• Berlinale unter Beschuss

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    Noch fliegen keine Steine am Potsdamer Platz, aber er ist da: Der Globalisierungsgegner im Gewand des Urheberrechts- Aktivisten. Er tritt nicht vermummt und steinewerfend auf, man begegnet ihm weder allein, noch in der Masse. Vielmehr laesst er Medien fuer sich sprechen. Poster etwa sind in der ganzen Stadt zu finden, die auf den ersten Blick aus dem Berlinale- Designlabor entsprungen scheinen. Raubkopie in fettgedruckten Buchstaben, dann etwas kleiner: All the bad and bons of Films / Berlinale like Remake Free / In L’Internet Again and Again! Darunter die url www.copiepirate.com.

    Anders der Ansatz der Initiative Pirate Cinema. Auf Plakatdruck wurde verzichtet. Auch gibt es keine Website, stattdessen eine Verlautbarung, die via Email im Internet kursiert: Zur Berlinale haben wir, was die Clubs, die uns damals am besten gefielen, zur Love Parade hatten, naemlich: geschlossen. Mit diesen Worten beginnt ein Text, der die Anliegen der Urheberrechtsaktivisten zum Gegenstand macht. Hier wird quasi die Theorie und die argumentative Arbeit nachgetragen, die man bei www.copiepirate.com vergeblich sucht. Hier wird auch kein Zweifel daran gelassen, auf welcher Seite man steht. Keine selbstironischen Hacks im No-Logo-Stil, kein postmodernes Spiel der Zeichen.

    Dass es auch noch ganz anders geht, zeigt Reik Kirchhof. Er hat mit seinem IPD-Projekt eine intellectual property depesche zur Berlinale herausgegeben: Nachrichten und Hintergruende rund um das geistige Eigentum. Seine Broschueren liegen immerhin auch in den Wartehallen der Berlinale-Kinos herum, und duerften somit Menschen in die Haende fallen, denen die anderen Aktionen entgehen werden, weil sie ihren Blick nur auf eines gerichtet haben: die Leinwand. Oder die Tuer, die zwischen ihnen und dem Lichtbild steht.


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