• Antisemiten sind auch nur Arschlöcher

    Antisemitismus ist keine überkommene Sache der Vergangenheit, sondern noch überall zu finden: in den Medien, im Intellektuel- lenbetrieb, in der Globalisierungkritik. Daran wird sich auch nichts ändern, solange die Bekämpfung von Ressentiments als Partikularinteresse angesehen wird, denkt Journalist Fabian Wolff.

    Hier ist ein Witz – ein jüdischer, möchte ich meinen. Chaim Cohen will Radiomoderator werden. Er wird zu einem Bewerbungsgespräch mit Mikrofonprobe eingeladen. Er kommt nach Hause und seine Mutter fragt ihn, wie es lief. Darauf Chaim: „A-a-a-lles A-a-a-ntisem-i-i-i-ten!“

    Der Witz ist lustig. (Wir sind schon ein komisches Völkchen!) Weniger lustig ist, dass Malte Lehming vom „Tagesspiegel“ diesen Witz neulich benutzte, um Vorwürfe zu entkräften, in deutschen Medien würden ab und an unter der Hand antisemitische Ressentiments geschürt.

    Das hatte Stephan Kramer, Generalsekretär des ZdJ, in einem Interview behauptet, und dafür als Beispiel unter anderem einen Artikel aus dem „Tagesspiegel“ über Friedensverhandlung im Nahen Osten herangezogen. Dieser wurde mit einem völlig zusammenhanglosen, veraltetem Photo illustriert, welches Obama im Gespräch mit orthodoxen Juden zeigt.

    Kein Hirngespinst

    Was bärtige Chassidim mit dem Knesset zu tun haben, weiß ich auch nicht – was sie hingegen im Kopf eines Antisemiten miteinander zu tun haben könnten, kann ich mir ganz gut ausmalen. Lehming will von solchen Sachen aber nichts hören, und beschwert sich stattdessen, wie bei Walser gelernt, über die „Antisemitismuskeule“, die inzwischen ja schon regelrechter Teil der „jüdischen Folklore“ geworden sei.

    An dieser Stelle möchte ich gar nicht auf die Wachmänner, die in Deutschland vor jeder Synagoge stehen hinweisen, oder auf den jüdischen Kindergarten in Berlin, der vor drei Jahren von Nazis verwüstet wurde. Auch dieses eine Wort mit H soll nicht fallen. Stattdessen nur eine Feststellung:

    Antisemiten gibt es wirklich, und es gibt sie überall. In der Kirche, in den Parteien, im Bundestag, in Hoyerswerda und in Pforzheim, in Heidegger-Lesekreisen ebenso wie in Wehrsportgruppen, im Prenzlauer Berg und in Neukölln.

    Das mag paranoid klingen, ist aber eine Tatsache, ebenso wie die Existenz von Sexisten, xeno- und homophoben Arschlöchern. Und Arschlöcher soll man Arschlöcher nennen, sonst wird das nie was mit dem Fortschritt und der anderen, besseren Welt.

    Antisemitismus bei attac?

    Eine andere Welt fordert auch das globalisierungskritische Netzwerk attac – eine Welt mit besteuerten Finanztransaktionen und ohne Neoliberalismus. Aber auch ohne Antisemitismus? Der Soziologe Holger Knothe hat sich diese Frage gestellt und darüber mit einer Arbeit dissertiert, die jetzt im transcript-Verlag veröffentlicht wurde.

    Mit einem aus der Kritischen Theorie abgeleiteten Instrumentarium operierend, untersucht Knothe Informationsmaterialien, vollzieht interne Diskussionen nach, analysiert Rhetorik. Sein Ergebnis: Teile der attac’schen Inhalte zeigen durchaus Anknüpfungspunkte für Antisemiten. Er nennt das „antisemitische Gedankenstrukturen und Narrative“.

    Der Glaube an die eine Macht, die die Welt im Hintergrund steuert und bösartig nach ihrem Willen kontrolliert, schwingt in globalisierungskritischen Slogans mit, ebenso wie in rechter Propaganda. Was dem Nazi seine Weisen von Zion sind, ist für Globalisierungsgegner die WTO?

    Politik ohne Paranoia

    Vielleicht. Dabei ist diese Gedankenstruktur ohnehin verwerflich, antisemitisch aufgeladen oder nicht. Eine Bewegung, die sich als links und aufgeklärt präsentiert, sollte diesen Glauben an den übermächtigen Gegner im Dunkeln möglichst schnell hinter sich bringen, möchte sie denn ernst genommen und tatsächlich politisch wirksam sein.

    Dieser ganze Black Helicopter-Loose Change-Zeitgeist-Chemtrail-Paranoia-Mist ist nämlich nicht nur latent antisemitisch, sondern überhaupt schlichtweg bescheuert und intellektuell verkümmert. (Das gilt auch für dich, CCC! Und über die Piraten brauchen wir gar nicht erst zu reden.)

    Anscheinend müssen erst Demonstranten Kapitalisten-Stoffpuppen, wie in Davos 2003, mit großen Nasen und goldenen Davidsternen auf der Brust tragen, bevor man sich bei attac solcher Probleme annimmt. Dass das passiert, stellt Knothe fest. Dass es nicht sonderlich effektiv ist und eher in Richtung „Gut, dass wir darüber geredet haben.“ geht, ebenfalls. Immerhin, ein interner Diskurs findet statt, und das mit den Judenpuppen ist ja jetzt auch schon wieder sieben Jahre her.

    Und ein bisschen ist Knothe, Doktorarbeit hin oder her, ebenso Teil dieses inneren Diskurses. Er überzieht attac eben nicht mit der Art von generalisierender Verachtung, mit der manche attac-Mitglieder etwa den Nahostkonflikt betrachten, und macht aus seiner Sympathie für die allgemeine Richtung von attac keinen wirklichen Hehl. Denn eigentlich gehören sie ja schon zu den Guten und versuchen wenigstens, auch den eigenen Laden sauber zu halten, in den eigenen Reihen gegen Vorurteile und Ressentiments vorzugehen.

    Die Keule in den Köpfen

    Keine Selbstverständlichkeit im Land des, wie Wolfgang Müller es ausdrückt, Neo-Individualliberalismus. Als Sarrazin vor ein paar Monaten seinem inneren Stürmer mal wieder ein paar schöne Stunden in der freien Natur gegönnt hat und „Kopftuchmädchen“ und „Ostjuden mit 15% höherem IQ-Wert als Deutsche“ halluziniert hat, war es der ZdJ, der die deutlichsten Worte gefunden hat, und die Klage wegen Volksverhetzung gegen ihn wurde von in Berlin lebenden Türken eingereicht.

    Die meisten Deutschen haben von zu harschen Formulierungen gesprochen, die aber einen wahren Kern beinhalten würden, und ansonsten so getan, als würde sie das alles nichts angehen. Der scheinbar frühvergreiste Peter Sloterdijk, dem diese Vertürkungsphantasien vielleicht ganz gut in sein Menschenpark-Weltbild passen, verteidigte Sarrazin im Cicero, sprach von Meinungsfeiglingen und der Angst vor der Abweichung.

    Dieser Mythos vom großen weißen Mann, der die Wahrheit nicht sagen darf, er hält sich hartnäckig in einer Gesellschaft, in der sich auch die angepasstesten und bequemsten ihr Leben mit ein bisschen Verfolgungs-Paranoia aufregender gestalten wollen.

    Schon Adorno und Horkheimer wussten: „Aber es gibt keine Antisemiten mehr. Sie waren zuletzt Liberale, die ihre antiliberale Meinung sagen wollten.“ Wer also vor jedes Wort ein „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ setzt und sich von Auschwitz-, Antisemitismus- oder einfach nur P.C.-Keulen bedroht fühlt, beweist damit nur, dass er ein intellektueller Neandertaler ist. Ein Fall für den Bärenjuden?


26 Kommentare zu Antisemiten sind auch nur Arschlöcher

  • Silvia am 18.08.2010 09:41
    starke Formulierungen, geradezu deftig, aber in den meisten Fällen gerecht, ich bin erstaunt und dankbar für solche klaren Worte
  • Frau Marx am 18.08.2010 10:35
    Der "scheinbar frühvergreiste Peter Sloterdijk"! haha! Aber mich würde interessieren: Gibt es sie wirklich, diese Legende vom "alten weißen Mann, der seine Meinung nicht sagen darf"? Oder ist dies nicht viel eher auch ein Konstrukt der Medien?
  • Aber der Bärenjude schlachtet doch Menschen, gut, er skalpiert sie - das ist doch Barbarei und führt doch nicht zu einer besseren Welt, oder?
  • neutra am 18.08.2010 10:44
    Arschlöcher sind Arschlöcher und man sollte sie auch so nennen, da stimme ich überein. Nur ich weiß nicht, ob wir das mit der anderen, besseren Welt so stehen lassen können.

    Es ist schön, zu träumen. Und zu wünschen. Und sich nicht zufrieden zu geben, mit dem was ist.

    Aber man muss auch affirmieren können. Sonst lebt man nicht in der Realität, nicht im hier und jetzt.

    Veränderungen passieren die ganze Zeit. Alles ist dynamisch. Die andere, bessere Welt ist dagegen ein statisches Konzept. Es steht still und fest.
  • Fabian W. am 18.08.2010 18:22
    @ Frau Marx: Dass es diesen Mythos gibt, davon bin ich überzeugt. Dass er nicht der Wahrheit entspricht, auch.
    @ Pro: Nennen wir es ein mediales Abschlachten. Der Bärenjude, wie der ganze Film, beeindruckt mich vor allem als KINObild, nicht als etwas, das irgendwie in die Realität drängt.
    @ neutra: Ich betrachte diese "bessere Welt" nicht als Ziel, sondern als Prozess. Oder so.
  • joerg offer am 18.08.2010 18:44
    mist.. und ich habe wirklich geglaubt die rothschilds sind an allem schuld! jetzt muss ich mir schnell ein neues, noch kruderes weltbild zusammendrechseln!
  • @Fabian Wolff: Hätte Stephan Kramer behauptet, in deutschen Medien würden ab und an unter der Hand antisemitische Ressentiments geschürt, hätten weder Hahn noch Henne danach gekräht. Denn das lässt sich gar nicht bestreiten.

    Doch es war anders. Kramer hat behauptet, Zeitungen wie die "Frankfurter Allgemeine" oder eben der Tagesspiegel würden eine zunehmend antisemitische Tendenz aufweisen.

    In der “Süddeutschen Zeitung” vom 18. Mai präzisiert Kramer sein Focus-Interview bezüglich angeblich antisemitischer Beiträge im Tagesspiegel. Ich zitiere: “Da gibt es oft positive Beiträge. Aber es gibt auch Beiträge, die über die Linie gehen, und in der Gesamttendenz werden es mehr.”

    Es geht also nicht um das eine oder andere Bild, den einen oder anderen Text, sondern explizit um eine Tendenz. Der Antisemitismus im Tagesspiegel nimmt nach Kramers Meinung zu. Für diese angebliche Zunahme indes liefert er keinen einzigen Beleg. Und das kann er auch nicht.

    Herzliche Grüße

    Malte Lehming
  • [...] the original post: Antisemiten sind auch nur Arschlöcher Share and [...]
  • Fabian W. am 20.08.2010 15:19
    Na dann, Herr Lehming.
    Erst einmal hat Stephan Kramer in seinem Interview die "Junge Welt", die "Junge Freiheit" und viele Zeitungen dazwischen erwähnt. Damit ist für mich durchaus die "deutsche Medienlandschaft" abgedeckt. Oder was soll so bemerkenswert daran sein, dass auch "FAZ" und "Tagesspiegel" in dieser Kritik erwähnt werden. Der Lanzmann-Mist, den die "Zeit" abgezogen hat, beweist ja, dass nicht nur Randzeitungen betroffen sind.
    Ja, er hat ein "mehr" entdeckt. Ich stimme ihm da nicht zu, auch nicht in meinem Text - ich glaube, jedes "mehr" ergibt sich durch den genaueren Blick, soll heißen: Wer sucht, der findet auch - und zwar, weil es etwas zu finden gibt.

    Wie soll ich das denn finden, wenn Stephanie Grimm in ihrer "An Education"-Rezension von der Berlinale verkündet, die Shylock-Fagin-Figur, die von Peter Sarsgaard gespielt wird, trägt den "sprechenden Nachnamen Goldman"? Das Wort "Jude" taucht da kein einziges Mal - und dafür sollte auch er in so einer kleinen Notiz Platz sein - stattdessen diese kleine Kurve, die vielleicht auch nur ein Zeugnis der Naivität der Autorin ist. Quasi das Gegenteil von "Friedman, der Jude ist" aus der FAZ: Dort die unnötige Information, hier die geflüsterte Andeutung - das Ergebnis ist das Gleiche. Und wir wollen uns unser schönes middlebrow-Entertainment ja nicht durch solche Unannehmlichkeiten vermiesen lassen.

    Wirklich, so schlimm ist das nicht. So was darf halt nicht durch das Redigat. Und man kann der Bildredaktion auch einfach sagen: "Okay, wir hatten keine guten Illustrationen für den Israel-Artikel, aber mussten es denn wirklich wieder die Chassiden sein? Passt nächstes Mal auf." Ich unterstelle dem Tagesspiegel da keine böse Absicht, im Gegensatz zu Kramer vielleicht - was ich Ihnen unterstelle, ist ein Unwillen, sich solcher Kritik überhaupt zu stellen.

    Stattdessen bringen Sie da diese Seelenzergliederung von Kramer. Das find ich ja immer lustig, wie scheinbar die "Beschreibung von Mechanismen" die Existenz dieser für alle Zeiten beweist. Der Finkielkraut! Schön, wie Sie da Juden gegen Juden ausspielen, vielleicht noch mit ein bisschen Giur-Kompensierungs-Häme.

    Und dann diese alte Nummer: "In Deutschland darf man Israel nicht kritisieren!" Soweit ich weiß, wurde über Mearsheimer und Walt in allen großen Medien geschrieben, kulturzeit auf 3sat hat sogar ein Interview gehabt. Und im Finkelstein-Buch wird sogar Frau Schweitzer gedankt, die, man glaubt es nicht, immer noch für die taz bloggt, in der Berliner Zeitung eine Kolumne hat und sogar ab und an für die JA schreibt. Alles Bücher im Übrigen, die in Deutschland weitaus mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde als in den USA.
    Sie aber tun so, als ob man sich wie '44 jede Nacht heimlich vor dem Volksempfänger versammeln muss, um von der BBC authentische, ungeschönte Informationen zu bekommen.
    Ja, ja, "die Juden" mit ihrer lustigen Musik (die ich nicht wirklich ausstehen kann, und da kenn ich einige members of the tribe, denen das so geht) und ihren lustigen Antisemitismusvorwürfen. Alles Folklore, alles Mythos, alles Gepenster, eine Gruselgeschichte, die man kleinen Kindern erzählt, damit sie im sicheren Schtetl bleiben, und vor den gojim auftischt, um sich ein bisschen wichtig zu machen. Hat der Finkielkraut schließlich so gesagt. Oder nicht?

    In ein paar Stunden geht die Sonne unter, und da möchte ich mich nicht unnötig aufregen. Deswegen nur noch: Was sie für chutzpah halten, ist für mich nur narishkayt. Sie wollten auch einmal ein bisschen eine dieser ominösen Keulen schwingen, und sie ist auf Ihrem eigenen Kopf gelandet.
  • Also Herr Wolff,
    natürlich gibt es Antisemitismus in deutschen Medien, wer wollte das bestreiten? Aber wer behauptet, der Antisemitismus, etwa im Tagesspiegel, nehme kontinuierlich zu, sollte das belegen können, oder?
    Konstruieren wir eine Analogie: Natürlich gibt es dumme Juden. Aber wer behauptet, die Dummheit unter Juden nehme kontinuierlich zu, sollte das doch wohl belegen können, oder?
    Herzliche Grüße
    Ihr
    Malte Lehming
  • Fabian W. am 20.08.2010 17:10
    Herr Lehming, wie ich schon geschrieben habe, stimme ich Kramer nicht zu, dass es "mehr" Antisemitismus in den deutschen Medien gibt. Ich habe geschrieben - und dabei durchaus, das gebe ich zu, Kramers Aussagen leicht verbogen - dass es welchen gibt, und zwar überall, und dass erwähnte Illustration sich durchaus dazu zählen lässt. Ich habe kritisiert, wie Sie jegliche Vorwürfe von sich geschoben haben, nicht durch eigene Fakten oder Erklärung der unglücklichen Bild-Text-Schere, sondern indem sie Kramer als Person und den Antisemitismus-Vorwurf an sich lächerlich gemacht haben. Und das hab ich sogar belegt.
  • > Arschlöcher soll man Arschlöcher nennen

    Ich werde den Autor trotzdem nicht so nennen. Diese pubertäre, latent fäkale Ausdrucksweise ist nichts weiter als Ausdruck von intellektueller Verkümmerung.
  • Netnrd am 24.08.2010 02:04
    Hallo Fabian,

    ich kann Dir quasi in allem zustimmen, verstehe aber die Anspielung auf den CCC und die Piratenpartei nicht. Was hat eine gesunde (und begründbare) Paranoia mit Antisemitismus zu tun? Sollte nicht gerade das "Wehret den Anfängen" der Internet-Aktivisten Verständnis wecken? Bemühungen, Orwellsche Überwachungsszenarien zu verhindern, kann man doch nicht mit esoterischem Spinnkram in einen Topf werfen.

    Im Gegenteil, das Motto heißt "Denke selbst". Kündige Deinen Meinungsanbieter, und mache Dir selbst ein Bild. Und das bedeutet selbstverständlich, auch den "Underground"-Medien eine gesunde Skepsis entgegenzubringen.
  • Fabian W. am 24.08.2010 03:16
    @ wii1and: Ach, ist das so? Bzw.: Ach, bin ich das? Was hat Sie denn gestört? Der allgemeine Impuls des Textes etwa? Oder war es letztlich doch einfach nur der Piraten-Hieb? Mit "den eigenen Laden sauber halten" und Selbstkritik hat mans bei euch ja nicht so.
  • Fabian W. am 24.08.2010 19:58
    @ Netnrd: Was ich damit sagen wollte: Dass sowohl die Piratenpartei (Thiesen) und der CCC (Cui Bono-Veranstaltungen, auf denen Warner vor einer "Kosher Conspiracy" aufgetreten sind) in der Vergangeheit und Gegenwart Leuten mit antisemitischem Einschlag haben gewähren lassen. Dazu gäbe es noch mehr zu sagen, aber das ist der Kern meiner Kritik, und deswegen die Erwähnung.
  • @ Fabian W.
    1) Leute als "intellektuell verkümmert" oder als "Arschloch" zu bezeichnen zeigt bloß die eigene Verkümmertheit auf, egal wie schön der Text drumherum ansonsten formuliert ist. Sieht man auch schön bei Sarrazin. Antisemiten sind keine Arschlöcher, sondern Leute, die es nicht besser gelernt haben und sie verbal ausfällig anzugehen ist IMAO keine geeignete Vorgehensweise, um die Situation zu verbessern.

    2) Wenn du meinst, daß es bei den Piraten keine Selbstkritik gäbe, empfehle ich dir als Lektüre die einschlägigen Mailing-Lists, Twitter, einen Besuch bei einem der Stammtische, Teilnahme an einer Telefonkonferenz o.Ä.. Es ist vielmehr so, daß wir Piraten uns mit unserer Selbstkritik seit jeher gegenseitig nahezu selbst zerfleischen.

    3) Nichts für ungut ;)
  • Fabian W. am 04.09.2010 12:29
    @ wii1and
    1) "Antisemiten können mich mal" hat mal jemand gesagt. Für mich sind sie Arschlöcher, und nichts anderes. Ich gestehe ihnen ihre Individualität zu: Es gibt unter ihnen ignorante, strukturelle, scheinbar "intellektuell" fundierte oder auch ganz grobe Arschlöcher. Arschlöcher sind sie nonetheless. Mit manchen kann man reden, mit vielen aber nicht. Ihnen zu sagen: Nein, so nicht, komm wieder, wenn das mit der Menschwerdung geklappt hat, ist IMJO ddas probate Mittel.
    2) Komisch, dass bei aller selbstzerfleischenden Kritik immer noch Platz für Thiesen auf dem Posten des Ersatzrichters gab. Und dass da erst Aufschrei von außen kommen musste, um sich von ihm zu trennen. Just sayin'.

    Und den Sarrazin-Vergleich überhöre ich mal höflichst.
  • @ Fabian W

    > wenn das mit der Menschwerdung geklappt hat
    Das sagt einiges über dein Menschenbild aus.

    > Sarrazin-Vergleich überhöre ich mal höflichst
    Soviel zum Thema Kritikfähigkeit

    Fühl dich ruhig anderen Menschen überlegen, weil du das Glück hattest unter anderen Umständen sozialisiert zu werden.
  • Fabian W. am 04.09.2010 13:39
    @wii1and
    Was sagt es denn über mein Menschenbild aus? (Mal davon abgesehen, dass es Zitat von Max Goldt ist.) Ich finde halt, dass Menschsein schon schwer genug ist, auch ohne Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und den ganzen anderen Mist.

    Und auf den Sarrazin-Vergleich habe ich empfindlich reagiert, weil ich nicht gerne mit Rassisten in Verbindung gebracht werden möchte. So.

    Wer hat denn hier von Überlegenheit und Sozialisation gesprochen?

    PS: 'ne valide Mail-Adresse wär auch mal ganz nett.
  • @ Fabian W.
    > Was sagt es denn über mein Menschenbild aus?
    Es zeigt, daß Rassisten für dich keine vollwertigen Menschen sind. Rassisten hassen anderen Menschen auf Grund irgendwelcher Merkmale, die sie für minderwertig erachten und sie beanspruchen für sich damit richtig zu liegen. Du wiederum hasst deswegen Rassisten, anstatt zu erkennen, daß sie es bloß nicht besser wissen. Menschen werden zu Rassisten auf Grund ihrer Sozialisation, bzw. du bist kein Rassist auf Grund deiner Sozialisation. Daß du dich Rassisten moralisch überlegen fühlst liegt auf der Hand, schließlich beschimpfst du sie wegen ihrer Geisteshaltung als Arschlöcher. Das einzige was dich in die Position gebracht hat, um andere Menschen so von ober herab anzugehen ist jedoch einzig die unterschiedliche Sozialisation. Vielleicht kommst du mit deiner "Menschwerdung" ja noch einen Schritt voran und siehst ein, daß es für die Lösung von Problemen nicht hilfreich ist Leuten, die sich eh schon als Outlaws ansehen und deren gesamtes Weltbild auf Überheblichkeit und Hass basiert, das Gespräch zu verwehren, sie auszustoßen und sie selbst überheblich zu behandeln und mit Hass zu überschütten. Auf der einen Seite erscheinst du so intellektuell und deine Überlegungen scheinen einer guten Motivation zu entspringen, aber auf der anderen Seite zeigst du Verachtung für Leute, die nicht das Glück hatten soviel positiven Input im Leben zu erfahren wie du. Die Essenz meiner Ausführungen ist: Pack dich an deine eigene Nase!
  • Fabian W. am 04.09.2010 16:30
    @ wii1and:
    Blödsinn. Rassisten verachten andere Menschen aufgrund arbiträrer Merkmale wie Hautfarbe, Aussehen oder "ethnischer Herkunft" - eine Verachtung, die auch zu Gewalt oder ganz konkreter sozialer Benachteiligung führt. Ich rede über freiwillige Handlungen, wie das Äußern rassistischen und antisemitischen Gedankenguts. Das ist der Unterschied.
    Und jetzt geht dieses Gerede über Nasen wieder los...

    (Und das mit der validen Mail-Adresse war übrigens kein Scherz.)
  • @ Fabian W.
    Ohje, alles Blödsinn was ich schreibe. Und die Sache mit der Nase/Selbstkritik ist auch Blödsinn. Daß du denkst, es gäbe freiwillige Handlungen, finde ich putzig.

    Viel Spaß noch beim freiwilligen Leute-als-Arschloch-Beschimpfen.

    (Ich hab kein Interesse an privater E-Mail-Korrespondenz mit dir. Hier im Kommentarbereich ist genug Platz.)
  • Fabian W. am 04.09.2010 17:04
    Stell dir vor: Ich glaube an eine Grundform des freien Willens, in Ausmaßen. Kannst jetzt ruhig mit Quanten-auf-Gehirnebene oder sozialem Determinismus oder so ankommen.
    Und außerdem: Wirklich, Antisemiten und Rassisten Arschlöcher zu nennen ist für dich eine Streitfrage? Na dann. Wie soll ich sie denn sonst nennen, Faxgeräte?

    Und das mit der Mailadresse hat Netzpolitische Gründe, wie du ja wissen dürftest, und nichts mit Korrespondenz. Ich hab schließlich schon meinen Shabbat mit dir vergeudet, das reicht mir. Also, zukünftige Kommentare von dir ohne valide Adresse werden geblockt.
  • [...] Der Antisemitismus ist heute nach wie vor existent. Doch zusätzlich kocht nun eine antiislamische Stimmung auf – passend zur Bankenkrise. Thilo Sarrazzin ist einer der Vertreter, die Wörter wie “muslimische Obsthändler” und “Kopftuchmädchen” in klar abwertender Absicht verwenden. [...]
  • Samuel Herz Cohen am 03.07.2012 23:16
    Fabian W.: "Das [dass es Antisemiten ÜBERALL gbt] mag paranoid klingen, ist aber eine Tatsache, ebenso wie die Existenz von Sexisten, xeno- und homophoben Arschlöchern. Und Arschlöcher soll man Arschlöcher nennen, sonst wird das nie was mit dem Fortschritt und der anderen, besseren Welt.²
    Genau. Korrekterweise stellt er exemplarisch fest, dass es in allen möglichen Arten von Menschengruppen Arschlöcher gibt. Damit stellt er sicher, dass das mit dem Fortschritt und der anderen, besseren Welt was wird.
    Also: die Existenz von Antisemiten ist eine Tatsache, ebenso wie die Existenz von homophoben Arschlöchern.
    Dann gelte auch die Formulierung: die Existenz von Homophoben ist eine Tatsache, ebenso wie die Existens von antisemitischen Arschlöchern.
    Was dann zwangsläufig zur logischen Abwandlung führt: Es gibt sowohl Homophoben als auch Antisemiten, die keine Arschlöcher sind. Das ist genau so korrekt dann, wie die Eingangsfeststellung des Autors ...
    Denn die Sozialwissenschaften definieren das Versehen einer ganzen Gruppe mit einem für alle geltenden Attribut ist schlicht ein Vorurteil. Antisemitismus als Vorurteil fängt dann an, wenn alle Juden werden ausnahmslos mit einer und der selben Eigenschaft versehen. Dass mancher Jude auch ein Arschloch ist, ist dagegen eine Tatsache, derer Feststellung auch dem Fortschritt dient. Oder doch nicht? Mi jode'a?
  • Samuel Herz Cohen am 03.07.2012 23:22
    Jetzt mal im Ernst: Ist dieser Artikel und ist sein Autor antisemitisch? Sogar womöglich ein antisemitischer Arschloch?

    Trägt er zum Fortschritt auf dem Wege zu einer besseren Welt oder verhindert er sie?

    http://blogs.timesofisrael.com/jews-do-control-the-media/

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