• Die News-Nerds kommen! Wie bei der “New York Times” Hacker und Journalisten zusammenarbeiten

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    Eine Frage treibt derzeit viele Journalisten um: Muss ich programmieren können? Dabei spielt Technik-Angst häufig eine größere Rolle als Neugier. Brian Abelson, der bei der New York Times arbeitet, ist ein Beispiel dafür, dass es auch anders gehen kann: Inmitten der NSA-Gate ist er durch seine Arbeit für die Zeitung zum wahren Datenexperten geworden. Berliner Gazette-Autorin Julia Müller portraitiert den News-Nerd.

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    „Es gibt bei der New York Times viele Hacker und natürlich auch viele Journalisten, die nicht nur nach Feierabend zusammen viel Zeit verbringen, sondern auch während der Arbeit“, erklärt Brian Abelson, selbst sowohl Journalist als auch Hacker. Als OpenNews-Fellow ist er 2013 für ein Jahr in den Newsroom der New York Times eingezogen, wo es gang und gäbe sei, dass Journalisten und Hacker zusammenarbeiten.

    Brian ist eigentlich Wissenschaftler – gerade hat er an der Columbia University seinen Master in angewandter Statistik gemacht. Daten haben ihn schon immer interessiert. Aber auch Zeitungen. Als er hörte, dass Page-Views die einzige Möglichkeit darstellen, um die Reichweite von Beiträgen zu messen, begann er zu grübeln. Ist das sinnvoll? Geht das nicht auch anders? An diesem Problem hat er ein Jahr lang gearbeitet und ist so vom neugierigen Nerd zum Fulltime-Hacker geworden. Einfach aus Interesse.

    Das interaktive Newsteam: Von der radikalen Idee zur gemeinsamen Mission

    Die Kollaboration zwischen Journalisten und Hackern ermögliche heute ganz neue Dinge. Beispielsweise eine ganz andere Art, Geschichten zu schreiben. „Vor fünf Jahren“, so berichtet er, „war das eine radikale Idee bei der New York Times. Heute ist das schon sehr institutionalisiert worden. Jetzt gibt es ein interaktives Newsteam, das aus circa 30 Leuten besteht.“ Dort herrsche jetzt eine reflektierte Haltung dem gegenüber vor, was es eigentlich bedeutet, Inhalte im Netz zu publizieren, diese visuell, mit Anwendungen zu bearbeiten und auch den Leser mit einzubinden.

    Diese Haltung gab es allerdings nicht immer. „Das hat sich alles gegen den Standard entwickelt, alles auf die alte Weise zu schreiben und zu publizieren. Und das war ein ziemlicher Kampf“, fügt er lachend hinzu. Inzwischen sei diese Haltung, zumindest bei der New York Times, sozusagen Teil der „gemeinsamen Mission“ der Zeitung.

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    Wenn er nicht gerade für Zeitungen arbeitet, beschäftigt sich Brian gerne mit Musik. Trotzdem kommt er auch hier nicht wirklich von seiner Vorliebe für Daten los: mit CSV Soundsystem nimmt er Informationen und betreibt damit Datensonifikation. Seine Band wurde sogar schonmal auf ein Festival eingeladen, um dort auf der gleichen Bühne wie Bob Dylan zu spielen.

    Journalisten müssen nicht programmieren können, aber sie müssen Code verstehen

    Seiner Meinung nach, muss nicht jeder Journalist ein Coder werden. Allerdings findet er es wichtig, dass sie dennoch wissen wie Dinge im Internet funktionieren. „Die Idee, dass Datenjournalismus ein neues Ding ist, ist meiner Meinung nach nicht richtig, weil alle Journalisten mit Daten arbeiten – und schon immer gearbeitet haben.”

    Was sich geändert hat, ist, dass Journalisten größere Datenmengen verarbeiten können, ohne eine externe Firma zu engagieren. Entweder sie haben selber das Know-how oder sie haben einen Kollegen an ihrer Seite, der ihnen im Zweifelsfall weiterhelfen kann. Das wäre heute auch gar nicht anders möglich, so Brian.

    Aufgrund der technologischen Komplexität unserer Gesellschaft und der Tatsache, dass viele Themen, die in den Nachrichten vorkommen mit Technik zu tun haben (die NSA-Gate ist nur Beispiel), müssen Journalisten sowohl berichten als auch selber technische Zusammenhänge verstehen können.

    Anm.d.Red.: Der hier portraitierte Brian Abelson war Gast bei der Berliner Gazette-Jahreskonferenz COMPLICITY. Die Fotos im Text zeigen Brian bei der Arbeit im Rahmen des Workshops Hacker & Journalisten, Credit: Andi Weiland | berlinergazette.de. Die umfangreiche Dokumentation der Konferenz (Live-Videos, Graphic Recordings, etc. findet sich hier: berlinergazette.de/complicity. Die Ergebnisse des Workshops, darunter praktische Tools für Graswurzel-Publisher, werden am 7.12. präsentiert.


2 Kommentare zu Die News-Nerds kommen! Wie bei der “New York Times” Hacker und Journalisten zusammenarbeiten

  • [...] Brian Abelson ist eigentlich Wissenschaftler. Durch seine Arbeit für die New York Times ist er zum Datenerxperten geworden. Wie Hacker und Journalisten bei seiner Zeitung zusammenarbeiten, hat er Julia Müller von der Berliner Gazette erzählt.[...]
  • [...] JOURNALISMUS Berliner Gazette: Wie bei der “New York Times” Hacker und Journalisten zusammenarbeiten: Eine Frage treibt derzeit viele Journalisten um: Muss ich programmieren können? Dabei spielt Technik-Angst häufig eine größere Rolle als Neugier. Brian Abelson, der bei der New York Times arbeitet, ist ein Beispiel dafür, dass es auch anders gehen kann: Er ist erst durch seine Arbeit für die Zeitung zum wahren Datenexperten geworden. Berliner Gazette-Autorin Julia Müller portraitiert den News-Nerd. [...]

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