ihm passte es natürlich nicht, dass seine Freundin, die übrigens Spitzohren wie eine Elfe hat, einen anderen Typen wegen dessen „Fähigkeiten“ anschwärmte. Verständlich.

    Eifersüchtig auf den Brotbäcker

    Zu verständlich, wenn man bedenkt, dass die beiden irgendwelche Wirtschaftslehren studieren und gerade er sich schon während des Studiums wie der Manager eines Global Players verhält: keine Zeit, viel zu tun, morgens Zeitung, ab Mittag Bücher, Mobiltelefon und Internet immer in Griffweite – und immer schön diplomatisch und gleichzeitig cool sein.

    Ein lockerer Spruch und möglichst keine Emotionen: Man ist 25 Jahre alt und hat eigentlich schon alles gesehen, die wilden Jahre sind vorbei, nicht wahr? – So einer. Und jetzt backt da so ein langhaariger Geisteswissenschaftler, ein Orchideenfach-Student aus einer quasi anderen Welt mit einer 180 Grad entgegengesetzten Geisteshaltung sein Brot selbst – und die eigene Freundin findet das gut!

    Teig kneten macht sexy

    Gestern dann erzählte er mir, dass er und seine Freundin bei ihr in Oberfranken ein erstes gemeinsames Brot zur Welt gebracht haben. Es hat wohl sogar geschmeckt. Ich gratulierte so herzlich wie mir irgend möglich war und widmete mich wieder meinem Abwasch. Heute, als ich in die Küche komme, knetet er gerade selbst einen Brotteig zurecht und fragt mich, den „Erfahrenen“, nach allen Tricks und Kniffen aus: Wie lange ich meinen Teig knete und ihn danach wie oft und wie lange gehen lasse, wozu das Zeug überhaupt gehen muss, warum eine Tasse Wasser mit in den Ofen kommt, warum ich eine Form verwende und den Teig nicht einfach so auf ein Blech packe wie er es tut.

    Anfängerfragen, denke ich mir. Ich antworte wahrheitsgemäß, denn ich will mir ja keinen Vorteil herausnehmen, schließlich bin ich nicht Betriebswirt. Aber da soll mir keiner erzählen, er wäre nicht eifersüchtig gewesen. Es ist doch wohl eindeutig eine Aufhol-Tat, die er heute vollführt, damit seine Freundin ihn wieder mag. Man kann daraus schließen: Brotbacken ist sexy.


4 Kommentare zu Frisch aus dem Ofen: Ist Brotbacken wirklich sexy?

  • Stumm Hermann - J. am 05.12.2010 18:24
    Hallo Mario
    Meine Frau und ich wir gehören zu den Spätberufenen und unsere Erfahrungen mit selbstgebackenem Brot zeigen, dass nicht alles, was gut schmeckt, viel Arbeit machen muss und nicht teuer sein muss. Einmal infiziert mit dem Virus des "jetzt weiss ich wenigstens was drin ist" hört man nicht mehr damit auf.
    Brot selbst machen ist wirklich sexy
    Anbei etwas für Dich und andere, die auf Schwarzbrot stehen.
    Viel Spass damit, bisher ist noch jeder, der es mit diesem Schwarzbrot probiert hat, zum bekennenden (sexy) Brotbäcker geworden Gruss Hermann

    SCHWARZBROT

    500 gr mageren Quark

    1 EL Honig
    1 EL Rübenkraut
    1 TL Salz
    2 Eier
    2 Backpulver

    alles kräftig verrühren

    danach zugeben:


    300 gr Roggenschrot(grob gemahlen)
    300 gr Weizenschrot (grob gemahlen)
    2 EL Leinsamen
    2 EL Sesam
    150 gr Sonnenblumenkerne o. a.
    1 Tasse Wasser ( temperiert)

    unterrühren

    Teig in eine mit Backpapier ausgelegte
    oder ausgefettete Kastenform füllen
    und 1 Stunde ruhen lassen.

    Bei 180° ca. 90 Minuten backen.
    Garprobe machen, eventuell halbieren
    und im Ofen abkühlen lassen.

    Das Brot kann portioniert eingefroren werden.

    GUTEN APPETIT !
  • Madison am 08.12.2010 12:00
    Oh, wow. Ein Rezept im Kommentarbereich – ich glaube eine Premiere auf berlinergazette.de! Klingt auf jedenfall sehr vielversprechend.
  • Danke für das Rezept. Mal sehen wie Sexy Brotbacken ist :D
  • Das Rezept ist super. Uns hat es richtig gut geschmeckt.

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