• Bildungsaktivismus: Weitermachen, Weiterwirken, Weiterbilden und fragen: Was bleibt?

    Das Thema: Nachhaltigkeit. Die Fragestellung: Wie können Bildungsinitiativen nachhaltig gestaltet werden und welche Rolle nehmen digitale Medien dabei ein? Auf den ersten Blick kein kompliziertes Thema, denn in Sachen Nachhaltigkeit scheint man heutzutage bestens Bescheid zu wissen. Das Stichwort taucht eigentlich überall auf, springt uns quasi tagtäglich aus den Massenmedien entgegen. Doch nimmt man den populären Begriff „Nachhaltigkeit“ ein bisschen genauer unter die Lupe, tun sich viele Fragen auf. Speziell im Bildungsbereich.

    Mit einer Annäherung an den Begriff (Definition, Geschichte, Popularisierung) begann die rege Diskussion bei der vorletzten Sitzung des Seminars Bildungsaktivismus.

    Nachhaltigkeit, nachhaltige Entwicklung oder Zukunftsfähigkeit?

    Nachhaltigkeit beschreibt etwas entwicklungs- und ausbaufähiges. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass der Begriff der ’nachhaltigen Entwicklung‘ vielleicht präziser beschreibt, worum es beim englischen ‚Originalbegriff’ der sustainability eigentlich geht.

    Der längerfristigen Wirkung von Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung ist auch ein Anspruch auf eine Form der Überprüfung inhärent; wobei sich die Frage stellt, wie diese Überprüfung für den jeweiligen Einzelfall realisierbar ist. Dieser Anspruch auf Überprüfung bzw. die Nicht-Realisierung derselbigen führt direkt zu der Problematik der Popularisierung des Begriffs der Nachhaltigkeit.

    Nachhaltigkeit als Schlagwort, Stichwort und verwässerter Begriff, der zu Sinnentleerung oder auch Institutionalisierung des Begriffs führt, stehen in diesem Zusammenhang den positiven Auswirkungen der Popularisierung von Nachhaltigkeit wie Bewusstseinsförderung und Auseinandersetzung gegenüber.

    So oder so: Der Begriff Nachhaltigkeit gibt in seiner Mehrdimensionalität viele spannende Anregungen, um etwa über ‚Dynamik‘, ‚Wandel‘, ‚Verantwortung‘, ‚Weitblick‘ und so weiter nachzudenken. Ebenso spannend ist die folgende Frage: Wie sieht es eigentlich in der Praxis aus? Wie setzen (Bildungs)Initiativen den Anspruch der Nachhaltigkeit in die Tat um und welche Rolle kann der Kommunikationsraum Internet dabei einnehmen?

    Praxisbeispiel I: Politik Orange

    Andi Weiland von der Jugendpresse Deutschland sprach über sein Projekt Politikorange. Zusammen mit anderen jungen Medienmachern gibt er das politisch, finanziell und zeitlich unabhängige Magazin in unregelmäßigen Zeitabständen heraus. Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit dieses Projekts aus, bei dem junge Menschen vornehmlich für einen kurzen Zeitraum zusammenkommen, die Zeitung konzipieren und erstellen und sich ihre Wege dann wieder trennen?

    Zum einen kann man die Nachhaltigkeit von Politikorange darin sehen, dass es ein Magazin ‚von Jugendlichen, für Jugendliche‘ ist. Das bedeutet konkret, dass ‚alte Hasen‘ irgendwann um die 30, nachdem sie ihr Wissen und Können weitergegeben haben, ausscheiden und jüngere Medienmacher an die Reihe kommen. Dieser Re-Generationsprozess garantiert, dass auch andere junge Medienmacher die Chance bekommen Erfahrungen zu sammeln und aktiv zu werden.

    Zum anderen kann Nachhaltigkeit auch in dem gewählten Medium von Politikorange gesehen werden. Die konventionelle, ja fast schon traditionelle Form der gedruckten Zeitung, im Gegensatz zu den ‚flüchtigen’ digitalen Medien erlaubt vielleicht eine nachhaltigere(s) Weitergabe/ Reaktion/ Existenz/ Bestehen.

    Praxisbeispiel II: Lab

    Ein weiteres Projekt, das eine Inspiration im Kontext ‚Nachhaltigkeit von Bildungsinitiativen’ darstellen könnte, ist das ‚Lab’, über das Charlotte Esser sprach. Das Lab (die Kurzform von Labor) ist ein Ort für Experimente und zum Experimentieren. Es ist ein Zusammenschluss von kreativen Menschen, deren Ziel es ist nach innen zu reflektieren und nach außen zu wirken – mit dem Mut zum offenen Experiment und zum Scheitern.

    Das gemeinsame Experimentieren findet auf verschiedenen workspace-Ebenen statt, sowohl online mit Hilfe eines Wikis, als auch in erfahrbaren, realen Räumen. Das Lab gibt sich selbst eine sehr feste Struktur, es gibt sogar ein Manifest. In diesem Sinne kann man wohl von einem Projekt sprechen, das auf eine nachhaltige Entwicklung angelegt ist. Weitgehend unabhängig von den Fördertöpfen und der Eventkultur Berlins wird hier in Eigeninitiative experimentiert und recherchiert.

    Offene Fragen

    Bleibt am Ende nur noch die Frage: Was hat Nachhaltigkeit mit Bildung zu tun? Der Re-Generationsprozess bei Politikorange kommt einem Bildungsanspruch durchaus nach. Auch die Teilnehmer in Charlotte Essers Lab-Projekt geben Informationen auf ihrem online-workspace an die anderen Mitglieder des Lab weiter, diskutieren, inspirieren und tauschen sich bei den regelmäßigen Treffen aus und bilden sich so gesehen auch weiter. Die Relevanz bzw. Nachhaltigkeit betrifft jeden Einzelnen der Gruppe und kann, aber muss nicht, nach außen wirken und hat somit die Möglichkeit Bildung durch eigene Projekte zu generieren.

    Doch wie immer bleiben bei so einem komplexen Thema auch verschiedene Fragen offen: Wie kann man als Einzelperson Nachhaltigkeit in Bildungsinitiativen realisieren. Kann/ muss/ darf/ sollte Bildung überhaupt nachhaltig sein? Wie nachhaltig ist unsere eigene Bildung? Liegt die Nachhaltigkeit im Machen/ Weitergeben/ Lehren/ Lernen? Kann Bildung überhaupt ohne Nachhaltigkeit existieren oder gibt es Bildung ohne Nachhaltigkeit?


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