• Architektur für heute und übermorgen: Die Venedig-Biennale 2010

    Seit 1895 findet die zweijährliche Biennale in Venedig statt und zählt zu den wichtigsten Kunstmessen der Welt. In diesem Jahr präsentierten 53 Nationen in den Länderpavillons der Giardini moderne Formen und Funktionen aus aller Welt und die neuesten Innovationen im Bereich Architektur. Ein Bericht.

    Schon am Eingang zeigt sich ja meist, ob eine Veranstaltung eher etwas langatmig wird oder wie im Flug vergeht. Das merkt man schon am Alter der Besucher, die man so am Eingang sichtet. In diesem Fall wohl kein Problem, denn bestimmt 90 Prozent der Besucher sind Studenten. Man muss sich also nicht damit herumschlagen, den Altersdurchschnitt zu rapide zu senken, nur weil man unter 50Jahre alt ist. Es geht also los.

    Viel Rauch um nichts?

    Lieblingsmotiv aller Fotografen ist wohl die Installation „Wolkenlandschaft“, in der man in einen vollkommen in Nebel gehüllten Raum kommt. In Wirklichkeit ist dieses so spannende Motiv einfach ein Raum, in den durch ein Rohr weißer Dunst geblasen wird und man über eine wacklige Wendeltreppe auf das ganze Geschwader hinab sehen kann.

    Unter anderem wird auch das schon bekannte und viel diskutierte Projekt „Mose“ präsentiert, das Venedig zukünftig vor den Überflutungen schützen soll. Deutschland betitelt einen auf den ersten Blick etwas suspekt wirkenden Spiegelraum mit Lichterkette an der Decke mit „Sehnsucht“. Tokio präsentiert unterirdische, neumodisch wirkende Installationen in Bienenwabenform, die schon im Bau sind.

    Lebebatterienarchitektur

    Neben diesen Installationen werden auch andere interessante Architekturarten und deren Hintergründe ausgestellt. So weist ein neuer Bildband auf die unmenschlichen Wohnverhältnisse in einer Großstadt Japans hin. Die Aufnahmen ähneln erschreckend genau an Legebatterien für Hühner. Über 40 Stockwerke fasst so ein Gebäude und erinnert kaum an ein Wohnhaus für mehrere tausend Menschen. Und eigentlich müssten diese waghalsigen Konstruktionen, auf die immer wieder aufgebaut wird, in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus.

    Und dann wird nur ein paar Hallen weiter für dieselbe Stadt das neue schicke Konzept für einen Stadtpark mit Einkaufszentrum und Konzerthallen vorgestellt. Gegensätze wie aus dem Leben, die man auch am Ausgang der Biennale nicht einfach abschütteln kann.

    Zuallererst ist die Architektur-Biennale natürlich am spannendsten für Architekturstudenten, doch durch die weitreichend fantasievollen und auch künstlerisch sehr wertvollen Installationen ist hier für jeden etwas dabei, der bereit ist, sich innerlich und äußerlich auf was Neues einzulassen.


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