• Baustellen bilden

    Am Bildungssystem wird ständig gewerkelt. Vielleicht ist es ja gerade der Zustand der „permanenten Baustelle“, der das Lernen interessant macht. Juliane Breitfeld hat diese Baustellen schon aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt: Als Studentin auf der Bologna-Baustelle und als Lehrerin in Mosambik.

    Nach meinem Abitur entschied ich mich, mit der Organisation Humana als Auslandsfreiwillige für ein halbes Jahr nach Afrika zu gehen. Während meiner Zeit in Mosambik konnte ich sehr viel der dortigen Mentalität und Kultur beobachten. Ich war dort als Lehrerin an einem College tätig.

    Einer der prägnantesten Unterschiede zur Lebenseinstellung, die ich aus Deutschland kenne, liegt im Verständnis von Bildung als Bereicherung und Vorsorge für das eigene Leben. In Deutschland ist es selbstverständlich, dass Bildung den Grundstein für die Zukunft legt, dass ein erfolgreicher Werdegang das persönliche Leben und die Stellung in der Gesellschaft besonders beeinflusst.

    In Mosambik traf ich sehr selten auf diese Einstellung. Man ist sehr auf das Hier und Jetzt fixiert und eine Lebensfürsorge ist für die meisten Menschen nur begrenzt möglich. Diese Kurzsicht, wie wir es in Europa vielleicht nennen würden, habe ich oft selbst miterlebt. Eine Situationen ist mir stark in Erinnerung geblieben.

    Investitionen ins Heute

    In der Hauptstadt Maputo wurde der Ausbau einer Straße beschlossen. Doch der Baumaßnahme standen viele, sehr einfache Wohnhäuser im Weg, die direkt an der Straße standen. Also kaufte man den Bewohnern dieser Gegend ihre Grundstücke ab, gab ihnen Boden und Geld, um den Hausbau zu finanzieren. Die Bewohner nahmen das Angebot an.

    Doch da die Bauarbeiten nicht sofort begannen, gaben sie das Geld anderweitig aus, statt sich um das neue Haus zu kümmern. Als die Bauarbeiten beginnen sollten, wohnten sie noch immer an der Straße. Also wurden die Gebäude planmäßig abgerissen und den einstigen Bewohnern blieb nichts anderes übrig, als fassungslos dem Abriss ihrer Häuser zuzusehen.

    In diesem Land zu unterrichten zeigte mir, dass es wichtig ist, Bildung als Investition in die Zukunft zu verstehen und dass der treibende Faktor die eigene Motivation ist und sein muss um sich erfolgreich zu bilden.

    Eine große Rolle für die Menschen in Mosambik und ihre Bildung spielt auch der Ort, an man geboren wird – ob in der Stadt oder auf dem Land, in Afrika oder Europa. In Gesprächen erfuhr ich, dass persönliche Bildung auch oft als Schicksal gesehen wird, ein Schicksal, dem man sich nicht entziehen kann.

    So erfahre ich „Bologna“

    Inzwischen habe ich die Perspektive wieder gewechselt. Ich bin zurück in Europa und studiere in Leipzig. Trotz einiger Probleme an der Uni bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Der Bologna-Prozess steht noch in seinen Anfängen und so müssen wir Studenten diese oft lästige „Testphase“ durchlaufen. Alles Gute ist selten beieinander. Nach dem neuen Modell kann man zwar seine Fächer ganz individuell zusammenstellen und damit theoretisch eine sehr gute Spezialisierung erzielen.

    Doch dem steht der enge Zeitplan entgegen, der es unmöglich macht, diese zu verwirklichen. Die Annahme, dass Bachelor/Master-System könne Kosten sparen, indem Studienzeiten verkürzt werden, ist falsch, denn die kurzen Studienzeiten bedeuten gleichzeitig, dass eine sehr intensive Betreuung der Studierenden erfolgen muss, um ein befriedigendes Niveau beizubehalten.

    Mit der Globalisierung lernen

    Im Gegensatz zu der spezifischen und vielfältigen Fächerauswahl an der Universität, zielt das Angebot an Schulen auf eine Allgemeinbildung ab. Für mich ist Bildung im Bereich der Fremdsprachen essentiell. Dabei sollte es nicht um stures Auswendiglernen von Vokabeln gehen, sondern die Sprache sollte lebendige Kommunikation für Schüler werden. So sollten vor allem die praktische Anwendung und das Sprechen im Vordergrund stehen.

    Doch oft ist es nicht einmal nötig weit zu reisen, denn die Globalisierung und die Beziehungen in der EU bieten Schülern viele Möglichkeiten im eigenen Land Fremdsprachen zu gebrauchen. Es leben viele Leute aus anderen Ländern und Sprachen in unserer Umgebung und Schüler könnten davon profitieren, mit ihnen und voneinander zu lernen.

    Es stehen uns jungen Menschen so viele Möglichkeiten offen, sich völlig frei und unkompliziert in der ganzen Welt zu bewegen, zu arbeiten und zu leben, dass ich es unglaublich wichtig finde, Sprachen zu lernen. Denn was bedeutet Bildung, wenn nicht die Möglichkeit, sich die Welt zu erschließen und sie in ihrer unendlichen Vielfalt zu erfahren, um das eigene Leben zu bereichern.


4 Kommentare zu Baustellen bilden

  • Senfi am 17.08.2010 10:39
    Ich habe das Gefühl, dass du den Menschen aus Mosambik mit deiner Einschätzung nicht wirklich gerecht wirst: Bei dem Hausabriss fehlen die Hintergrunddetails: Hast du mit jemanden gesprochen? Warum sind Sie nicht vorher ausgezogen? Ich finde deine Einschätzung klingt sehr allgemein- vielleicht kannst du da noch mehr zu sagen?
  • Joerg Offer am 17.08.2010 14:42
    @ senfi: denke juliane wollte niemanden über einen kamm scheren oder an den pranger stellen, fürchte nur, das es auch für dich ausreichend und logisch durchdachte gründe für einen rechtzeitigen auszug nicht gibt. es ist wie angedeutet, bestandteil der mentalität grosser unmittelbarkeit. glaube nicht, das die autorin hier latente postkoloniale belehrungsfantasien verbreiten wollte...
  • neutra am 17.08.2010 21:37
    das schreiben über fremde/ferne länder, die eine kolonialgeschichte haben, gilt inzwischen als eine art taboo, weil man glaubt, dass der koloniale immer weiter fortgeschrieben wird.

    man ist dazu übergegangen, die menschen aus besagten ländern selbst zu wort kommen lassen, damit sie ihre geschichten selbst aufschreiben --- aus ihrer perspektive, in ihrer sprache.
  • grusse sie herzlich frau Breitfeld,
    wollte ihnen,dankbarkeit zeigen fuhr ihre gutte,
    die sie machen fur die 3 lender ,glauben sie mir sie werden direkkt in Paradies gehen mit demm was sie machen,
    es ist eine unwerschemtheit,was die amerikaner und die europer heutt zu tage machen,denn nemlich sie sind demmlich,und machen nix ,sie tun niz fur diese frauen und kinder,obwohl sie sehr vieles helffen konnten,zumindest die elementariche dinger,wie zb, jedes dorf in afrika sollte doch mindestens 3 brunen haben ,fur trinkbares,wasser,dass nicht noch mehr krankheiten,wie zb kolera,undandere krenkheiten, sich dort werbreiten,denn dass ist sehr schlumm,diesse krenkheiten werden sich in kurzen uberall af der welt werbreiten,wasser ,bildungen fur die kinder,die UNO tut seit mehr als 10 jahren nixfur diesse menchen,und auserden konnten leutte wie sie ,zusammen mit anderen organisatioenen,mit helfen, mit gelderspenden,und schpermull,die sie einfach so auf der strasse wegschmeissen, ,und lebensmitteln,,halt diese brunen ,ist uhr schlumm wenn wenn in 21 jahrhundert leutte immer noch schterben mussen weil sie kein wasser haben,
    ich finde dass ist sehr feigge und eine unferschemtheit,fur die in >anfuhrungsschtrichen< zivilisierte welt, sie konnten sehr viel mehr tun ,in nur 3 bis 5 jahren,doch sie wollten nicht,ich hoffe der lieber god wird ihnen und ihre mitterbeitern auf diessem wege helffen,hier mit werabschiede ich mich, und dankke ihnen herzlich fur ihre hilffe die sie machen,ich hoffe und wunche mir dass es noch mehr gude menchen wie sie auf diesser welt ,dass selbe tun wie sie,
    denn wenn nicht werd diessse welt,sehr bald kapput gehen,und es wird keinen mehr was nutzen,
    danke ihne fur ihre gutte ,
    und wiel ervolg wunche ich ihnen und ihre miterbeitern noch
    ciao

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